Botswana im Herzen: Erinnerung an Jürgen Kasch

Am 7. Dezember 2016 verstarb Jürgen Kasch im Alter von 50 Jahren im Hospiz in Buchholz nach langer, schwerer Krankheit. Ein Blick zurück auf Begegnungen und gemeinsame Zeiten.

Schon damals brachte uns das Land am anderen Ende der Welt zusammen. Vor mehr als 16 Jahren, im Herbst 2000, lernte ich Jürgen kennen: auf dem Jahrestreffen der deutschen Kirchenkreise, die partnerschaftlich mit Gemeinden in Botswana verbunden sind. Es war in Jürgens Zuhause Rotenburg an der Wümme. Wie kurios: Die Wege führten uns nach Afrika, und genau deswegen kreuzten sie sich immer wieder in der Heimat, in Deutschland.

Botswana, seine Menschen, die Begegnungen, die Freiheit – Jürgen war beseelt davon, es konnte ihn wegtragen, und trotzdem bewahrte er sich eine wohltuende Klarheit. Im Unterschied zu vielen anderen nahm er „Partnerschaft“ wörtlich: Er verlangte Zusammenarbeit auf Augenhöhe und erwartete die Übernahme von Verantwortung, auf beiden Seiten. Als andere in der Partnerschaftsarbeit vor allem Workcamps für Jugendliche sahen, brachte Jürgen Begegnungsreisen für Erwachsene ins Spiel. Er, der Steuerprüfer, sprach undurchsichtige Projekte an und fand, dass es bei „Partnerschaft“ nicht nur um Geld gehen dürfe.

Dialog mit den Partnern in Botswana

Vor zehn Jahren suchte Jürgen deswegen den Dialog – Partnerschaft auf den Prüfstand. Er setzte viel daran, dass Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen auf den Tisch kamen. Dass die Deutschen, unter seiner Leitung, genau das taten – und die Batswana nichts dergleichen, kam für ihn als Kenner der Kulturen Botswanas trotzdem überraschend. Sein Appell, alle, aus beiden Ländern, gehörten doch einer gemeinsamen Kgotla an, verhallte bei manchen ungehört. Es schmerzte ihn tief und über Jahre sprach er immer wieder darüber.

Auch wenn ihn diese Enttäuschung sehr mitnahm, blieb Jürgen Botswana und seinen Menschen loyal. Sogar nach einem schweren Autounfall und dem Diebstahl von viel Geld während einer Begegnungsreise: Er pflegte seine Kontakte, verfolgte die Nachrichten aus dem südlichen Afrika und war über Interna bei den Kirchen besser informiert als manche Offizielle im Land. Wenn wir in den letzten Monaten sprachen und Neuigkeiten austauschten, schwang bei Jürgen immer die Hoffnung mit, bald wieder reisen zu können, um vielleicht dann den Mmegi zu lesen und in vielen Gesprächen wieder auf den neuesten Stand zu kommen.

Vielfach engagiert, auch beim Kirchentag

Die Hoffnung, dass es besser werden kann und dass es wichtig ist, sich für etwas einzusetzen: Jürgen zeigte den Menschen in seinem Umfeld immer wieder, dass er es damit ernst meint – ein Vorbild. Er engagierte sich für die Deutsche Gesellschaft der Freunde Botswanas (DGFB). Über Jahre arbeitete er ehrenamtlich beim Evangelischen Kirchentag mit. Alle zwei Jahre war er dabei als Hallenleiter für den reibungslosen und sicheren Ablauf in einer Messehalle verantwortlich. Dafür verausgabte er sich und nahm Sonderurlaub. Beim Kirchentag in Köln 2007 schrieb ich ein Portrait über ihn. Er sagte bemerkenswert Unaufgeregtes, zum Beispiel, er erlebe diese Großveranstaltung eben anders als die Mehrheit. Und: „Die harte Arbeit hat auch Erholungswert.“

Mit dieser Einstellung machte Jürgen vieles möglich. Obwohl er schon lange in Hamburg lebte, hielt er den Kontakt zur Heimat aufrecht, bis hin zur kirchlichen Blasmusik. Er öffnete seine Wohnung für mich als Übernachtungsgast, empfahl Restaurants, schenkte Wein nach und traf sich mit mir, wenn ich mal wieder in der Stadt war. Wir sprachen – natürlich – über Botswana, „Kirchens“ und Reisepläne. Wo ist Jürgens Sehnsuchtsort? Die Sandpiste durch die Kalahari? Das Mokoro im Okavango-Delta? Die Kgotla mit schier endlosen Diskussionen? Der lutherische Gottesdienst am Sonntagmorgen in Maun?

Die letzten Treffen und Gespräche standen auch unter dem Zeichen der Krankheit. Von ihr gezeichnet, vielleicht auch geprägt, doch immer mit der Hoffnung, dass alles die Mühe wert ist. Es schmerzt, dass die Wahrheit nun eine andere geworden ist. An einem Morgen im Dezember schlief er friedlich im Hospiz ein. Es bleibt der Blick auf unsere Wegkreuzungen. Jürgen machte sie möglich und prägte sie – mit Geradlinigkeit und seinem tiefen Verständnis dafür, was hier und in Botswana zu tun ist.

Die DGFB erinnert auf ihrer Website ebenfalls an die gemeinsame Zeit mit Jürgen.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


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