Ausgezeichnet aufgezeichnet: Live-Streams für NGOs – so geht’s

Und wie läuft's bei Ihnen?

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In der vergangenen Woche haben wir für Brot für die Welt mit Erfolg eine Veranstaltung live gestreamt. „Mit Erfolg“ heißt: Es klappte mit der Technik, und wir konnten Bewegtbild und Audio der mehr als zweistündigen Veranstaltung zur Zukunft der Welternährung übers Netz zu interessierten Kolleginnen und Kollegen übertragen. Grundlage war ein erster Versuch im vergangenen Jahr für die Diakonie Katastrophenhilfe.

Wer es selbst umsetzen will – so geht es:

Ausstattung – die Hardware

  • Die Streaming-Plattformen benötigen eine Kamera, die der Rechner automatisch erkennt – klassischerweise funktioniert das am besten mit Webcams, die einen USB-Anschluss haben. Die Software im Browser steuert dann von sich aus die Kamera an und zapft das Bewegtbild ab. Bei einigen Plattformen (etwa Youtube) lassen sich mehrere Kameras anschließen und mit einem kleinen Bildregie-Tool live zusammenschneiden. Es ist sogar möglich, dass User selbst die bevorzugte Kamera auswählen.
  • Ein USB-Kabel darf laut Spezifikation maximal fünf Meter lang sein. Eine größere Länge ist nur mit aktiven, verstärkenden Erweiterungskabeln möglich. Drahtlose USB-Transmitter, die den Aktionsradius von Tastatur und Maus erweitern, funktionieren mit Kameras oft nicht. Der „sendende“ Rechner, der Video (und auch Audio) einspeist, muss somit in der Regel in der Nähe der Kamera(s) stehen – beim Bestuhlungslayout darauf achten, und gleich auch an Strom-, Audiosignal- und Internetanbindung denken.
  • Der Sound ist sehr wichtig – die Beiträge müssen akustisch sauber rüberkommen, sonst schalten die User schnell wieder ab. Mit dem in der Kamera eingebauten Mikrofon ist nicht viel zu machen. Wir haben das Signal der Bühnen-Mikros nutzen können – über einen Funktransmitter, der eigentlich für Übersetzungen gedacht ist. Möglich wäre auch gewesen, das Signal per XLR-Mikrofonkabel aus dem PA-Verstärker abzugreifen. Gibt es keine Mikrofone im Saal, hilft nur, eigene mitzubringen und deren Signale zu nutzen.
  • Es ist gut, sich aus dem Off direkt in die Übertragung einschalten zu können. Beispiele: An- und Abmoderation, „Idents“ mittendrin, falls gewünscht und es sich anbietet: ein thematischer Einstieg vor Beginn, eine Einordnung zum Ausklang.
  • Für alle Fälle sollte es eine Einspielmöglichkeit von PC oder Smartphone geben. Wir haben darüber zur Überbrückung bis zum offiziellen Beginn thematisch passende Podcasts aus der Mediathek von Brot für die Welt ausgespielt. Zur Sicherheit gab es als Havariebett auch den Corporate Sound als Endlosschleife.
  • mischpultUm all das zusammenschalten zu können, ist ein kleines Mischpult geeignet. Bewährt hat sich die Variante, die über USB mit Energie versorgt wird und die außerdem ein USB-Audiogerät ist, das der Rechner erkennt. Damit lässt sich der fertig abgemischte Sound in die Übertragungsplattform einspielen. Wer kein solches Gerät hat, kann auch ein neueres Aufnahmegerät (wie der Klassiker Zoom H4N) nutzen, das sich ebenfalls per USB anschließen lässt und über Audio-Ein- und Ausgänge verfügt.

