Jenseits der Schlagzeilen: Podcast über die Folgen von Ebola

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Das FotoEin Mitarbeiter des Foya Borma Hospital entsorgt in einem Schutzanzug Krankenhausabfaelle, die auch eventuell kontaminiert sind. Die Einrichtung gehört zum Projekt Christian Health Association in Liberia (CHAL), einem Projektpartner von Brot für di die Welt. Foto: Christoph Püschner

Wir geben uns zur Begrüßung nicht die Hand, dabei bin ich froh, Shecku Mansaray für den Podcast von Brot für die Welt interviewen zu können. Doch der Gast aus Sierra Leone bleibt auf eigenem Wunsch auf Distanz. Der Grund: Ebola. Die Krankheit und ihre Folgen für das afrikanische Land Sierra Leone und ganz Westafrika sind auch das Thema, über das ich mit dem weitgereisten Gast sprechen will. Ein Jahr danach: nach den Schlagzeilen, nach der Hysterie, nach demm spätkolonialen Vorurteilen, transportiert auch von Medien in Deutschland. Das Virus ist im Alltag in Sierral Leone immer noch präsent, während „Ebola“ längst aus den Schlagzeilen unserer Medien verschwunden ist (eine Ausnahme: dieser Bericht in der Frankfurter Rundschau).

Die Angst vor Ebola brachte die Menschen im Westen Afrikas auf Distanz und erzeugte „No Touch Communities“. Davon hatten Fachleute immer wieder berichtet. Das Wahren von Abstand selbst zu erleben, empfand ich auch als beklemmend. Da war es gut, dass Shecku Mansara auch von Positivem berichten konnte – auch, wenn Ebola großes Leid über viele Menschen brachte und die Situation für die angezählten Staaten Sierra Leone, Liberia und Guinea nochmals erschwerte.

Der Inhalt dieses Gesprächs ist mir wichtig, aber dennoch ein Blick auf die Technik, auf die ich auch ein wenig stolz bin: Shecku Mansaray war der erste Interview-Gast im neuen, kleinen Aufnahmestudio von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Wir haben eine ehemalige Abstellkammer hergerichtet – mit Schallschluck-Schaumstoff und Teppichboden. Die O-Töne sammelt jetzt ein Studio Röhren-Mikro (the t.bone SCT-800 – günstig, aber gut) ein. Die Aussteuerung direkt während der Aufnahme ist mit einem kleinen, an den Schnittrechner angeschlossenen Fünf-Kanal Recording- und Podcast-Mischpult (Behringer Xenyx 302 USB) möglich. Die Aufnahme direkt am Rechner (via Audacity) spart das Umkopieren von der Speicherkarte des Aufnahmegeräts auf den Schnittrechner. Für die professionelle Produktion und die schönen Radio-Stimmen sorgten wie immer die Tonjuwelen.

Die fertig produzierte Podcast-Episode

Den Beitrag zum Anhören, ausgespielt über die Embed-Funktion der Mediathek von Brot für die Welt.

Das Manuskript des Podcasts zum Thema Ebola

Westafrika, vor einem Jahr: Länder machen Schlagzeilen. Es geht um Ebola. Liberia, Guinea – und Sierra Leone. Längst widmen sich die Medien anderen Themen. Doch Brot für die Welt bleibt dran – gemeinsam mit den Partnern in Afrika. Shecku Mansaray aus Sierra Leone ist einer von ihnen. Der Ausbruch des Ebola-Virus kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, berichtet der Projektkoordinator. Denn gerade erst begann sich sein Land von dem zehnjährigen Bürgerkrieg zu erholen. Zehntausende Menschen waren ihm zum Opfer gefallen. Der Krieg ließ vor allem eins zurück: Zerstörung.

„Wir sprechen nicht umsonst von einer doppelten Tragödie. Ebola kam in einer Phase, in der das Gesundheitssystem wie auch alle anderen Bereiche des Landes einer Epidemie dieses Ausmaßes überhaupt nicht gewachsen waren. Ebola hat uns kalt erwischt und konnte sich so in kürzester Zeit im ganzen Land verbreiten. In erster Linie, weil die Bevölkerung nicht viel über die Krankheit wusste.“

Shecku Mansara koordiniert Projekte bei SLADEA in Sierra Leone. Die Organisation bietet Erwachsenen Bildungschancen und arbeitet seit Jahren mit Brot für die Welt zusammen. SLADEA bringt beispielsweise Erwachsenen Lesen und Schreiben bei – weil sie es als Mädchen und Jungen nicht lernen konnten. Doch zur Hochzeit der Epidemie vor genau einem Jahr hatte das Team von SLADEA längst gemerkt, dass auch anderes Wissen wichtig ist – und Leben retten kann.

