Zukunftswerkstatt: Blick auf einzelne Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Foto: Pressestelle BMEL

Partizipation im Netz und „in echt“: Zukunftswerkstätten bringen Perspektiven für das Leben auf dem Land

Sie haben online Großes vor?

Vom persönlichen Blog bis zur mehrsprachigen Site: Was sind Ihre Wünsche fürs Web?
Senden Sie mir eine Nachricht — gemeinsam kommen wir weiter!

Bei einer Dialogreihe brachte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft regionale Fachleute und Aktive zum Thema ländliche Entwicklung zusammen: ein Format mit Mehrwert für beide Seiten.

Regional vernetzt – gemeinsam stark: Unter diesem Motto hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von Mai bis Juli 2017 zu vier Zukunftswerkstätten nach Arnsberg in Nordrhein-Westfalen, Eschwege in Hessen, Finsterwalde in Brandenburg und Tirschenreuth in Bayern eingeladen. Im Fokus der Veranstaltungsreihe stand die Frage: Was ist aus Sicht von Fachleuten und Engagierten erforderlich, um ländliche Regionen zukunftsfähig zu gestalten?

On- und offline im Dialog

Die Veranstaltungen begleitete das Ministerium vorab digital: Teilnehmer und Interessierte konnten vor Beginn jeder Zukunftswerkstatt selbst entscheiden, welche Themen und Schwerpunkte bei den Veranstaltungen im Mittelpunkt stehen sollten. Möglich machte das eine digitale Beteiligungsplattform. Diese war während des gesamten Veranstaltungszeitraums für alle zugänglich – sei es um Diskussionsbeiträge zu verfolgen oder um die eigene Expertise in den Dialog einzubringen.

Dieses Angebot kam an: Mehr als 1.300 Interessierte, Experten und Entscheider nutzten die Gelegenheit, sich online zu beteiligen. In rund 1.100 teils sehr ausführlichen Beiträgen und Kommentaren kamen zahlreiche Ideen für die Zukunft ländlicher Regionen zusammen.

Während der Einsatz einer begleitenden digitalen Beteiligungsplattform für das Ministerium ein Novum war, knüpfte es mit den vier Dialogen an Bewährtes an: Bereits 2015 hatte es in zehn „Bürgerdialogen“ Menschen in ländlichen Orten dazu befragt, was aus ihrer Sicht nötig ist, um auch in Zukunft gut auf dem Land leben zu können.

In den vier Zukunftswerkstätten suchte das Ministerium nun gezielt den Austausch mit Aktiven und Engagierten aus Gesellschaft, Unternehmen, Kommunen, Kammern, Verbänden und Politik, die in Zusammenarbeit mit den Landkreisen zu dieser Veranstaltung eingeladen wurden.

Dabei waren die Regionen bewusst ausgewählt: Die vier Veranstaltungsorte sind in Landkreisen beheimatet, die am Modellvorhaben „Land(auf) Schwung“ des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung des BMEL beteiligt sind. Zudem band das BMEL den Deutschen Städte- und Gemeindebund, den Deutschen Landkreistag, den Deutschen Industrie- und Handelskammertag sowie den Zentralverband des Deutschen Handwerks als überregionale Veranstaltungspartner ein.

Die vier Verbände sowie die Partner aus den Land(auf)Schwung-Regionen brachten sich in die Organisation der Reihe ein und waren bei den Veranstaltungen am Ort mit regionalen Vertretern präsent. Um arbeitsfähige Workshops zu gewährleisten, begrenzten die Veranstalter die Teilnehmerzahl auf jeweils maximal 100 Personen. Die Teilnahme war kostenfrei möglich.

Das Ziel der Werkstätten war zum einen, mit Aktiven und Engagierten aus der Region zentrale Herausforderungen für die Entwicklung ländlicher Regionen zu benennen. Und gleichzeitig ging es auch um Lösungsideen: Welche Impulse und Rahmenbedingungen werden benötigt, um diese Herausforderungen erfolgreich anzugehen? Wer sind die entscheidenden Akteure? Und was können wir hier in der Region selbst tun? Neben den konkreten und auf die jeweilige Region bezogenen Ideen ließ sich aus dem, was die Teilnehmer in den unterschiedlichen Workshops erarbeiteten, auch Übertragbares ableiten.

