Interaktiv und multimedial: Storytelling für Brot für die Welt

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Premiere bei Brot für die Welt: Zur neuen Spendenaktion „Satt ist nicht genug“ gestaltete ich ein interaktives Storytelling mit dem Tool Pageflow.

Die User können sich selbstständig durch eine Reportage durch „Monoland“ navigieren – eine Region Indiens, die von Saatgut-Monokultur und einer deutlich erhöhter Suizid-Rate von Bauern geprägt ist. Am Beispiel einer Witwe und ihrer drei Kinder wird deutlich, welche fatalen Auswirkungen die Geschäftstätigkeit großer Saatgutkonzerne hat und welchen Ausweg es gibt. Neben Fotos und Texten (kurz und lang) gibt es auch Videos, Bewegtbild-Loops, Audio-Takes (mit und ohne Overvoice) sowie Atmos.

Technisches zu Plattformen, Hosting und Erreichbarkeit

Vor anderthalb Jahren (Mai 2014) stellte der WDR das von ihm entwickelte Reportagetool Pageflow der Community kostenlos zur Verfügung. Über Github lässt sich das Projekt herunterladen oder forken. Allerdings ist die Installation auf dem eigenen Server ziemlich anspruchsvoll – ein herkömmliches Webhosting-Paket mit PHP und mySQL reicht bei weitem nicht aus. Benötigt werden Speicherplatz bei Amazon S3 (für Video, Foto, Audio), einen Zugang zum Medien-Konvertierungsdienst Zencoder und ein Messaging-System, das Informatonen zwischen diesen Komponenten und der MySQL-Datenbank austauschen kann (Redis/Resque).

Für Brot für die Welt entschied ich mich daher für eine Hosting-Lösung. Derzeit gibt es zwei mir bekannte Anbieter:

  1. Einerseits das Pageflow-Projekt selbst,
  2. andererseits I-Public, die Internetagentur des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP).

Das Team von I-Public war so nett und richtete mir Mitte des Jahres einen Probeaccount ein, auf dem ich eine Betaversion von „Monoland“ entwickeln konnte und mit dem auch „Herumspielen“ möglich war.

Alternativen zu Pageflow

Ein Team vom BR entwickelte Linius – ein Storytelling-Tool, das auf WordPress aufsetzt, aber mehr ist als ein WordPress-Theme. Im Gegensatz zu Pageflow ist Linius in einem Standard-Webhosting-Paket gut unterzubringen. Wer beim eigenen (Shared-) Hoster eine Turnkey-Funktion für Software-Installation hat, kann Linius samt Basis-Wordpress innerhalb von wenigen Minuten zum Laufen bringen. Linius bietet mehr Content-Elemente als Pageflow; etwa die sehr schöne Möglichkeit, Fotos mit Erklär-Elementen anzureichen. Leider ist das Linius-Paket überraschend nicht mehr frei verfügbar gewesen, und in der Community gab es Diskussionen über die Vereinbarkeit dieses Vorgehens mit der GNU-Lizenz, unter der WordPress steht. Mittlerweile greifen die FAQs von Linius dieses Thema auf. Bei meinem Test gab es leider Performance- und Darstellungsprobleme, sobald Video oder Audio eingebunden waren. Unterm Strich lief bei meinem Test für Brot für die Welt Pageflow stabiler und konsistenter auf verschiedenen Endgeräten, außerdem war das Lizenzmodell transparenter. Die Plattformen sind in der Entwicklung, daher lohnt es sich, immer wieder mal auf die neuesten Geschichten zu schauen. Sehenswert finde ich beispielsweise die Story des BR über das Oktoberfest-Attentat, allein schon wegen des Einsatzes ener Kamera-Drohne.