Ausstattung – die Software

  • Rechtzeitig vorher sollte man sich eine passende Streamingplattform suchen, sie ausprobieren und die nötigen Plugins auf dem eigenen Rechner installieren lassen. Achtung – dafür benötigt man Adminrechte. Bei uns hat es ohne Schwierigkeiten mit Ustream funktioniert.
  • Evtl. lohnt es sich, ein paar Euro für eine werbefreie Ausstrahlung zu investieren. Wer werbefinanziert streamt, kann Zeitpunkt, Länge, Inhalt und Aufdringlichkeit der Werbung nicht beeinflussen. Neben Preroll- gibt es auch Unterbrecherwerbung sowie bauchbindenartige Störer und Einklinker. Allesamt sind sie nervig und vergraulen womöglich User. Für einen ersten Test kann man aber damit trotzdem arbeiten.

Vorher erledigen

  • Den Stream rechtzeitig ankündigen – vor allem auf den Online-Kanälen, auf denen die Zielgruppe der Veranstaltung präsent ist. Vorsicht: Ein Livestream ist nicht immer klug – möglicherweise werden aus potenziell engagierten Gästen Couch-Potatoes, die der Veranstaltung lieber nur online folgen.
  • Referenten und Gäste über den Stream informieren. Von den Referenten vorab das Einverständnis einholen.
  • Den Stream auch an passender Stelle in die eigene Website einbinden und ihn auch auf der Homepage ankündigen. Evtl. während des Live-Streams gesondert auf dieses Angebot hinweisen: Jetzt live…
  • Rechtzeitig die Technik aufbauen, Internetzugänge einrichten und testen und eine Generalprobe machen: Videocheck, Soundcheck Bühnenmikros und Off-Kommentar-Mikro, Internetzugang-Check…

Während der Veranstaltung

  • Für das Ungeplante bereit sein: Was tun, wenn die Kamera ausfällt? (Ersatzkamera griffbereit haben) – Kein Sound? (vorab zweite Leitung zum Master-Mischpult legen oder Backup-Funk-Transmitter bereithalten) – Schwächelnder Internetzugang? (Auf WLAN umsteigen oder UMTS-Karte vorbereiten) – Timeout bei Online-Diensten? (Zugangsdaten für alle Teammitglieder bereithalten).
  • Im Team arbeiten – mindestens zu zweit, mit zwei Rechnern: Nr. 1 kontrolliert Kamerabild, Streaminput via Notebook 1 und das gestreamte Signal im zweiten Notebook und hört auf das Tonsignal von der Bühne und aus dem Off: Richtig gepegelt, zu leise oder zu laut? Zu laut darf es auf keinen Fall sein – ein übersteuertes digitales Signal ist auch in der Nachbearbeitung nicht mehr zu retten. Nr. 2 hat ein Auge auf das Geschehen auf der Bühne und kümmert sich um die An- und Abmoderation aus dem Off sowie eventuell nötige „Stationsmeldungen“ während des Streams.
  • Ist mit Rückmeldungen aus dem und Interaktion im Social Web zu rechnen, ist es gut, wenn Kollege oder Kollegin Nr. 3 dabei ist und um die Useranfragen und -kommentare kümmert. Perfekt ist es, wenn diese Inputs ebenfalls in die Frage- und Rückmeldungsrunde im Saal eingespeist werden. Ist das nicht machbar, lässt sich vielleicht eine Twitter-Wall einrichten, die Tweets zu einem Vorab vereinbarten und kommunizierten Hashtag anzeigt. Achtung – eine Twitterwall braucht ebenfalls Aufmerksamkeit.

Danach

  • Das Material aufbereiten und weiternutzen: Die Aufzeichnung mit Intro, Outro und Bauchbinden (Name und Funktion der Referenten) verpacken. Falls möglich, etwa auf Youtube, Sprungmarken zu den einzelnen Beiträgen setzen.
  • Fachkundige Kollegen können einen zusammenfassenden und einordnenden Blogbeitrag schreiben. Diese Inhalte dann über die eigenen Kanäle verbreiten – als Service für Teilnehmer und Aushängeschild für künftige Veranstaltungen.

Der aufgezeichnete Live-Stream im Youtube-Kanal von Brot für die Welt:

Begleitung der Veranstaltung über @BROT_furdiewelt, den Twitter-Kanal von Brot für die Welt:


Und der Hinweis via Facebook:


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Shortlink:

Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de