Podcast zur Bilanz: Den Zahlen vom letzten Jahr eine Stimme geben

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Brot für die Welt hilft Menschen in mehr als 90 Ländern, in Würde zu leben. Das Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen kämpft weltweit gegen Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. Im Jahr 2013 konnte Brot für die Welt noch etwas mehr helfen: Denn die Spendeneinnahmen sind leicht gestiegen. Vergangene Woche haben wir den Medien die Zahlen für das vergangene Jahr vorgestellt. Heute haben wir uns direkt an die Spenderinnen und Spender gewandt – mit dem neuen Podcast. Für das neue Audio-Stück habe ich Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, interviewt.

Von wem hat das Hilfswerk Geld bekommen, für was wurden Spenden und (Kirchen-) Steuermittel ausgegeben? Welche Schwerpunkte gab es im vergangenen Jahr? Und – viele Spenderinnen und Spender interessiert auch das – wie hoch waren die Ausgaben für Werbung und Verwaltung? Antworten gibt es im neuen Jahresbericht (bald auch gedruckt und kostenlos über den Online-Shop). Doch getreu dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ kommt zur Präsentation der Jahreszahlen auch die Präsidentin von Brot für die Welt zu Wort. Sie stellt die Zahlen und Trends vor, ordnet sie ein – und blickt auf aktuelle Entwicklungen, die das Hilfswerk zurzeit beschäftigen.

Denn es geht um mehr als das Verkünden der Zahlen vom vergangenen Jahr. Brot für die Welt informiert Spenderinnen und Spender – und lässt sie über den Podcast teilhaben an dem,was die Fachleute in der Zentrale in Berlin und in den Büros und Projekten weltweit gerade beschäftigt. Aktuelles Thema für den Podcast: Das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU. Dieser Vertrag wird auch Auswirkungen auf die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika haben, ist sich Füllkrug-Weitzel sicher. Im Podcast erklärt sie, was genau das Hilfswerk befürchtet.

Der fertige Beitrag, ausgespielt über die (ich kann es nur immer wieder empfehlen) sehr praktische und admin-freundliche Embed-Funktion der Mediathek von Brot für die Welt:

Der Beitrag ist auch direkt über die Mediathek von Brot für die Welt aufrufbar.

Die O-Töne als ungeschnittene Rohware sowie ein Mitschnitt des Statements bei der Bilanz-Pressekonferenz stehen für Medienprofis im Mediapark kostenlos als Download bereit. Wie immer gibt es alle Infos auf einen Blick in einer digitalen Pressemappe.

Mein Dank geht an das Team der Tonjuwelen, die sich um Produktion und Bauen des Beitrags kümmerten.

Die Live-Tweets von der Bilanz-PK, erstellt von meinem Kollegen Michael Billanitsch (^mib):


Der Podcast-Beitrag zum Nachlesen

„Wir sind sehr froh, dass wir eine positive Bilanz ziehen konnten, wir haben alle drei Einnahmesäulen, also Spendenkollekten, Kirchliche Steuermittle andererseits und zum dritten die staatlichen Mittel nicht nur stabil halten können, sondern steigern können. Sowohl die Spenden und Kollekten sind höher ausgefallen; nämlich mit 55,8 knapp Millionen gegenüber 55,2 Millionen – etwas gestiegen. Deutlich gestiegen auch die Mittel des kirchlichen Entwicklungsdienstes mit 65,6 Millionen gegenüber 51 Millionen im Vorjahr 2012.“

Insgesamt hat Brot für die Welt im vergangenen Jahr 598 Projekte neu gestartet und fast 197 Millionen Euro in die weltweite Projektarbeit investiert. Schwerpunkte lagen dabei in Afrika, Asien und in der Pazifik-Region. Und auch diesmal stand wieder der Kampf gegen den Hunger im Mittelpunkt:

„Traditionell ist einer unserer Schwerpunkte die Ernährungssicherung, das ist auch im Jahr 2013 so gewesen. Dazu gehört natürlich auch der Zugang zu Wasser. Aber wir sind auch sehr stark engagiert im Bereich der Basisgesundheitsdienste und der Basis-Bildungsdienste. Zunehmend wichtiger werden Demokratieförderung und der Schutz von Menschenrechten. Das natürlich gerade angesichts der sich zuspitzenden Konflikte in vielen Ländern der immer fragiler werdenden Staatlichkeit in manchen Ländern eine wahnsinnige Aufgabe ist und da werden wir uns auch weiter stark engagieren.“

Jeder achte Mensch auf der Welt hungert. Die meisten Betroffenen leben auf dem Land – da, wo es genug zu essen geben müsste. Eigentlich… Wie Brot für die Welt dort die kleinbäuerliche Landwirtschaft stützt, erklärt Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel:

