Trierer Investor kauft Flugplatz

Projektentwickler Triwo AG zahlt einen zweistelligen Millionenbetrag für Kaserne – Freude und Erleichterung in Mendig

Was kommt, wenn die Bundeswehr geht? Eine Antwort auf diese für Mendig und die Region bedeutende Frage gibt es jetzt: Die Kaserne wechselt den Eigentümer.

Der Trierer Projektentwickler Triwo AG kauft den Mendiger Flugplatz. In einer gestern Nachmittag veröffentlichten Mitteilung bestätigten Land und Kommunen entsprechende Informationen der Rhein-Zeitung. Die Aktiengesellschaft gilt als erfahren bei der Umnutzung von einstigen Militär-objekten. So vermarktet Triwo den ehemaligen Flugplatz Pferdsfeld bei Bad Sobernheim sowie das Areal der einstigen Mainzer Panzerwerke.

Nach Informationen der RZ zahlen die Trierer einen zweistelligen Millionenbetrag für Gelände und Gebäude der Gunther-Plüschow-Kaserne. Weder Bund und Triwo noch die beteiligten Kommunen wollten sich zu dem Kaufpreis äußern. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.

Premiere im Land

Mit dem Vertragsabschluss ist es erstmals in Rheinland-Pfalz gelungen, einen zivilen Nachfolger noch während der militärischen Nutzung zu finden. Der Vorstand von Triwo, Peter Adrian, unterzeichnete den notariellen Kaufvertrag am gestrigen Freitag in Trier. Damit ist der Projektentwickler ab Dienstag, 1. Juli, offiziell Hausherr auf dem Areal. Die Bundeswehr zieht sich zum 30. Juni zurück.

Ziel sei es, den Flugplatz künftig für Gewerbe und Industrie zu nutzen, sagte Adrian im Gespräch mit der RZ. Der Plan sei, ein Test- und Entwicklungszentrum für Autos aufzubauen. Die bisherigen Zwischennutzer können laut Adrian auf dem Gelände bleiben, und dafür gebe es auch Interesse. Adrian: „Wir sind mit allen im Gespräch.“

Den Flugplatz zeichne seine sehr große, zusammenhängende Fläche aus, erklärte der Triwo-Vorstand. Die Gebäude seien teils gewerblich nutzbar, und auch die Anbindung an die Autobahnen 61 und 48 sei gut. Adrian hält es für möglich, dass insgesamt – also mit dem Einsatz der Zwischennutzer – 100 Millionen Euro nach Mendig fließen.

Jörg Lempertz, Vorsteher des Zweckverbandes Konversion Mendig, zeigte sich zufrieden, dass Triwo das Rennen machte. Lempertz sagte im RZ-Gespräch: „Ein weiterer Meilenstein der Konversion ist geschafft.“ Ein langer und steiniger Weg liege hinter Mendig und der Region. Es sei wichtig gewesen, dass sich die vom Abzug der Bundeswehr betroffenen Kommunen im Zweckverband zusammengeschlossen haben.

Nach Auskunft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gab es mehrere Investoren, die an der gesamten Liegenschaft interessiert gewesen sind. Die Bima vertrat die Bundesrepublik, den Eigentümer der Kaserne. Die Triwo sei mit ihrem „konzeptionell hervorragenden Angebot“ hervorgestochen, hieß es. Für den erfolgreichen Vertragsabschluss sei auch wichtig gewesen, dass die Bundeswehr Zwischennutzer wie etwa TÜV Rheinland zugelassen hatte. Das habe Mendig bislang rund 130 Arbeitsplätze gebracht.

Verhandlungen gehen weiter

Die nächsten Schritte will der Zweckverband laut Lempertz, der auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig ist, schon in der nächsten Woche gehen. Dann sitzen Vertreter der Konversionsgemeinden mit Verantwortlichen des Investors Triwo und des Landes Rheinland-Pfalz an einem Tisch, um mit den Verhandlungen für den sogenannten städtebaulichen Vertrag zu beginnen. Dieser Vertrag regelt Rechte und Pflichten aller Beteiligten.