Aussagen aus den Workshops – Schlaglichter:

  • Regionale Identität stärken: Es gibt viele Gründe, selbstbewusster auf die Stärken der eigenen Region und Orte zu schauen. Es gilt, diese Besonderheiten mehr herauszuarbeiten und selbstbewusster zu kommunizieren – auch für die Menschen in der Region. Regionalmarketing und Imagepflege sollen dafür gestärkt werden. Zeitgemäße Informationsformen, zum Beispiel in Form eines „Dorfmediums“, spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch die Regionalzeitungen könnten zur Stärkung des Images einer Region einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Anderer Blickwinkel – neue Perspektiven: Menschen auf dem Land waren schon immer gut darin, unkonventionelle Lösungen für den Alltag zu finden. Das ist auch für die drängenden Fragen der Zukunft ein Pluspunkt: So muss beispielsweise nicht immer die Kundschaft zur Dienstleistung kommen – Arzt, Physiotherapeut, Einkaufsmöglichkeit und Bank können sich auch auf den Weg ins Dorf machen.
  • Freiraum für Menschen und ihre Ideen: Einen weiten Raum, geografisch, aber auch im übertragenen Sinn – den hält das Leben auf dem Land für Menschen und ihre Ideen bereit. Existenzgründer, kreative Geister und Macher finden in ländlichen Regionen eigentlich beste Voraussetzungen. Sie brauchen die positive Einstellung einer Gesellschaft insgesamt, Räume zur Vernetzung, kompetente Ansprechpartner sowie Förderprogramme.
  • Landstraße wird Datenautobahn: Schnelles Internet für alle auf dem Land ist die Voraussetzung für die aktive Teilnahme am digitalen Wandel. Ohne schnelles Internet bleiben Menschen auf dem Land in der sich digitalisierenden Welt außen vor – sowohl als Nutzer neuer Anwendungen als auch bei deren Entwicklung.
  • Lebendige und sorgende Gemeinschaft: Wer auf dem Land lebt, ist überdurchschnittlich bürgerschaftlich engagiert. In vielen Kommunen geht es um die Frage, wie die Gemeinschaft lebendig bleibt und sich das Engagement erhalten lässt, wenn sich die gesellschaftlichen Vorzeichen ändern. Vereine könnten zum Beispiel stärker projektbezogen arbeiten. Neubürger und Zugezogene brauchen die aktive Ansprache durch Alteingesessene und die Dorfgemeinschaft – verbunden mit der Einladung, sich zu engagieren.
  • Weg in die Ausbildung und zurück aufs Land: Zahlreiche Kommunen machen gute Erfahrungen mit Rückkehrprogrammen. Sie richten sich gezielt an ehemalige Bewohner, die nach einiger Zeit zurück nach Hause kommen wollen. Die Rückkehr-Agenturen machen auf die Pluspunkte aufmerksam: günstige Immobilien, Natur zum Erholen, Freiraum für Kinder und gut bezahlte Arbeitsplätze bei einem „hidden champion“, einem weitgehend unbekannten Weltmarktführer des Mittelstands. Gerade junge Familien sind offen für solche Angebote.
  • Aus der Region, für die Region: Weil Gutes naheliegt: Viele Menschen und Unternehmen möchten auf regionale Produkte und Dienstleistungen zurückgreifen und damit die Wirtschaft in ihrer Heimat unterstützen. Digitale Marktplätze können dabei helfen, Anbieter und Kundschaft unkompliziert zusammenzubringen. Wichtig ist, dass lokale Erzeuger mit der Zeit gehen und sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren – etwa bei Lieferservices und Öffnungszeiten. Die kommunale Wirtschaftsförderung kann dabei unterstützen, von der Technik-Beratung bis hin zu Aufbau und Pflege eines Bewusstseins für die Region.

Die Regionen können durch eine umfassende digitale Dokumentation der Veranstaltung und der Ergebnisse an das Erarbeitete anknüpfen. Die Ergebnisse belegen eindrucksvoll das Bewusstsein für die Herausforderungen und Probleme, aber auch für die Stärken und Chancen der eigenen Regionen. Vor allem war der Wille erkennbar, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich dafür zu engagieren. Dabei spielt die Vernetzung von Akteuren und Fachleuten eine wichtige Rolle – ebenso wie der Blick auf gute Beispiele von bereits Erreichtem. Die Zukunftswerkstätten haben bereits vorhandene Prozesse in den Regionen gestärkt. Das BMEL wird die Ergebnisse nun auswerten und in seine Gremien zum Thema Entwicklung ländlicher Räume einbringen.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Zukunftswerkstätten, Impressionen von den Veranstaltungen am Ort sowie die Gesamtauswertung des Projektes finden Sie hier: www.report.bmel.de/zukunft

Ergänzung vom Juli 2019: Die Präsentation der Zukunftswerkstätten, realisiert mit Pageflow, ist leider nicht mehr verfügbar. Bei archive.org gibt es noch eine Memento der Site – ohne Fotos und andere Medienlemente, doch die Texte sind noch zugänglich: https://web.archive.org/web/20190605024854if_/https://20190605024854/www.report.bmel.de/zukunft#120329

Den Beitrag habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Antonia Ibel für das Magazin „Land In Form“ der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) geschrieben. Er erschien in der Ausgabe 4/2017 und kann über den Medienservice der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kostenfrei bestellt und heruntergeladen werden.


Artikel-Tools:

Shortlink:

Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.

  Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).

  Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.

  Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).

  Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte

  Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de