Kraftvoll und authentisch sprechen – für Projektpartner weltweit

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Bei der Fortbildung „Kraftvoll und authentisch sprechen“ der Bildungsstelle Nord von Brot für die Welt ist dieser Audio-Beitrag zur afrikanischen Perspektive auf die Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer entstanden. Zur Wort kommt David Ugulor, Projektpartner von Brot für die Welt aus Nigeria. Erstellt haben den Beitrag meine Kollegin Kerstin Schlüter und ich – wir nahmen beide an dem Seminar teil, um – unter anderem – neue Impulse für die Audio-Produkte, die wir für Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe erstellen – zu bekommen.

Referentin und Trainerin war Elsmarie Pape. Sie ist Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin in Kiel.

Neben den vielen Impulsen zum Umgang mit der eigenen Stimme und Übungen rund ums Sprechen sind mir diese Punkte wichtig:

  • Stimme und (Körper-) Haltung gehen zusammen. Stehen ist nicht unbedingt besser. Die Körperhaltung sollte zur gewünschten Stimmsituation und zur Stimmung des zu sprechenden Textes passen. Haltung kommt auch aus dem Rücken.
  • Sich dem Sprech-Setting bewusst sein. Ziel ist, zu den Menschen/Zuhörern zu sprechen und sie mit Text und Botschaft zu erreichen (deswegen nicht einfach nur lauter werden). Dafür der eigenen Stimme und der eigenen Botschaft mehr Raum geben.
  • Atmung ist ein dreiteiliger Prozess: Einatmen, Ausatmen, „Lösen“.
  • Pausen sind wichtig und keine nutzlos vertane Zeit und auch kein „Loch“ beim Sprechen. Die Zuhörer empfinden Pausen als nicht so lang, wie sie mir als Sprecher vorkommen. Pausen unregelmäßig gestalten – das bringt Dynamik ins Gesprochene.
  • Zu viel  Betonung und „Arti-ku-la-tion“ ist schnell zu viel – dabei besser nicht übertreiben.

Meine Kollegin und ich wollten einen Text aus unserer täglichen Arbeit sprechen und wählten dafür – aus traurigem aktuellen Anlass – die Einschätzung zu den Flüchtlinsdramen auf dem Mittelmeer. Dazu hatte ich einige Tage David Ugulor, einen Projektpartner von Brot für die Welt aus Nigeria, interviewt. Das Interview lag erst einmal als Rohware vor. Was noch zu tun war:

  1. Übersetzen der O-Töne von Englisch auf Deutsch.
  2. Erstellen einer Anmoderation.
  3. Schreiben des Manuskripts für den gesamten Beitrag.
  4. Einsprechen der Anmod und der Overvoices.
  5. Bauen des Beitrags und Post-Produktion.

Zum Einsprechen zogen wir uns in einen ruhigen und möglichst wenig hallfreien Raum der Bildungsstelle zurück. Die Aufnahme lief über den bewährten Audio-Recorder Zoom H4N. Schnitt, Bau und Post-Produktion liefen über die kostenlose Open-Source-Software Audacity.

Der fertige Beitrag (eingebunden über die Embed-Funktion der Mediathek von Brot für die Welt):

Das Manuskript des Beitrags entstand arbeitsteilig: Kerstin Schlüter kümmerte sich um die Übersetzung ins Deutsche, mit der redaktionellen Mitarbeit von Hubertus Tessar, die Anmoderation stammt von mir. Der Wortlaut des Beitrags:

Anmod: Das Mittelmeer wird zum Massengrab für Flüchtlinge. Mehr als 400 Tote gab es allein an einem einzigen Oktobertag vor Lampedusa. Seitdem fast täglich in den Schlagzeilen – neue Flüchtlingsdramen –es geht um Frauen, Männer und Kinder, die sich per Boot von Afrikas Küste auf den Weg nach Europa machen. Es sind manchmal Hunderte Menschen pro Nacht. Wenn sie Glück haben, überleben sie diese Odyssee.