„Es gibt eine Fülle unterschiedlicher Projekte. Zum einen geht es darum, die Kleinbauernfamilien darin zu unterstützen, dass sie eine größere Vielfalt an Saatgut ausbringen und an Gemüsesorten anbauen. Das ist nicht nur gut und notwendig für eine gesunde Ernährung mit vielfältigen Nährstoffen. Es ist auch wichtig, weil in Zeiten unregelmäßiger Regenfälle, in Zeiten größerer Dürren oder Fluten, sprich in Zeiten von durch den Klimawandel hervorgerufenen Naturkatastrophen, es notwendig ist zu verschiedenen Jahreszeiten in verschiedenen Monaten säen und Ernten zu können. Damit wenigstens irgendetwas am Schluss durchkommt, sozusagen. Das Zweite ist: die Unterstützung von Kleinbauernfamilien darin ihr Land registriert zu bekommen. Es ist wichtig, weil es für die Regierungen jetzt neuerdings lukrativ ist und es möglich ist, Land, das nicht in Katasterämter eingetragen ist, also scheinbar niemandem gehört, an Interessenten aus anderen Ländern oder von internationalen Nahrungsmittelkonzernen zu verkaufen. Das nennen wir Land-Grabbing. Es ist wichtig hier die Kleinbauernfamilien zu unterstützen, so dass das Land ihnen nicht unter den Füßen weggezogen wird.“

Zurzeit beobachtet Brot für die Welt sehr aufmerksam das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU – genannt TTIP. Man könnte denken, das habe keine Auswirkungen auf die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Brot für die Welt ist aber der Ansicht: Weil es das größte Freihandelsabkommen weltweit wird, hat es Auswirkungen auf den gesamten Welthandel. Noch einmal Cornelia Füllkrug-Weitzel:

„Das umso mehr, als es bisher ja nicht gelungen ist, die Welthandelsorganisationen zu reformieren und zu einem neuen gesamten Welthandelsabkommen zu kommen, insofern wird das Trendsetter sein. So haben auch Europa und die USA sich explizit verabredet, dass sie bestimmte Maßnahmen in den Handelbeziehungen zu den Ländern des Südens versuchen werden durchzusetzen. Das heißt, wenn also TTIP beschlossen ist und wenn dann die EU mit anderen Ländern – zum Beispiel Afrika – Handelsabkommen schließt, dann ist sie gehalten, nach dem Abkommen TTIP bestimmte Regeln durchzusetzen auch im Handelsabkommen EU-Afrika oder was auch immer es sein sollte.“

Brot für die Welt setzt sich dafür ein, dass aus dem Freihandelsabkommen zwischen EU und USA bestimmte Regeln herausgehalten, die zum Beispiel der Armutsbekämpfung dienen. So gibt es weltweit Projekte, in denen Kleinbauernfamilien die Abnahme ihrer Produkte garantiert wird, indem sie in Kantinen oder in der Schulspeisung verarbeitet werden. Für TTIP könnte das als Marktverzerrung gelten. Cornelia Füllkrug-Weitzel erklärt, wie beispielsweise Gemeinden in Brasilien von TTIP betroffen sein könnten:

„Wenn eine Kommune beschließt, weil es ihren Landwirten schlecht geht und weil die Kinder unterernährt sind, nicht nur der Bauernfamilien sondern im ganzen Dorf und es dringend Unterstützung für die Ernährung von Kindern geben müsste, wenn sie dann beschließt, sie subventioniert den kleinbäuerlichen Familien den Anbau von einem bestimmten Nahrungsmittel, was sie dann anschließend zur Schulspeisung einsetzen wird, und macht es zum Teil ihrer Entwicklungsbemühungen diesen Kindern jetzt zu einer besseren Ernährung zu verhelfen, so wird das in Zukunft verboten sein. Das Problem liegt darin: internationale Nahrungsmittelketten können diese Nahrungsmittel nicht zur Verfügung stellen. Wenn also indische Kinder dann lokalen Reis essen von lokalen Reisbauern, statt Pommes oder Mais die in Amerika ihren Ursprung haben, dann gilt das als lokales Handelshemmnis und muss verboten werden. Das ruiniert in einer dramatischen Weise die lokale Landwirtschaft in den Ländern des Südens und diese importieren Mittel werden nicht zwingend billiger sondern und vor allem nicht zwingend gesünder sein und das kann durchaus dazu beitragen, dass die Gesundheit von Kindern nicht befördert sondern gehemmt wird, weil sie von den falschen Dingen zu viel essen und fehlernährt werden.“

Damit Brot für die Welt weiter auf solche Zusammenhänge aufmerksam machen kann; darauf, warum Menschen hungern – nach Nahrung, Sicherheit und Würde; dafür braucht die Organisation Spenden. So wie im vergangenen Jahr auch. Die Präsidentin von Brot für die Welt dankt und bittet darum, Brot für die Welt verbunden zu bleiben:

„Wir sind dankbar, dass wir so treue Spenderinnen und Spender haben, dass die Gemeinden uns so treu mit den Kollekten, speziell auch mit den Weihnachtskollekten so stützen – die Weihnachtskollekte ist sozusagen unser Rückgrat. Die Spenderinnen und Spender sind absolut wichtig, denn wir bekommen staatliche Mittel nur, weil wir auch Spendenmittel und kirchliche Mittel haben. Staatliche Mittel sind sozusagen obendrauf. Wenn da drunter nichts wäre, nämlich unsere Eigeneinnahmen, dann hätten wir auch nicht die Chance auf diese Höhe von staatlichen Mitteln.“


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de