IT ist per default unfair

Smartphones, Tablets, Notebooks – wir tragen unsere Lieblingsgeräte im wahrsten Wortsinn auf den Händen, wir berühren und streicheln sie Hunderte Mal jeden Tag und sie sind uns näher als die meisten Menschen in unserem Umfeld.

Mit Menschlichkeit und Nähe zum Nächsten ist es aber schnell vorbei, wenn es um die inneren Werte der IT-Geräte geht.

Wer für die eigene Organisation neue IT kauft, möchte (natürlich), dass auch Handel und Produktion der neuen Geräte mit fairen Dingen zugehen. Auf der anderen Seite ist das nicht immer so einfach wie bei anderen (einfach strukturierteren) Produkten wie Kaffee, Tee oder Kleidung. Impulse zur nachhaltigen Beschaffung für Umweltschutz und Menschenrechte gab es bei einem Workshop in Stuttgart. Hier einige Schlaglichter – was bei mir hängen geblieben ist:

  • Die Lebenszykluskosten betrachten die Entwicklung eines Produktes von der Produktidee bis zur Rücknahme vom Markt. Diese gesamthafte Betrachtung, die zum Beispiel auch Energiekosten für Herstellung und Betrieb, aber auch die Kosten für Entsorgung beinhaltet,  kann helfen, nachhaltige(re) Produkte zu finden.
  • Notebooks werden im Schnitt alle zwei bis drei Jahre gegen neue Geräte ausgetauscht. Wer nachhaltiger beschaffen will, muss Notebooks (und andere IT-Geräte) länger nutzen. Der Fokus auf längere Lebensdauer bringt Nachhaltigkeit. Das Nachhaltigste, was wir tun können, ist, Geräte, die wir sowieso schon haben, weiterhin zu benutzen.
  • Damit Recycling überhaupt möglich ist, muss das Produktdesign stimmen. Wenn beispielsweise das Recyclingunternehmen den Akku nicht innerhalb weniger Sekunden schnell und unkompliziert extrahieren kann, rechnet sich die Wiederverwendung nicht, weil der Zeitaufwand gegen die Effizienz steht. Auch die Verschmelzung verschiedener Materialien zu Verbundstoffen macht das Recycling schwierig bis unmöglich.
  • Rohstoffe wie Coltan und Kobald sind schwer zurückverfolgbar – die Antwort auf die Frage, ob es sich um Konfliktrohstoffe handelt, ist damit schwierig. Aber es gibt den sogenannten Analytical Fingerprint, mit dem sich Rohstoffe regional zuordnen lassen. IT-Produzenten könnten künftig eher die Chance haben, unethisch hergestellte Rohstoffe in ihrer Produktionskette ausfindig zu machen.
  • Es gibt keine nachhaltige IT – die Informationstechnologie ist per default unfair und nicht-nachhaltig. Daran müssen wir beim Einkauf von Neugeräten achten: Trotz Siegel und Bescheinigungen und vieler Bemühungen von Initiativen gibt es keine 100-prozentige Lösung.
  • Bemerkenswert und zugleich ernüchternd ist das Fallbeispiel von Nager IT. Der Verein stellt faire Computermäuse her oder – genauer gesagt – versucht, die Peripheriegeräte so fair wie möglich herzustellen. Bei einer Fair-Quote von 60 Prozent sind die freiwillige Engagierten angekommen.
  • Spannend ist das Projekt Fairphone, eines der ersten faire(re)n Smartphones. Auch dieses Gerät wird nicht vollständig fair sein, aber die Macher haben auch einen interessanten politischen Ansatz: Wer Geräte kauft und nutzt, soll sie verstehen – und dazu auch öffnen (können). Es geht um ein tieferes Verständnis von Handels- und Produktionskreisläufe. Repair-Cafés spielen in diesem Ansatz eine wichtige Rolle.
  • Der IT-Markt steht in einem harten Wettbewerb – hier kommt die Kundschaft ins Spiel. Wer ausschreibt und beschafft, kann Forderungen stellen, auch in Sachen Nachhaltigkeit. Die Stadt Stuttgart zeigt, wie und dass es geht, Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Dataport, Anstallt des öffentlichen Rechts, in Norddeutschland forderte von seinen Bietern für ein 70-Millionen-Euro-Projekt für IT-Hardware und -Dienstleistungen, dass sie darstellen, wie sie Sozialstandards in der vollständigen Lieferkette einhalten wollen.

Hier nochmal meine Tweets von dem Workshop:


Veranstalter des Workshops waren

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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de