Mangelernährung – schwieriges Thema, per Podcast erklärt

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Zwei Milliarden Menschen weltweit gelten als mangelernährt. Sie leiden unter „stillem Hunger“. Was die Kalorien betrifft, sind sie ausreichend versorgt – aber es mangelt ihnen an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Mit der neuen Aktion von Brot für die Welt machen wir darauf aufmerksam. Das Motto: „Satt ist nicht genug“. Das hört sich provokativ an, doch das Thema ist wichtig: Kinder, die in ihren ersten 1000 Lebenstagen zu wenig Nährstoffe im Essen haben, werden womöglich ihr ganzes Leben Probleme haben, darunter Kleinwüchsigkeit, Lernschwäche und Anfälligkeit für Krankheiten. Für Frauen, die unter „stillem Hunger“ leiden, sind Geburt und Schwangerschaft ein großes Risiko – Stichwort Blutarmut.

Ein schwieriges Thema – und damit ein Fall für redaktionelle Kompetenz und einen Podcast. In dem gut fünfminütigen gebauten Radiobeitrag kommen zu Wort:

  • Christine Mukakamali, eine Bäuerin aus einem der geförderten Projekte in Ruanda
  • Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin Brot für die Welt

Die O-Töne von Christine Mukakamali stammen aus einem Projektfilm zu dem Thema. Aus der Cleanfeed-Ausspielung (also ohne deutsche Overvoices) ließen sich die Töne in guter Qualität und mit Atmo extrahieren.

Die O-Töne stehen auch Medien zur Verfügung – über das Rechercheangebot Mediapark.

Der fertige Beitrag in der Mediathek von Brot für die Welt – produziert auch dieses Mal vom Team der Tonjuwelen:

Für alle Interessierten hier das Manuskript des Podcasts:

Etwa 805 Millionen Menschen auf der Welt hungern. Brot für die Welt setzt sich dafür ein, dass sich das ändert. Doch es gibt noch eine andere Art Hunger: Mangelernährung oder sogenannten Stillen Hunger. Viele Frauen, Männer und Kinder nehmen zwar genügend Kalorien zu sich, um abends nicht hungrig ins Bett zu gehen. Für ein menschenwürdiges, gesundes und aktives Leben reicht das aber nicht. Die 56. Aktion von Brot für die Welt steht deswegen unter dem Motto „Satt ist nicht genug“. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt:

„,Satt ist nicht genug‘ bedeutet – wir wollen uns mit dem Thema Fehernährung, Mangelernährung beschäftigen. Mit der Frage: Was brauchen Menschen eigentlich an Mikronährstoffen, um gesund sich entwickeln zu können? Wenn uns Mikronährstoffe, also zum Beispiel Vitamine oder Mineralien, fehlen, dann bedeutet das nicht nur, dass wir nicht so leistungsfähig sind, es bedeutet auch, dass wir leichter krank werden können.“

Mangelernährt – für zwei Milliarden Menschen ist das Alltag. Ihnen fehlen Nährstoffe wie Eisen, Zink, Jod und Vitamine. Das bleibt für sie nicht ohne Folgen, erklärt Cornelia Füllkrug-Weitzel:

„Sie erhalten bereits als Kinder in den ersten 1.000 Tagen ihres Lebens zum Beispiel nicht genug Mikronährstoffe. Und dadurch kann sich ihr Gehirn nicht richtig entwickeln. Das kann bedeuten, dass sie kleinwüchsig sind, das kann Lernstörungen, Konzentrationsstörungen bedeuten. Fehlt ihnen zum Beispiel Vitamin A, dann können sie leicht erblinden. Wenn Mädchen kleinwüchsig sind, dann leiden sie häufig unter Blutarmut. Das wiederum kann bedeuten, dass wenn sie früh Kinder bekommen, ihr Becken noch nicht richtig entwickelt ist und ihr Körper noch nicht richtig darauf eingerichtet ist. Das kann zu sehr großen Komplikationen, häufig auch mit Todesfolge für Mutter und Kind, führen.“

Es klingt wie ein Widerspruch: Bis zu 80 Prozent aller Hungernden leben dort, wo nie Nahrung erzeugt wird – auf dem Land. Brot für die Welt setzt genau dort an. Die Familien, die Land bebauen, können sich dann selbst ausreichend ernähren, wenn sie genug wissen. Partnerorganisationen von Brot für die Welt helfen, die Menschen mit Wissen zu unterstützen.