Im Mittelpunkt in den Medien:

  • Die Forderungen aus der Bundes- und Europa-Politik: Eine bessere Ausstattung der europäischen Grenzschutz“agentur“ Frontex – die Bootsflüchtlinge sollen am besten erst gar nicht europäische Gewässer erreichen.
  • Ein geändertes Asylrecht in der Europäischen Union – Italien und Griechenland wollen die „Last“ der Flüchtlinge nicht allein schultern. Sie fordern Solidarität innerhalb der EU.
  • „Entwicklungshilfe“ soll die Armut in Afrika lindern – das krasse Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Kontinenten gilt als Fluchtursache.

Doch was ist eine afrikanische Perspektive auf die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer?
Wie sehen Menschen von Europas Nachbarkontinent die Hunderten von Toten?
Was sagen Menschenrechtler zur Verantwortung von Europa und den Europäern?
Wir wollen darüber sprechen mit David Ugolor vom African Network for Environment and Economic Justice, einem langjährigen Projektpartner von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst.

Die Organisation hat ihren Sitz in Nigeria. Mit seinem Team setzt sich Pfarrer Ugolor für nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen Armut ein. Die Menschenrechtler haben keine Angst vor Konflikten mit der eigenen Regierung und Organisationen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds.

David Ugolor, wie erleben Sie die Flüchtlingssituation?

David Ugulor: Täglich versuchen Menschen aus Afrika, nach Europa zu gelangen, weil die wirtschaftliche Situation in Afrika sehr schlecht ist und weil sie und ihre Familien ums Überleben kämpfen. Es ist doch keine Frage mehr, dass Deutschland und die anderen europäischen Ländern sich der Tatsache stellen müssen, dass Menschen aus den Nachbarkontinenten zunehmend versuchen, über die Grenzen hinweg nach Europa zu gelangen.

Was müsste sich nach Ihrer Einschätzung ändern?

David Ugulor: In wirtschaftlicher Hinsicht müssen die Verantwortlichen in den betroffenen Ländern die Dinge richtig angehen. Es geht darum, die Afrikaner darin zu unterstützen, sich wirtschaftlich unabhängig zu entwickeln. Wären die Wirtschaftsverhältnisse weltweit ausgeglichen, würden weitaus weniger Menschen versuchen, nach Europa auszuwandern.
Die Europäer müssen sich auch ihrer Verantwortung bewusst sein, dass sich ihr Konsumverhalten auf die Menschen in Afrika auswirkt und dies auch Folgen für unsere Kinder und Enkelkinder hat. Die Europäer tragen Verantwortung für die zukünftigen Generationen. Hier brauchen wir Perspektiven.

Was ist Ihre Botschaft für die Menschen in Europa, und vor allem in Deutschland?

David Ugulor: Die Erde gehört uns allen. Das müssen wir weltweit verstehen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Zum Beispiel müssen wir für den Erhalt unserer Erde kämpfen. Das betrifft auch unser Verbraucherverhalten. Denn die weltweiten Ressourcen sind nicht unerschöpflich – sie verringern sich von Tag zu Tag. Diese Verantwortung müssen alle, die einkaufen und konsumieren, übernehmen.

Ich fordere die deutsche und auch die europäische Bevölkerung auf, sich weiterhin bewusst zu machen, dass wir alle in dieser einen Welt leben. Alle, auch die Menschen in Afrika und Asien, haben das Recht, von den Ressourcen der Erde zu profitieren. Nur dann lässt sich wirklich von Gemeinwohl sprechen. Wenn hier Afrikaner außen vor bleiben, wird das zum Bumerang für die Europäer. Flüchtlinge kommen dann auf illegalem Weg zu ihnen.
Früher oder später werden wir sehen, ob wir unser Verhalten umfassend und rechtzeitig geändert haben, denn es geht um unsere Zukunft.

Abmod: Das war David Ugolor, African Network for Environment and Economic Justice, Projektpartner von Brot für die Welt, über die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer und die Verantwortung Europas.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de