Stimmen zur WM: „Alle sollen die gleichen Rechte haben!“

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Für manche ist es nur ein schneller Imbiss im Stadion, doch für Rita dos Santos geht es um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Snack? Acarajés – in Palmöl frittierte Krapfen aus gemahlenen Bohnen und Zwiebeln, oft gefüllt mit Krabben. Rita dos Santos? Sie ist eine der Baianas – so werden die Frauen genannt, die in der WM-Stadt Salvador die herzhaften Happen zubereiten. Auf die FIFA sind sie nicht gut zu sprechen: Der Weltfußballverband wollte den Verkauf des beliebten Snacks verbieten. In der Bannmeile des Stadions sollten nur die Sponsoren der WM ihre Produkte verkaufen dürfen.

„Wir wissen, dass die Realität anders aussieht.“

Rita dos Santos organisiert den Zusammenhalt der Acarajé-Verkäuferinnen in Brasilien und den Widerstand gegen die FIFA. Sie erklärt die Enttäuschung über die Snack-Entscheidung des Fußballverbands: „Nicht nur die Baianas, sondern alle im Land hatten viele Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf die WM. Viele glaubten, daran verdienen zu können. Doch wir wissen, dass die Realität anders aussieht.“

Wichtige Einnahmequelle

Teil dieser Wirklichkeit ist, dass die FIFA die kleinen Händlerinnen und Händler nicht ernst nimmt, findet Rita dos Santos. Wie sonst konnte der mächtige Verband auf die Idee kommen, liebevoll hergestellte Acarajés zu verbannen, aber industriell produzierte Pommes und Hamburger zu erlauben? „Die Acarajé-Frauen waren die ersten Unternehmerinnen Brasiliens. Vor mehr als 300 Jahren fingen sie an und haben das von Mutter zu Tochter weitergegeben. Heute finanzieren viele mit dem Einkommen aus dem Acarajé-Verkauf ganze Familien, von den Großeltern bis zu den Enkeln.“ Die meisten der Baianas seien auf sich allein gestellt, berichtet Rita dos Santos. Dank des Acarajé-Verkaufs könnten sie etwas zum Schulgeld der Kinder beisteuern, die Miete zahlen und Enkel durchbringen.

Kein Respekt für Kultur und Tradition

Doch es steht mehr auf dem Spiel als Geld – die Baianas und ihre Acarajés sind Teil der Identität von Salvador. Die meisten Einwohner der drittgrößten Stadt Brasiliens haben afrikanische Wurzeln, ihre Vorfahren waren als Sklaven für die harte Plantagenarbeit über den Atlantik in die neue Welt verschleppt worden. Rita dos Santos: „Für uns ist wichtig, die Kultur zu erhalten, dieses Vermächtnis für die Nachfahren der Afrikaner zu bewahren.“ So tragen die Baianas mit Stolz und Würde farbenfrohe Reifröcke, wenn sie ihre Acarajés brutzeln. In der ziemlich rassistischen Gesellschaft Brasiliens, die viele wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, ein klares Bekenntnis zu den afrikanischen Wurzeln.

Aus meinem Gespräch mit Rita dos Santos entstand auch eine Episode des Podcasts von Brot für die Welt, der passend zum WM-Auftakt erschien. In dem Beitrag geht es um den Ärger der Baianas, die sich durch das Acaraje-Verbot der FIFA außen vor fühlen:

Dieser Beitrag erschien zuerst als Gastbeitrag auf evangelisch.de. Er ist außerdem in meinem dienstlichen Blog bei Brot für die Welt zu finden.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de