Christine Mukakamali zum Beispiel lebt mit ihrer Familie in Ruanda. Lange Zeit ernährten sie sich sehr einseitig. Mit der Hilfe von UGAMA, einer Partnerorganisation von Brot für die Welt, stehen jetzt nicht nur rote Süßkartoffeln auf dem Speiseplan, sondern auch grünes Gemüse oder gelbes Obst. „Drei Farben für ein besseres Leben“, könnte man auch sagen. Christine Mukakamali:

„Für eine ausgewogene Ernährung reicht eine Farbe nicht aus. Du musst alle Farben mischen, damit du gesund bist und es dir gut geht. Die Bohnen geben uns Eiweiß, für grün und gelb nehmen wir Gemüse und Früchte – die Vitamine schützen uns vor Krankheiten, und dann brauchen wir natürlich noch Energie – die kommt von Süßkartoffeln, Mais und Bananen.“

Das Beispiel aus Ruanda zeigt: Der Schlüssel zum Kampf gegen Mangelernährung und Hunger liegt auch in den Händen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Brot für die Welt setzt sich in Ruanda und weltweit dafür ein, dass sich Menschen ausgewogen ernähren und ausreichend Nährstoffe zu sich nehmen können. Für Christine Mukakamali und ihre Familie bringt das ganz neue Perspektiven:

„Es ist schön, dass es uns immer besser geht. Und ich gehe gerne in die Kooperative – dort lerne ich immer wieder etwas Neues. Mit dem Ertrag aus der Kooperative konnte ich die Schulgebühren für meine Kinder bezahlen. Und später werden meine Kinder in der Lage sein, selbst für sich zu sorgen, ein eigenes Einkommen zu haben.“

Gesundes Essen, nahrhafte Lebensmittel – das gab es in vielen Ländern noch bis vor einigen Jahren. Doch die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, die Interessen der Handels- und Saatgut-Konzerne veränderten das Leben bis in die kleinsten Dörfer hinein. Oft nicht zum Guten. Cornelia Füllkrug-Weitzel ist froh um jedes Gegenbeispiel, bei dem wertvolles Wissen und bewährte Landwirtschaftsmodelle wiederbelebt werden:

„Wir haben zum Beispiel in den Philippinen den Fall wo versucht wird, wieder Meerrettichbäume anzusiedeln, die völlig in die Vergessenheit geraten waren, die aber extrem viel Eiweiß, Eisen und auch Vitamine haben. Oder in den Anden, man höre und staune, wo es über einhundert verschiedene Kartoffelsorten gab. Das heißt also: nicht Nahrungsergänzungsmittel, sondern das, was Gott uns geschenkt hat an Vielfalt von Nährstoffen, dafür zu sorgen, dass das nicht verschwindet vom Erdboden.“

Wenn Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Bescheid wissen, können sie sogar die Bevölkerung der Städte mit gesunden Produkten aus der Region versorgen. Denn auch in den Metropolen sind viele Menschen mangelernährt. Brot für die Welt ist überzeugt: Es ist genug für alle da. Eine Welt ohne Hunger und Mangel ist möglich. Cornelia Füllkrug-Weitzel:

„Mein Wunsch gerade in diesem Jahr ist, dass der stille Hunger, der – das ist jetzt ganz schrecklich deshalb sage ich es in Anführungszeichen, den ganz normalen Hunger- aus dem Bewusstsein verdrängt wird. Angesichts der vielen großen Krisen und Katastrophen. Die sind natürlich wirklich besonders tragisch und nicht zu Unrecht bewegen sie die Bevölkerung. Aber wenn wir nichts gegen die Ursachen von Hunger und Mangelernährung tun auf die Dauer, wird jede natürliche Katastrophe umso katastrophaler und umso verheerender ausfallen. Insofern, auch im Sinne der Katastrophenvorsorge ist eine gute und ausreichende Ernährung und eine gut funktionierende kleinbäuerliche Landwirtschaft wirklich zentral.“

Eine bunte, gesunde Vielfalt auf dem Teller statt monotonem Einheitsbrei – der Blick über den Tellerrand zeigt, wie wichtig das ist. Es reicht nicht aus, dass Menschen einfach abgespeist werden.Denn: Satt ist nicht genug!


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).


Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


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