Ausgespitzelt: Die Ex-Abhörstation auf dem Teufelsberg wird zur Ruine

Einst geheime und bewachte US-Abhörstation, heute Ruine: Die ehemalige Überwachungsanlage der US-Streitkräfte auf dem Teufelsberg im Südwesten Berlins ist seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Die markanten, weiß bespannten geodätischen Kuppeln sind schon aus großer Entfernung zu erkennen – etwa vom Wannsee aus. Wer sich ihnen nährt, erkennt den morbiden Charme der Riesen-Kugeln und der Gebäude: Graffiti, zerstörte Türen, zertrümmerte Fenster, die Außenhaut der Kuppeln herausgeschnitten oder vom Wind zerfetzt. Szenen wie aus einem Endzeit-Thriller machen die Faszination dieses Ortes aus – und sie werfen einen anderen Blick auf die scheinbare Allmacht der NSA, die diese Anlage über Jahrzehnte betrieb.

Wer sich auf die geführte Tour einlässt, erlebt interessante Einblicke in einen „hidden place“ – allein dürfen Besucher das Gelände und die Gebäude nicht betreten. Ein kundiger Führer, seinerzeit selbst Angehöriger der US-Militäreinheit, die vom Teufelsberg aus nach Osten lauschte, berichtet auf deutsch und englisch vom Leben und Arbeiten auf und mit der am östlichsten gelegenen Abhörstationen des Westens.

Der Teufelsberg ist übrigens ein Trümmerberg im Westen Berlins. Mehr als zwei Jahrzehnte lang luden bis zu 800 Lastzüge jeden Tag tausende Kubikmeter Schutt ab – bis 1972! Ein Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser und etwa 15.000 Gebäuden bilden seitdem den Teufelsberg. Dieser künstliche Berg wurde zur höchsten Geländeerhebung im damaligen West-Berlin. Wer den Berg (oder Hügel – wie man will) heute erklimmt und genau hinschaut, erkennt Trümmerteile: Reste von Backsteinen, Beton und Schutt. Hier lagert ein Überbleibsel deutscher Geschichte.

Meine Tipps für alle, die sich selbst umsehen wollen:

  • An einer geführten Tour teilnehmen, auch wenn sie mit 15 Euro für Erwachsene recht teuer ist. Diese Führung ist allerdings sehr interessant – ich habe sehr viel Neues gelernt, was bei einer „stillen Führung“ (die gibt es auch und sie sind günstiger) kaum möglich gewesen wäre.
  • Kamera und evtl. Fernglas mitnehmen – die Aussicht über Berlin und Brandenburg ist grandios, und alle, die gerne fotografieren, kommen auf ihre Kosten.
  • Wer nicht ortskundig ist, sollte das Angebot annehmen, mit Guide und Gruppe vom S-Bahnhof Grunewald zu starten.
  • Feste Schuhe, lange Hosen und warme Klamotten sind eine gute Idee – es geht durch den Wald, teilweise durch schwieriges Gelände, auf dem Berg pfeift der Wind und die Gebäude sind eine Ruine. Eine Taschenlampe leistet gute Dienste, und eine Flasche Wasser ist immer eine gute Idee.
  • Genug Zeit einplanen – wir waren mehr als drei Stunden unterwegs.
  • Ich halte diese Tour für kleinere Kinder nicht geeignet – zu gefährlich und zu langweilig. Ab etwa zwölf Jahren sollte es aber klappen. Ein Durchkommen mit Kinderwagen ist sehr schwierig, in den Gebäuden selbst nicht möglich – es sind viele Treppen zu steigen.

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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de