Abendessen in der Nähe der Sua Pan, Botswana

Was bleibt

Abendessen am Lagerfeuer, irgendwo am Rand der Sua Pan. Das wussten wir damals noch nicht. Unsere kleine, botswanisch-deutsche Exkursionsgruppe suchte diese Salzpfanne, wollte sie erreichen. Wir hatten sie auf unseren Landkarten vor Augen, wussten, sie muss irgendwo ganz in der Nähe sein.

Nach sechs Tagen fanden wir sie. Erst nach sechs Tagen, aber nicht an diesem Abend. Wir fanden – Ruhe in der Kalahari-Steppe, wo wir ohne Genehmigung und jemanden zu fragen unsere Zelte aufbauen durften. Wir fanden Zebras und Rinder, die in Hör- und Sichtweite das Wasserloch besuchten und um unsere Zelte herum grasten.

Ich persönlich fand meine Fähigkeit wieder, an einem Tag ein ganzes Buch zu lesen und es im Kopf zu bewegen, was nur in besonderen Momenten und an besonderen Orten geht. Ich fand das Geschenk, für ein paar Tage rein gar nichts planen zu können und mich trotzdem sicher und geborgen wie kaum sonst in meinem Leben zu fühlen, in diesem Land, das ein Dorf ist, und sich doch ausdehnt wie Texas oder Frankreich, mit Dorfbewohnern, die einen gemeinsamen roten Faden haben. Mit allen, die Zeit haben, diesen roten Faden in einem Gespräch zu ergründen. Mit allen, die diese Zeit haben wollen.

Meine Reisen durch Botswana, vor allem meine Begegnungen mit den Batswana, haben mein Urvertrauen wiederbelebt. Neun Mal reiste ich nach Botswana, merkwürdig aufgekratzt und unsortiert, trotz der akribischen Reisevorbereitungen und Checklisten. Selig und satt vom Fernweh, voll mit Geschichten und Begegnungen, die mich manchmal Über Monate im Griff hatten, konnte ich in meinen deutschen Alltag, der plötzlich bizarr-verrückt wirkte, zurückkehren. Oder es versuchen.

Botswana hat mich gelehrt, dass wir im Transit leben. Botswana schenkte mir viele Fragezeichen.

Morgen reise ich wieder – dienstlich nach Hamburg und Hannover. Ich muss noch meine Tasche packen, vor allem Hemden und zwei Sakkos. Vorher wollte ich noch diese Gedanken loswerden. Mit diesem Foto aus Botswana, dessen Menschen ich so viel verdanke.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).


Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


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