Was steckt hinter meinem Konsum? Interaktive Karte mit Open Street Map

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Die Fachinformationen von Brot für die Welt beleuchten entwicklungspolitische Fragen. Sie richten sich an ein Fachpublikum. Doch wie lassen sich diese Infos – von Profis für Profis – für die allgemeine Öffentlichkeit, also Leute, die spenden und die sich für entwicklungspolitische Themen interessieren, sinnvoll aufbereiten? Mit einem interaktiven Digital-Format ist das möglich – einer intuitiv nutzbaren Online-Karte.

Die Resonanz auf Studie und Karte war sehr gut: Die Studie an sich (PDF) wurde fast 18.000 Mal heruntergeladen. Innerhalb der ersten Woche wurde die Karte 600 Mal aufgerufen. Im Social Web lief das Angebot besonders gut – vor allem auf Facebook. Mein Blogbeitrag zum Thema kam in den ersten vier Tagen auf 2500 Aufrufe.

Der Inhalt der Studie – zusammengefasst

Was steckt eigentlich drin in den Dingen, die wir in Deutschland kaufen? Das Team von Brot für die Welt hat nachgeschaut – für die drei Produktgruppen Kleidung, Hühnerfleisch und Autos. Es fand heraus: Die Bedingungen, unter denen diese Waren entstehen, sind oft schlecht – für die Menschen und die Umwelt. Die Hersteller dagegen profitieren davon und machen Gewinne. Einige der Unternehmen kommen auch aus Deutschland.

Die Fachleute von Brot für die Welt berichten über Näherinnen, die bis zu 16 Stunden täglich in den Textilfabriken von Bangladesch arbeiten. Und sie machen auf das Schicksal der kleinen Bauernhöfe in Paraguay aufmerksam – deren Besitzer werden von ihren Feldern vertrieben, weil auf dem angestammten Land Soja als Futtermittel wächst. Auch wenn das weit weg von Deutschland passiert, hat das viel mit uns zu tun: Die Kleidung aus Asien gibt es in deutschen Geschäften, und das Soja ist für die Geflügelmast bestimmt. Das Hühnerfleisch landet auch auf Tellern der deutschen Kundschaft.

Es gibt Unternehmen, die mit dem weltweiten Handel sehr viel Geld machen. Manchmal sind die Einnahmen dieser Firmen sogar höher als das, was ganze Staaten einnehmen: Zum Beispiel gibt es auf der ganzen Welt nur 22 Länder, die eine höhere Wirtschaftsleistung als die US-Supermarkt-Kette Wal-Mart haben.

Wenn es aber um die Übernahme von Verantwortung geht, stehlen sich viele Unternehmen davon – so die Einschätzung der Fachleute von Brot für die Welt. Die Firmen übernehmen meist keine Verantwortung für die Produktionsbedingungen entlang der Lieferkette – dabei hätten sie Einfluss und auch Geld, um genau das zu tun.

Das, was das Team von Brot für die Welt herausgefunden hat, ist in einer großen Online-Weltkarte zu sehen: Wer auf die Symbole in der Karte klickt, erfährt mehr – etwa, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe für Autos und Kleidung entstehen. Deutlich wird auch: Oft sind es Kinder, Frauen und Männer in armen Ländern, die für unsere vermeintlichen Schnäppchen einen hohen Preis zahlen.

Studie zum Runterladen: Wer zahlt den Preis für unseren grenzenlosen Konsum?

