Philip Gröning, Regisseur und Produzent (rechts)

Berlinale-Empfang der Kirchen: Film ab für mehr Diskurs

Stars, Premieren, Schlangestehen – die Hauptstadt im Berlinale-Fieber. Das Berliner Filmfestival ist aber auch bekannt dafür, ein Arbeitstreffen der Branche zu sein. Jenseits der vermeintlichen Kassenschlager und außerhalb des Fahrwassers der künftigen großen Leinwanderfolge kommen die Fachleute der Branche zusammen. Sie sprechen über das, was die Filmwelt im Innersten zusammenhält, über die künstlerischen Perspektiven und glücklicherweise auch über die Begeisterung für die bewegten Bilder und das Genre Film.

Es ist gut, dass dabei auch die Kirchen als gesellschaftliche Akteure mitreden. Beim Ökumenischen Empfang von Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) und Deutscher Bischofskonferenz (DBK) kamen etwa 500 Menschen aus Filmszene, Medien, Politik, Kirchen und Gesellschaft zusammen. Unter ihnen: die Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr. Sie sieht eine große kulturpolitische Aufgabe darin, das Filmerbe zu sichern. Bahr: „Filme gehören zum kulturellen Bild-Gedächtnis der Gesellschaft.“ Sie seien Erinnerungen daran, „wer wir waren und wie wir werden wollten. Sie sind wichtige Zeugnisse der Zeit“. Die anstehende Digitalisierung dürfe nicht zu einer kulturellen Demenz führen, vielmehr brauche es gut gepflegte Filmdepots für die bewegten Bilder. „Filme müssen bleiben, wenn sie aus den Kinos verschwunden sind.“

Gastredner war Regisseur und Produzent Philip Gröning („Die große Stille“, „Die Frau des Polizisten“). Er forderte, den Film wieder stärker in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen. Er wünsche sich ein Kino, das wagemutig und engagiert Themen aufgreife, die den Zuschauer herausfordern und neue Sichtweisen vermitteln. Gröning: „Eines verzeiht das Publikum nicht – Unterforderung.“

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der DBK, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Bistum Rottenburg-Stuttgart), wies auf einen besonderen Jahrestag hin: Vor 60 Jahren habe erstmals eine katholische Jury bei der Berlinale einen Preis vergeben. Die evangelische Filmarbeit habe 1963 eine eigene Jury eingerichtet, seit 1992 sei eine Ökumenische Jury vertreten.

Dieses Gremium ist jedes Jahr etwas Besonders und ein Zeichen für gelebte und praktizierte Ökumene. Die Jury vergibt Preise für Filme aus drei Sektionen: einen Film aus dem Internationalen Wettbewerb, zwei mit jeweils 2.500 Euro dotierte Preise an einen Film aus dem „Panorama“-Programm sowie einen Film aus dem Programm des Internationalen Forums des Jungen Films. Zusätzlich kann die Jury weitere „Lobende Erwähnungen“ vergeben. Sie verkündet am 15. Februar ihre Entscheidungen. Die Präsidentschaft der Ökumenischen Jury hat dieses Mal der Bremer Pastor Dirk von Jutrczenka übernommen. Ihm zur Seite stehen Karel Deburchgrave (Belgien), Gabriella Lettini (USA), Thomas Schüpbach (Schweiz), Christoph Strack (Deutschland) und Antonio Urrata (Italien). Das Jury-Team stellte sich beim ökumenischen Empfang dem Berlina-Publikum vor.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de