Schall und Raum: 50 Jahre Berliner Philharmonie

Es war so ziemlich das Gegenteil von dem, was bislang als Philharmonie bekannt war: Der Konzertsaal fünfeckig, das Gebäude asymmetrisch, das Dach wie ein Zelt. Die Bühne war in der Mitte platziert und von überall – auch von den billigen Plätzen – gut zu sehen. Vor fünf Jahrzehnten machte dieses neue Gebäude in Berlin weltweit Schlagzeilen, und noch heute finden es viele faszinierend.

Was Architekt Hans Scharoun 1960 bis 1963 am Kemperplatz in Berlin-Tiergarten baute, war neu, anders – und schrieb Baugeschichte. Sein Konzept stellte das Orchester und den Klang in den Mittelpunkt, kompromisslos lies er die Architektur des Gebäudes und seine Inneneinrichtung dem bestmöglichen Verlauf des Schalls folgen. Mit seiner Abkehr von der bislang typischen Schukarton-Philharmonie – mit dem Klangkörper an einer Stirnseite eines großen Raumes platziert – schuf er eine Blaupause für einige andere, heute weltbekannte Konzerthäuser wie das Syndney Opera House.

Interessant ist ein Blick auf die akustischen Details im Inneren. Die Deckengestaltung, die Höhe der Rückenlehnen, die Rohbauausführung – so gut wie nichts ist „einfach so“ oder wegen der Optik so, wie es ist. Die an der Decke frei hängenden Reflektoren werfen den Schall so gut wie möglich zu den Musikern zurück, die Rückenlehnen der Klappsessel werden mit steigender Höhe der Logen immer länger und reflektieren den Klang entsprechend. Die Sitze haben außerdem schallabsorbierende Polsterungen – das Ziel war, dass es für den Klang keinen Unterschied macht, ob der Saal voll, teilweise oder gar nicht mit Publikum besetzt ist. Letztlich erreichte Scharoun sein Ziel: Im gesamten Saal gibt es eine mittlere Nachhallzeit von etwas mehr als zwei Sekunden. Das kommt den Anforderungen an wohlklingend empfundene Musik ziemlich nahe. Doch es gab und gibt auch Kritik: Von manchen Sitzblöcken klingt es nicht so gut – manche empfinden diese Sektionen als die „billigen Plätze“.

Die Architektur der Philharmonie entwickelte sich an den akustischen Anforderungen, doch trotz der ausgefeilten technischen Überlegungen ist es kein kaltes, abweisendes Gebäude. Schon im Foyer ist die Großzügigkeit des Raumes spürbar, die der Architekt der neuen Heimat der Philharmoniker spendierte. Klare Farben setzen Akzente, und im großen Saal überwiegt das Gefühl der Nähe zu Mit-Zuschauern und Musikern, obwohl es mehr als 2400 Sitzplätze gibt.

Wer nachschauen möchte, ob ich recht habe, kann das täglich um 13.30 Uhr bei den Führungen tun (Achtung – an Weihnachten und zwischen den Jahren teils keine Führungen). Der Eintritt kostet 5 Euro, man sollte gut anderthalb Stunden Zeit mitbringen. Im Unterschied zum „musikalischen“ Betrieb sind bei den reinen Führungen übrigens Foto- und Videoaufnahmen erlaubt.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de