Eine eigene Karte erstellen – so geht es

  • Genügend Zeit einplanen. Das Veröffentlichen einer gedruckten oder PDFisierten Studie ist an sich schon viel Arbeit. Die Aufbereitung in einer interaktiven Karte benötigt ebenfalls Aufmerksamkeit.
  • Skizze auf Papier anfertigen und Inputs sortieren: Was soll wie visualisiert werden? Icons, Pop-Ups, Polygone, Flächen… Ebenfalls wichtig: Die Entscheidung, wie und auf wie vielen Ebenen die Elemente gruppiert werden sollen. Die „Ebenen“ legen sich über die eigentliche Kartendarstellung; sie sind über eine DIalogbox einzeln zu- und abschaltbar.
  • Bekanntester Online-Dienstleister für eigene Karten ist Google Maps. Es ist auch möglich, quelloffen zu arbeiten – mit Open Street Map (OSM). Es gibt verschiedene Grundkarten (Tiles) zur Auswahl; außerdem arbeitet das OSM-Framework gut mit anderen Anbietern zusammen, mit denen man die Overlays mit den eigenen Daten erstellen und visualisieren kann. Ich habe mich nach einigen Tests für uMap entschieden. Mit uMap lassen sich Karten mit Mit uMap kannst du in einer Minute Karten mit OSM-Hintergrund erstellen und sie in die eigene Website einbinden.
  • Man braucht ein Benutzerkonto, um die Karte später speichern zu können. Wer noch keines hat, muss sich eines anlegen.
  • Kartenebenen anlegen – passend benennen und die Eigenschaften (Farbe, Default-Logo klug wählen. Diese Eigenschaften lassen sich dann an jene Elemente, die die Ebene enthält, vererben. Das kann eine Menge monotoner Arbeit sparen.
  • Elemente hinzufügen: Marker, Linien, Flächen… Außerdem Farben und Icons der Kartenmarker einstellen. Wer eigene Icons haben möchte: Zuerst als GRafik (bewährt hat sich PNG mit Transparenz/Alphakanal) auf den eigenen Server hochladen; die URL dann bei uMap eingeben.
  • Dann noch die Karteneinstellungen verwalten: Möglich sind, unter anderem, eine Übersichtskarte anzeigen, den Nutzer beim Seitenaufruf lokalisieren, die Legenede oder eine Erklärung einblenden…
  • Wer will, kann eine Lizenz auswählen.
  • Der letzte Schritt – wenn alles getestet und überprüft ist: Karte teilen und in der eigenen Website einbinden.

Verbreitung über Social Media

Was steckt wirklich drin im Einkauf? Auf dieser interaktiven Weltkarte gibt es Antworten.

Posted by Brot für die Welt on Mittwoch, 27. Januar 2016

Die fertige Karte

Hier klicken für die Vollbild-Ansicht…

Ergänzung vom Juli 2017: Nach dem Relaunch der Website von Brot für die Welt stehen die in der Karte eingebundenen Grafiken und Icons leider nicht mehr zur Verfügung.

Line Extension: Podcast-Episode zum Thema

Ergänzung vom Februar 2016: Um die Studie und ihre Ergebnisse geht es auch im neuen Podcast von Brot für die Welt. Zu Wort kommen meine Kollegin Sarah Lincoln und mein Kollege Sven Hilbig.

Das Manuskript des Podcasts

Hühnerbrustfilets beim Discounter: drei Euro. Ein T-Shirt bei der globalen Klamottenkette: vier Euro. Klingt preiswert, ist es aber oft nicht. Irgendwo in der Welt zahlt jemand den Preis für diese Produkte. Denn die Bedingungen, unter denen sie entstehen, sind oft schlecht – für die Menschen und die Umwelt. Die Hersteller dagegen profitieren davon und machen Gewinne.

Brot für die Welt hat für drei Produktgruppen untersucht, unter welchen Bedingen sie entstehen: Kleidung, Hühnerfleisch und Autos. Die Ergebnisse sind auf einer interaktiven Karte auf brot-fuer-die-welt.de zu sehen.
Beispiel Auto – Statussymbol und Zeichen von Wohlstand fast überall in der Welt. Aber: Woher kommen die Rohstoffe, die in unseren Autos stecken? Unter welchen Bedingungen wurden sie abgebaut? Sven Hilbig, Referent für Welthandel und globale Umweltpolitik bei Brot für die Welt:

„Das Auto besteht zu zwei Dritteln aus Erzen und Mineralien. Und die kommen aus Lateinamerika oder anderen Staaten im globalen Süden und müssen dort abgebaut werden unter Bedingungen, unter denen man hierzulande nicht abbauen würde – also unter menschenrechtlich schwierigen oder menschenrechtlich unwürdigen Bedingungen. Es kommt zu Umweltzerstörungen. Beim Abbau der Mineralien, beim Bergbau sozusagen müssen ganze Landstriche kaputt gemacht werden, um an die Mineralstoffe heranzukommen.“

Manchmal bezahlen die Menschen auch mit ihrer Gesundheit. Im Bergbaugebiet von Cerro de Pasco in Peru haben 83 Prozent der dort lebenden Kinder erhöhte Bleiwerte im Blut. Neue Minen, neue Konzessionen führen oft zu weiterer Ungerechtigkeit: Wo Bergbau betrieben werden soll, stören die Menschen, die dort eigentlich leben. Was fehlt, ist ein fairer Plan, wer welches Land wie nutzen darf, sagt Sven Hilbig:

„Wo einfach klar ist ‚Hier ist ein Gebiet, da wird z. B. Landwirtschaft betrieben, da ist ein Dorf.‘ Und dann sagt man ‚Okay, daneben dürfen Rohstoffe abgebaut werden.‘ Sondern sozusagen diese beiden Ansprüche – des Unternehmens, an dem, was unter dem Boden ist –und dem Anspruch der Leute, die oben den Boden nutzen wollen, zur Viehwirtschaft, wie auch immer – führt dann zum Konflikt.“

Was also tun, wenn die gemeinsame Nutzung eines Autos oder öffentliche Verkehrsmittel nicht reichen und eben doch der Kauf eines eigenen Autos ansteht? Sven Hilbig rät: öfter mal nachfragen.

