Plaidt: Autohof-Pächter ärgern sich über neueste ADAC-Kritik

Tester finden Truck-Point „mangelhaft“ – Betreiber: Urteil ist ungerecht

Der ADAC hat in seinem jüngsten Raststätten-Test den Autohof in Plaidt als mangelhaft eingestuft. Neben Plaidt erhielten noch zwei andere Anlagen in Deutschland diese Bewertung. Dieses Urteil finden die Pächter des Truck-Points ärgerlich, weil bei ihrer klassischen Trucker-Raststätte die gleichen Kriterien wie bei den großen Raststätten an den Autobahnen angelegt werden.

Der Automobilklub hatte jeweils 20 Raststätten und Autohöfe in Deutschland untersucht. Darunter war auch der Plaidter Autohof. Der ADAC hatte Gastronomieexperten als Testgäste nach Plaidt geschickt. Dabei verköstigten die Tester mehrere Essen. In den Sanitäranlagen nahmen die Tester Proben.

Kriterien waren Parkplätze, Außenanlage, Gastraum, Gastronomie, Service, Familienfreundlichkeit, Sanitäranlagen und Preise. Die Einzelergebnisse zählte der ADAC zu einer Endnoten zusammen. Punkten konnte der Plaidter Autohof mit seiner großen Auswahl an warmen Speisen und den üppigen Portionen zu günstigen Preisen. Auch die Hygiene in der Toilette überzeugte. Die Tester monierten, dass die Anlage nicht familienfreundlich sei. Im Report heißt es: „Die Autohöfe Plaidt, Spreenhagen und Stadtroda ließen sogar den überall sonst selbstverständlichen Kinder-Hochstuhl im Restaurant vermissen und waren die einzigen in Deutschland, die auch keinen Wickeltisch boten.“ Kritik gab es für zu wenig Mülleimer, fehlende Spielmöglichkeiten, ein „mäßig schmackhaftes“ Gericht sowie teils schmutzige Toiletten.

Im Gespräch mit der RZ sagt Pächter Emil Zeil, dass die Kriterien des ADAC zu diesem für Plaidt schlechten Ergebnis führen mussten. Die Zeils sind seit der Eröffnung des Truck-Points 1992 Pächter des Autohofs, der zur ED-Mineralölhandels-GmbH gehört. Emil Zeil: „Lkw- und Vielfahrer sind unsere Zielgruppe.“ Doch der ADAC teste für Familien mit kleinen Kindern. Dennoch sei Plaidt offen für Familien: „Der Kinderhochstuhl steht bei uns unter der Treppe. Der ADAC hat ihn entweder nicht gesehen oder nicht danach gefragt.“

Bei den Raststätten an Autobahnen kümmern sich die Autobahnmeistereien um die Müllbeseitigung – auf Kosten des Steuerzahlers, führt Emil Zeil weiter aus. Er müsse dagegen bis zu 600 Euro im Monat dafür zahlen. Früher habe es mehr Mülleimer gegeben. Doch einige Fahrer hätten mit ihren Lkw die Gefäße immer wieder zerstört, und außerdem sei in den Mülltonnen immer wieder illegal Abfall beseitigt worden. Dass – wie vom ADAC kritisiert – Essig und Öl sowie Pfeffer und Salz auf den Tischen fehlen, ist für Emil Zeil kein Mangel, sondern eine Sache der Sauberkeit: Fläschchen mit Essig und Öl hält der Küchenmeister und staatlich geprüfte Gastronom für unhygienisch, und die Streuer würden dreimal pro Woche geleert und gespült und stünden dann nicht auf allen Tischen.

Auch wenn es nach 2003 das zweite „Mangelhaft“-Ur- teil für Plaidt ist, sieht Emil Zeil die ADAC-Kritik gelassen. „Die werfen uns in einen Topf mit Anlagen, die an Fernreiserouten liegen.“ Er habe keine Angst vor Umsatzeinbußen. Dennoch sollte sich der ADAC überlegen, was er mit seinen Urteilen anrichtet. Emil Zeils Frau Heidi findet die Bewertung ungerecht: „Das ist so niederschmetternd, wenn man so durch den Schmutz gezogen wird.“ Viermal pro Tag würde geputzt.

Die Pächter sehen sich mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg. Emil Zeil: „Wir haben unsere Zielgruppe, von der wir seit 16 Jahren leben.“ Der Autohof in Plaidt mit seinen 20 Mitarbeitern bietet rund um die Uhr Platz für mehr als 120 Lkw und bis zu 35 Pkw. 400 Gäste kommen im Tagesschnitt.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de