Philippinen: Die Mutigen leben gefährlich

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Menschenrechtler beklagen Korruption und Straflosigkeit

Es gibt Themen, die sind ziemlich wichtig – und ziemlich kompliziert. „Strukturelle Straflosigkeit“ ist ein gutes Beispiel dafür. Aus einem interview mit einer Projektpartnerin von Brot für die Welt aus den Philippinen und einer ihrer Klienten ist dieser Beitrag und ein sehr bewegender Podcast entstanden. Die Produktion und das Sprechen haben die Tonjuwelen übernommen, die auch Intro, Outro und Musikbett entwickelt haben.

Mord, Körperverletzung oder Bedrohungen: Diese Straftaten rufen in Deutschland schnell Polizei und Staatsanwaltschaft auf den Plan, und die Täter müssen mit Prozess und Verurteilung rechnen. Doch in vielen anderen Ländern können Menschen von einem funktionierenden Rechtsstaat nur träumen.

Beispiel Philippinen: Dort können Politiker, Wirtschaftsbosse und andere Eliten oft machen, was sie wollen. Die Menschenrechtlerin Schwester Mary John Mananzan erklärt, was das bedeutet: „Das Gesetz wird missachtet, die Menschenrechte werden verletzt, Morde ohne polizeiliche Ermittlungen, das ‚Verschwindenlassen‘ von Menschen – das alles passiert in unserem Land, ohne, dass die Täter vor Gericht kommen.“ „Brot für die Welt“ macht auf dieses Unrecht aufmerksam – und unterstützt auch auf den Philippinen weltweit Organisationen, die sich für Menschenrechte stark machen.

Korrupte Polizisten, bestochene Richter

Schwester Mary ist eine der mutigen Verteidigerinnen der Menschenrechte. Sie kennt die Maschen der Mächtigen, um ohne Risiko Straftaten bis hin zu Morden und dem „Verschwindenlassen“ von Kritikern begehen zu können. Die ehemalige Projektpartnerin nennt Beispiele: „Da gibt es eine Sondereinheit der Polizei zur Drogenbekämpfung, und einige Beamte machen beim Drogenschmuggel mit.“ Sie schildert auch den Fall von Polizisten, die eigentlich gegen Entführer vorgehen sollen, doch selbst Geld mit Kidnapping verdienen. Schwester Mananzan: „Vor Gericht ist es auch nicht besser, denn viele Richter werden bestochen.“

Wer auspackt, muss um sein Leben fürchten

Wer die Wahrheit ans Licht bringt, spielt mit dem Leben. Rodolfo Jun Lozada hat das erlebt. Er sagte als Kronzeuge in einem großen Korruptionsprozess aus. Rückblickend sagt er: „Mein Leben hat sich unvorstellbar verändert.“ Früher arbeitete er als Ingenieur – das gehe nun nicht mehr. Er berichtet: Zu seinem Alltag gehören nun Bedrohungen, Einschüchterungen und Anfeindungen durch den Staat, der eine Prozesslawine gegen ihn lostrat. Lozada, seine Frau und seine fünf Kinder sind nun heimatlos im eigenen Land – und sie müssen ständig auf der Hut sein: „Meine fünf Kinder und ich können nicht mehr in unserem Haus leben. Meine Tochter wäre vor einem Jahr beinahe entführt worden.“ Die Familie fand Zuflucht im Kirchenasyl. Lozadas bitteres Fazit: „Es wird für uns nie wieder ein normales Leben geben.“ Und der mutige Kronzeuge appelliert an die Politiker: „Das alles ist nicht richtig. Es sollte keine Leute wie mich geben, die Angst haben müssen, nur weil sie die Wahrheit sagen.“

Korruption führt zu Armut

Schwester Mary wird wütend, wenn es um das Thema Korruption geht: „Sie ist die Ursache für Armut. Mit dem Geld, das eigentlich zum Wohl aller Bürger eingesetzt werden soll, machen sich einige wenige die Taschen voll.“ Wenn Schmiergeld fließt, würde Geld auf die Seite geschafft – Geld, das eigentlich für Dienstleistungen und Infrastruktur da sei. Die Ordensschwester beschreibt die Konsequenzen: „Die Auswirkungen sind fürchterlich: Die Leute bleiben arm.“

Aufruf an die Deutschen: Helfen – statt Schmiergeld zu zahlen

Auch wenn die Philippinen Tausende Kilometer von Europa entfernt liegen, sehen die Menschenrechtler auch die Deutschen in der Verantwortung. Lozada fordert: „Wir dürfen nicht wegschauen, nur weil das Unrecht woanders auf der Welt geschieht.“ Wie dringend nötig ein Umdenken in den reichen Ländern der Erde ist, zeigt ein riesiger Korruptionsskandal. Lozada berichtet: „Vor einiger Zeit wurde bei uns ein Flughafen neu gebaut. Auch eine deutsche Firma war daran beteiligt. Sie hat bei der Korruption mitgemacht.“ Seine Bitte an die Deutschen: „Ihr habt genug, ihr seid mit so vielen Dingen gesegnet! Bitte hört auf, weiter die Hand bei den Armen aufzuhalten, nur, um euer Bruttosozialprodukt um ein paar Euro zu erhöhen.“ Wachsam zu sein, bei Korruption nicht mitzumachen und Menschenrechtlern zu helfen – dazu können die Menschen in Deutschland und „Brot für die Welt“ einen wichtigen Beitrag leisten, findet Schwester Mary. Sie sagt: „Die vielfältige Unterstützung von ‚Brot für die Welt‘ ist eine sehr wichtige Sache für uns auf den Philippinen und für meine Arbeit.“


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de