GFFA: Digitalisierung braucht internationalen Rahmen

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Berliner Agrarministerkonferenz: 75 Ressortchefs beschließen Abschlusskommuniqué

Die Agrarminister von 75 Ländern haben sich bei der 11. Berliner Agrarministerkonferenz verpflichtet, bei Landwirtschaft und Digitalisierung sowohl Chancen als auch Risiken im Blick zu behalten. Gemeinsam verständigten sie sich am Samstagmittag beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) einstimmig auf ein ambitioniertes Abschlusskommuniqué. Darin betonen die Ressortchefs: Die Digitalisierung in der Landwirtschaft lässt sich nicht nationalstaatlich oder supranational gestalten – sondern die Vernetzung soll international stattfinden. In dem Abschlussdokument fordern die Vertreter der 75 Länder die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf, ein Konzept für einen unabhängigen internationalen Digitalrat auszuarbeiten.

Auch die Regierungen selbst sind in der Pflicht: Sie sind in dem Kommuniqué aufgefordert, Potenziale und Risiken der Digitalisierung zu erkennen, zu nutzen und zu fördern. Dazu zählt auch, dass Landwirte überhaupt Zugang zu digitaler Technologie haben. Bei den verarbeiteten Informationen aus Stall und vom Acker stellt sich die Frage nach Datensicherheit und Datenhoheit. Im Abschlussdokument blicken die Minister auch auf gesellschaftliche Zusammenhänge: Die Digitalisierung bringt strukturelle Veränderungen und Brüche in Landwirtschaft und ländlichen Räumen – diese Änderungen gilt es zu gestalten.

Zur Eröffnung der Agrarministerkonferenz hatte Bundesministerin Julia Klöckner zu einem einheitlichen Vorgehen aufgerufen: „Wir müssen den Prozess gemeinsam gestalten.“ Den geforderten internationalen Digitalrat für die Landwirtschaft sieht Klöckner dabei als wichtigen Baustein: „Alle FAO-Mitgliedsstaaten könnten von diesem Rat profitieren.“ Die Welternährungsorganisation sei laut Kommuniqué auch gebeten, eine Technikfolgeabschätzung erarbeiten. Klöckner: „Wir brauchen zuverlässige Analysen, um überhaupt annähernd zu verstehen, was global auf uns zukommt.“

Die Bundeslandwirtschaftsministerin fasste es so zusammen: „Heute starten wir einen Prozess – einen Prozess, mit dem wir ein internationales Rahmenwerk für die Digitalisierung der Landwirtschaft schaffen.“ Es gelte, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen ohne die Risiken zu vernachlässigen. Die Berliner Welternährungskonferenz sei ein Ort, um gemeinsam internationale Landwirtschaftspolitik zu gestalten. Es sei das „Davos der Landwirtschaft“.

Klöckner: Mit weniger Ressourcen mehr Menschen satt machen

Die Landwirtschaft steht angesichts der wachsenden Weltbevölkerung vor der Aufgabe, mehr Lebensmittel zu produzieren. Auch heute gehe es darum, die Effizienz der Landwirtschaft zu steigern. Die Digitalisierung könne der Schlüssel dazu sein, sagte die Bundesministerin. Klöckner: „Kurz gesagt: Wir machen mit weniger Ressourceneinsatz mehr Menschen satt!“

Grenzüberschreitend zusammenarbeiten

Das Berliner Agrarministertreffen gilt als das politische Glanzlicht des GFFA. An drei Tagen waren beim GFFA 2000 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengekommen. Sie tauschen sich bei der internationalen Konferenz zu den zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft aus.

Unter dem Titel „Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft der Zukunft“ ging es bei den Fachveranstaltungen des GFFA um die Frage, wie sich das Potenzial der Digitalisierung für die Landwirtschaft besser nutzen lässt und wie Landwirte von digitaler Technologie profitieren können. Dabei spielten auch Datensicherheit und Datenhoheit – im Zusammenhang mit – OpenData eine große Rolle. Ziel war es, neue Impulse für die Gestaltung und Entwicklung von „Landwirtschaft und Digitalisierung“ auf internationaler Ebene geben.

Auf Einladung von Bundesministerin Klöckner hatte erstmals Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am GFFA teilgenommen. Am Freitagnachmittag sprach Merkel vor den Agrarministern über die Bedeutung der Digitalisierung für die Landwirtschaft.

Merkel hob hervor, der Kampf gegen Hunger nehme in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle ein und sagte an die Adresse der internationalen Konferenzteilnehmer: „Sie sind heute hier, um scheinbar unvereinbare Dinge zusammenzubringen: eben jenen Kampf gegen den Hunger sowie der Kampf für einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Für Beides ist die Digitalisierung sehr viel mehr Chance als Risiko.“ Beispielhaft ging die Bundeskanzlerin auf den Klimawandel ein: „Bestimmte Pflanzen gedeihen nicht mehr so, wie vor 100 Jahren – auch bei uns in Deutschland. Klimawandel ist eine ökologische Herausforderung unserer Zeit. Und auch hier kann die Digitalisierung helfen“, sagte Merkel.

Zudem zeigte die Kanzlerin die Bedeutung der Präzisionslandwirtschaft auf – etwa angesichts hoher Stickstoffanteile, die oft ein sehr großes Problem seien. Merkel: „Da kommt uns Präzisionslandwirtschaft zugute. Sie kann jede Pflanze erreichen, Düngemittel sparen. Wenn wir künstliche Intelligenz und ihre Prognosemethoden dazu rechnen, dann haben wir eine ganz wunderbare Zukunft vor uns.“

Mit Blick auf die Konferenz stellte Merkel die Bedeutung politischer Zusammenarbeit heraus: „Damit der Mensch im Zentrum der Dinge bleibt, brauchen wir Leitplanken, Regulierung, einen Rahmen, der Rechtssicherheit bringt.“ Sie rief die Landwirtschaftsminister aus aller Welt dazu auf, Digitalisierung zu gestalten und als Chance zu nutzen – gerade in Bezug auf Ernährungssicherung.

Das GFFA ist die weltweit führende internationale Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft. Sie findet seit 2009 jährlich unter dem Leitthema der Ernährungssicherung im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin statt. Die Agrarministerkonferenz mit 75 teilnehmenden Ministerinnen und Ministern bildet das politische Glanzlicht. Organisiert und geleitet wird das Forum vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA Berlin e. V.

Dieser Beitrag erschien auch auf der Website bmel.de während des GFFA 2019.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de