Mit Unterstützung von Brot für die Welt war es möglich, schnell neue Aufklärungsprogramme aufzulegen. Wie verbreitet sich das Virus? Was sind Symptome? Wie ist Hilfe möglich? Die Menschen bekamen schnell Antworten, ein gutes Mittel gegen Panik und Angst. Die Aufklärung kam an – auch bei den vielen Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Das ist die Mehrzahl der Erwachsenen – mehr als 50 Prozent gelten als Analphabeten. Mit Postern und Infotafeln gingen die SLADEA-Teams in die Dörfer. Sie entwickelten Sendungen für Radio und Fernsehen. Eine wichtige Erfahrung aus der Aids-Aufklärung kam den Fachleuten dabei zugute: Die Menschen müssen in ihren Gemeinden, in den Familien persönlich angesprochen werden. Neues Wissen, das Leben rettet, braucht Gemeinschaft. Die Verwaltung in der Hauptstadt konnte das nicht leisten:

„Die Regierung war noch damit beschäftigt, eine Infrastruktur zur Bewältigung der Epidemie aufzubauen. Aber die Zahl der Fälle stieg so schnell, dass sie das völlig überforderte. Also sind wir als Einrichtung für Erwachsenenbildung in die Gemeinden gegangen, um die Informationslücke zwischen der Regierung und den Menschen am Ort zu schließen. Wir haben ihnen die wichtigsten Informationen zu der Epidemie übermittelt; wir haben ihnen Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen. Die Antworten haben die Menschen in die Lage versetzt, mit der Krankheit umzugehen. Sie wussten dann, was zu tun ist, wenn jemand in der Familie, in der Gemeinde an Ebola erkrankt.“

Heute, ein Jahr später, blickt Shecku Mansara zurück: Mehr als 3500 Menschen sind allein in seinem Land, Sierra Leone, an Ebola gestorben. Aber – und das ist die gute Nachricht – der Einsatz in den Dörfern und für Aufklärungsprogramme bringt Erfolge:

„Die schlimmste Zeit ist vorbei, die Zahl Krankheitsfälle sind seit Anfang 2015 ist rückläufig. Die Situation im Moment ist so, dass es in jedem Teil des Landes Gesundheitseinrichtungen für mögliche neue Ebola-Fälle gibt. Im Moment zählen wir runter auf null, vor zehn Tagen ist der letzte Ebola-Patient aus der Quarantäne entlassen worden. Wenn wir in den nächsten 32 Tagen keinen neuen Fall von Ebola bekommen, in keinem Teil des Landes, in keinem Dorf, in keinem Haus, dann… hoffentlich, sind wir Ebola-frei.“

Für Sierra Leone ginge dann die härteste Zeit erst einmal zu Ende. Immerhin: Nach der Ebola-Epidemie steht das Gesundheitssystem besser da als vorher. Sollte es wieder einen Ausbruch geben, ist das Land besser vorbereitet: Gesundheitszentren, Personal, Verhaltensregeln… Doch vieles bleibt schwierig – Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte sind selbst erkrankt oder geflohen. Es wird dauern, bis diese Lücken geschlossen sind. Ebola ist nicht mehr in den Schlagzeilen, und auch deswegen gibt es weniger Hilfsgeld. Und dann sind da noch die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Epidemie, die es jetzt noch zu bewältigen gilt, sagt Shecku Mansara:

„Unser Alltag ist immer noch nicht wie vorher. Ebola war verheerend für das Land, es hat viele Konflikte in den Gemeinden ausgelöst, viele Menschen haben ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage verloren. Es wird dauern und es wird anstrengend sein, das alles wieder aufzubauen. Aber mit der Hilfe unserer Partner – wie zum Beispiel Brot für die Welt – werden wir aus den Ruinen auferstehen, so wie wir auch aus den Ruinen des Krieges wiederauferstanden sind.“

„Saving Sierra Leone from Ebola“ heißt das Projekt, das Brot für die Welt seit 2014 unterstützt. Das Ziel: Die Selbsthilfe der Menschen in den betroffenen Gemeinden fördern und wieder gute Lebensbedingungen herstellen. Dazu will auch die Partnerorganisation SLADEA so schnell wie möglich zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückkehren: Erwachsenen Bildung vermitteln, zum Beispiel mit Alphabetisierungskursen für die Menschen in Sierra Leone.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de