Neben diesen beiden Storytelling-Plattformen gibt es auch noch

Making of – Tipps aus der Praxis

Storytelling braucht eine Geschichte und das Handwerk des Erzählens – und somit auch ein stimmiges Casting und eine Entwicklung der Handlung. Langeweile, Statik und Altbekanntes eignen sich für das interaktive Storytelling. Es ist auch keine weitere Ausspielmöglichkeit für ohnehin schon vorhandene Print-Texte (gute Parodie hier).

Ich habe das Material (Texte, Fotos, Videos, Audio-Takes, Notizen), die meine Kolleginnen von Projektreisen nach Indien mitgebracht haben, gesichtet, sortiert und kurz verschlagwortet. Auf der Glasfront meiner Online-Redaktion – als improvisiertes Whiteboard – listete ich diese Elemente auf, um sie in einem späteren Schritt zu einem Storyboard zu verweben. Mit der Unterstützung meiner Kollegin Kristine Arndt entstand das Casting. Die Entscheidung fiel auf eine Witwe, deren Mann sich vor fünf Jahren das Leben nahm, weil er als kleiner Landwirt hoffnungslos mit Saatgut-Krediten überschuldet war. Für uns war und ist sie der stärkste Charakter!

Wer selbst eine Multimedia-Reportage plant, sollte versuchen, bei der Produktion der Elemente selbst dabei zu sein (und daran aktiv mitzuwirken – Produktionserfahrung ist ein Vorteil). Am Ort lässt sich auch noch nachhaken und, falls nötig, eine weitere Einstellung produzieren. Schließlich ist eine Reportage kein Nachrichtenbeitrag; die eigenen Sinneseindrücke und Wahrnehmungen spielen durchaus eine wichtige Rolle.

Sollte es nur möglich sein, mediale Gewerke zu bestellen, ist es gut, sich mit dem Autorenteam rechtzeitig zusammenzusetzen und die (mögliche) Story grob und soweit möglich durchzusprechen und zu planen. Fotos sollten im Querformat sein und rechts oder links Platz haben, um Text unterzubringen. Ein Satz Atmo ist immer gut, und Videoaufnahmen für Loops müssen mit dem Stativ aufgenommen sein. Schwenks und Zoom sind nicht nötig – die (sparsame) Bewegung sollte im Motiv an sich sein. Es ist gut, dabei an die Zielgruppe zu denken (Für wen mache ich diese Story?) und, zumindest als NGO, auch an einem Call to Action zu arbeiten (Was soll die Zielgruppe am Ende der Story machen? Spenden? Newsletter abonnieren? Petition unterschreiben?).

Die fertige Story ist ein Gemeinschaftswerk: Um Texte aus Indien und die Recherche am Ort kümmerte sich Karin Billanitsch. Fotos und Videos aus Indien sind von Thomas Lohnes. Die Videos in Deutschland drehten mein Kollege Michael Billanitsch und ich. Die Animation der Kerze in der ersten Szene Redaktion übernahm unsere Web-Agentur Amedick & Sommer. Um die Übersetzung des englischen Monsanto-Textes kümmerte sich Hubertus Tessar. Die Produktion der Audio-Overvoices lag bei unserer „Podcast-AgenturTonjuwelen. Konzept, Produktion und Redaktion lagen in meinen Händen. Allen Beteiligten gilt mein Dank!

Über die Spendenaktion von Brot für die Welt

Jedes Jahr am ersten Advent stellt Brot für die Welt eine neue Spendenaktion vor – stellvertretend für die weltweit mehr als 1000 Projekte des evangelischen Hilfswerks. Das Thema 2015: Satt ist nicht genug. Wenn fast zwei Milliarden Menschen an Hunger oder Mangelernährung leiden, dann haben Politik und Wirtschaft versagt. Denn das Menschenrecht auf Nahrung ist ein unveräußerliches Menschenrecht. An einem Projekt aus Indien stellen wir das beispielhaft vor: Navdanya („neun Saatgutarten“), geleitet von der Wissenschaftlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises (Right Livelihood Award), Vandana Shiva.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).


Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de