Die Wahl kommt (fast immer) bei den Leuten an

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Später Sonntagvormittag – gerade endet der Gottesdienst in der Presbyterianischen Kirche in Accras Stadtteil La. Die Gemeinde verlässt die schöne Kirche, auf dem Parkplatz stehen Männer und vor allem Frauen in farbenfroher Kleidung. Die Wahl ist auch hier das Thema. Im Fernsehen und Radio gibt es die ersten Zwischenergebnisse – das ganze Land erwartet das endgültige Resultat mit Spannung. Doch ein erstes Fazit gibt es bereits, und darüber sind auch die Kirchgänger heilfroh: Die Wahl verlief friedlich, es gab so gut wie keine Zwischenfälle.

Für John Atanga, der gerade aus der Kirche kommt, ist die Sache klar: „Diese Wahl wird in die Geschichte Ghanas eingehen als eine der besten. Ghana ist friedlich und die Wahl war erfolgreich. Ein paar Straßen weiter, zwischen den Markständen, ist Benjamin unterwegs. Er will nur seinen Vornamen nennen, wie viele andere hier auch. Mit dem Ablauf der Wahl ist auch er zufrieden. Dafür, dass es dieses Mal friedlich blieb, hat er eine einfache Erklärung: „Wir Ghanaer mögen uns selbst. Deswegen sollten wir nicht gegeneinander kämpfen. Das müssen auch die Parteien verstehen. In Regionen ist alles in Ordnung – keine Kämpfe, keine Schüsse.

Gewehrsalven, Ausschreitungen, Einschüchterungen – das hatte es bei der Wahl 2008 gegeben. In diesem Jahr sollte es besser werden. Da sind sich die Menschen in Ghana einig. Mit vielen Kampagnen und Aktionen machten sich Medien, Parteien, Behörden und auch die Kirchen in den vergangenen Wochen für eine reibungslose und friedliche Wahl stark. „Keep the Peace“ – „Bewahrt den Frieden“, das ist zum Beispiel der Slogan des Ghanaischen Christenrats (CCG), des Projektpartners von Brot für die Welt. Der Wahlspruch ist auf T-Shirts, Plakaten, in Zeitungsanzeigen und im Fernsehen zu sehen.

Nae ist im Stadtteil Olympia gerade unterwegs zu einem Taxi – sie will Verwandte besuchen. Ihr Fazit zum Wahlprozess: „Wir haben der Welt gezeigt, dass wir in der Lage sind, unseren Präsidenten ohne Gewaltausbrüche zu wählen.“ Natürlich habe es einige Dinge gegeben, die bei der nächsten Wahl verbessert werden müssen: „Ich habe von Fällen gehört, dass Wahlurnen verloren gegangen sind, und an manchen Orten mussten die Leute lange warten. Aber alles in allem haben wir das gut gemacht.“

Erstmals bei einer Wahl in Ghana gab es eine elektronische Prüfung des Fingerabdrucks. Wählerinnen und Wähler mussten sich so eindeutig identifizieren. Der biometrische Scan klappte in den allermeisten Fällen reibungslos, doch manchmal hakte es. Die Wahlleiter wiesen Menschen ab, die oft stundenlang gewartet hatten. Trotzdem hat sich das System bewährt, findet Eric aus La: „Bei der Wahl 2008 konnten die Leute drei, vier oder gar fünf Mal wählen. Mit dem biometrischen System ist es einfacher geworden, dass jede Person nur einmal wählt.“ 2008 hätte es in manchen Wahllokalen Ergebnisse von mehr als 90 Prozent für eine Partei gegeben, erinnert sich Eric. Dieses Mal sei das nicht mehr vorgekommen. Er sieht die Wahlkommission in der Pflicht, für die nächsten Wahlen sicherzustellen, dass die Fingerabdruck-Scanner überall reibungslos arbeiten: „Es muss ein Ersatzsystem geben, das sofort zur Verfügung steht.“

Erics Nachbar Humphrey stimmt zu, und er findet: „Wenn die Maschinen nicht funktionieren, gehen wir besser zu den Papierlisten zurück. Es ist nicht gut, dass Leute nicht wählen durften, nur weil die Maschine sie nicht akzeptierte.“ Für den jungen Mann ist auch wichtig: „Alles in allem konnte ich keine Probleme sehen, wir haben den Frieden gewahrt. So etwas wie in Elfenbeinküste wird bei uns in Ghana nicht passieren.“ Gladys, Mitglied der Presbyterianischen Gemeinde, bringt es so auf den Punkt: „Es gab keine Kämpfe, und auch die Parteien haben mitgezogen. Und bei einer Wahl muss doch auch klar sein: Es gibt nur einen Gewinner.“

Dass es vor, während und nach der Wahl friedlich blieb – darüber sind auch die Frauen und Männer der Kirchengemeinde und die Passanten im Viertel La gleichermaßen froh. Und ein wenig stolz sind sie auch: Immerhin gilt Ghana als aufstrebende Demokratie, die es besser macht als viele instabile Länder in der Nachbarschaft, in denen es bei Wahlen zu schweren Konflikten und blutigen Auseinandersetzungen kam.

Dieser Beitrag ist auch in meinem Blog bei Brot für die Welt erschienen.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de