„Dann sollte man sich beim Autohändler erkundigen und fragen, ob er eigentlich weiß, ob dieses Auto, das er verkaufen möchte, Metalle enthält, die aus menschenrechtlich fragwürdigen Bedingungen abgebaut wurden. Das ist wahrscheinlich ein langer Weg und oft wird der Autohändler auch erstaunt sein über diese Frage. Aber was man auf jeden Fall in Gang setzt ist ein anderes Bewusstsein auch beim Autohändler, denn der wird ja hoffentlich auch nachfragen dann beim Autoproduzenten.“

Viele Informationen bekommt man aber bereits auf der interaktiven Weltkarte auf der Website von Brot für die Welt. Vom Kupferabbau in Peru über billiges importiertes Fleisch in Kamerun bis zur rechtswidrigen Landnahme in Paraguay. Dort zum Beispiel verdrängt der Soja-Anbau die Menschen von ihren kleinen Bauernhöfen. Soja, das auch in den Futtertrögen deutscher Tiermäster landet…

Oder das Beispiel Kleidung: Vom Baumwollfeld bis zur Nähfabrik – das T-Shirt, das wir in Deutschland kaufen, hat oft einen langen und für viele Beteiligten leidvollen Weg hinter sich. Während vor allem große Modefirmen profitieren, sind die Arbeitsbedingungen oft menschenunwürdig, die Kosten für die Umwelt hoch: Beim Anbau der Baumwolle sind giftige Pflanzenschutzmittel im Spiel. Zehntausende sterben jedes Jahr an akuter Pestizidvergiftung. Hinzu kommen Tausende Fälle von schweren Erkrankungen, etwa Krebs – hervorgerufen durch die Chemie auf dem Feld. Sarah Lincoln, Referentin für soziale Menschenrechte bei Brot für die Welt, ergänzt:

„Und natürlich die Probleme in den Nähereien, das kennen wir alle, die Fabrikeinstürze, die Brände in Pakistan oder Bangladesch. Aber darüber hinaus, die Arbeitsbedungen jeden Tag sind dort katastrophal, die Menschen arbeiten teilweise bis zu 80 Stunden die Woche und bekommen einen Lohn, von dem sie gar nicht leben können, geschweige denn eine Familie ernähren können.“

Wenn es aber um die Übernahme von Verantwortung geht, stehlen sich viele Unternehmen davon – so die Einschätzung der Fachleute von Brot für die Welt. Es gibt zwar internationale Standards in Sachen Arbeitsrecht, Sicherheit oder Gewerkschaften, aber: Sie sind freiwillig. Brot für die Welt fordert deswegen Gesetze – und dass sich die Unternehmen daran halten müssen. Dafür sollte sich auch die Kundschaft einsetzen, sagt Sarah Lincoln:

„Denn natürlich ist es im Moment auf dem freien Markt so: Die meisten Unternehmen scheren sich nicht darum und deswegen ja, man kann fair einkaufen und das hat auch Wirkung, aber man sollte sich auch politisch engagieren und von der Politik fordern, regulierend aktiv zu werden und von allen Unternehmen bestimmte Standards einzufordern.“

Und dafür ist jetzt übrigens eine gute Zeit:

„Die deutsche Regierung entwickelt einen nationalen Aktionsplan. Dieser Aktionsplan beschäftigt sich ganz explizit mit genau diesen Problemen der Unternehmensverantwortung. Und im Moment deutet einiges darauf hin, dass sich die Bundesregierung darauf beschränkt, weitestgehend freiwillige Maßnahmen darin vorzusehen. Da kann jetzt jede Person eine Mail oder einen Brief schreiben, sei es ans Kanzleramt oder ans Auswärtige Amt oder an den Abgeordneten im Wahlkreis und sagen, dass man fordert, das Unternehmensverantwortung verbindlich wird.“

Die Wertschöpfungsketten von Autos, Kleidung, Hühnerfleisch. Wer profitiert, wer leidet? Die interaktive Karte plus Studie zum Thema gibt es auf der Website von Brot für die Welt unter brot-fuer-die-welt.de/konsum.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de