Mit dem jetzt geschlossenen Grundstücksgeschäft hat er aber nichts zu tun. Der Vertrag legt Eckpunkte fest, beispielsweise wie viel Triwo investiert, wo der Zweckverband neue Straßen baut und bis wann gewisse Arbeiten erledigt sein müssen. Lempertz: „Jetzt geht es ans Eingemachte.“ Der städtebauliche Vertrag sei einer der wichtigsten Verträge überhaupt – immerhin könnten die Kommunen mit dem Investor entscheidende Abmachungen treffen.

Ob dieser Vertrag auch regelt, wie viele Arbeitsplätze entstehen müssen, ist laut Lempertz noch offen. „Es gibt Argumente, die dafür und Argumente, die dagegen sprechen.“ Die Diskussion werde zwischen Zweckverband und Triwo geführt. „Bei allen Vorbehalten“, die eine Voraussage mit sich bringt, hält Triwo-Vorstand Adrian „eine Größenordnung von 500 Arbeitsplätzen für realistisch“.

Dass die Trierer Gelände und Gebäude an weitere Interessenten weiterverkaufen, sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sagte Lempertz. Der Vorsteher des Zweckverbandes schränkte allerdings ein: „Triwo hat aber die Ambition, Eigentümer zu sein.“ An einen Verkauf sei „nur bei stichhaltigen Argumenten“ zu denken. Vielmehr entspräche es der Firmenphilosophie, dauerhaft an einem Standort zu bleiben. Eine Tageszeitung zitiert Triwo-Vorstand Peter Adrian mit den Worten: „Wir entwickeln Projekte, um sie zu halten.“

Für Lempertz ist es ein Pluspunkt, dass sich die Zwischennutzer auf dem Gelände wie etwa TÜV Rheinland und Franzen Metall-Umformtechnik auch mit dem Investor anfreunden können – und dem Standort Mendig wohl als Dauermieter erhalten bleiben. Der Zweckverband und der Wirtschaftsförderer der VG Mendig stünden auch in Zukunft Firmen, die Gebäude oder Hallen auf dem Flugplatz mieten wollen, mit Beratung zur Seite.

Kommentar

Ein wichtiger Etappensieg

Niko Wald zum Verkauf des Flugplatzes

Die Zukunft des Mendiger Flugplatzes ist eine Sache von Millionen Euro, aber auch von vielen Wünschen und Befürchtungen. Rund 1800 Arbeitsplätze gingen der Vulkanstadt durch das Aus für den Traditionsstandort der Bundeswehr verloren, der Region fehlen seitdem jährlich 25 Millionen Euro Wirtschaftskraft. Und tief schmerzt es viele Mendiger noch immer, dass Politik und Streitkräfte mit der hochmodernen Gunther-Plüschow-Kaserne die Wiege der Heeresflieger schleiften. So wie Bier und Basalt zur Tradition Mendigs gehören, reihen sich nun Kaserne, Unteroffiziersheim, Familienfeste, Helikopter und Auslandseinsätze in die bewegte Geschichte der Stadt ein.

Vielleicht gelingt den Mendigern ein versöhnlicher Blick zurück leichter, wenn sie wissen: Die Liegenschaft hat auch Chancen. Das beste Zeichen dafür ist das Engagement der Triwo AG. Die Trierer stecken mehrere Millionen Euro in den Flugplatz, weil sie glauben, dass es dort eine Zukunft gibt. Das nötige Geld leiht sich das Unternehmen bei Banken, und auch sie glauben, dass das Projekt Hand und Fuß hat. Unter den Triwo-Anteilseignern sind keine Heuschrecken, die nur auf schnelles Geld aus sind. Das Unternehmen gehört zehn Familien aus dem Trierer Raum, und die regionale Eigentümerstruktur ist seit Jahren stabil. Das Umsatzwachstum von Triwo ist nicht spektakulär, aber solide. Und nicht zuletzt hat das Unternehmen schon seit Jahren Erfahrung mit der Umnutzung einstiger militärischer Objekte.

Das lässt hoffen, dass der Vertrag nicht nur ein wichtiger Zwischenschritt, sondern auch regelrechter Etappensieg ist. Jetzt muss der Investor beweisen, dass er mit seinem gelobten Flugplatz-Konzept tatsächlich in Mendig landen kann. Und er muss zeigen, dass er nicht nur Euros bringt, sondern auch die berechtigten Befürchtungen und Wünsche der Menschen ernst nimmt – sei es die profane Sorge um Motorenlärm oder die Sehnsucht, einen Arbeitsplatz zu finden.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de