Der Investor ist kein Unbekannter

Der Trierer Projektentwickler Triwo ist auf die Umnutzung von Militärobjekten und Industriebrachen spezialisiert

Die Verträge für den Verkauf des ehemaligen Heeresflugplatzes sind unter Dach und Fach. Doch wer steckt hinter der Trierer Gesellschaft, die in Mendig groß einsteigt?

Golfplatz und Hotels für Touristen, Luftfahrtzentrum und Helikopter-Landeplatz – die Ideen der möglichen Investoren, die in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit drangen, waren vielfältig – und ähnlich bunt wie der Reigen der Interessenten, die sich mal länger, mal kürzer für das Kasernengelände begeisterten. Dass die Wahl nun auf den Trierer Projektentwickler Triwo AG fiel, ist allerdings nicht überraschend.

Spezialist für neue Nutzung

Schon im vergangenen November hatte sich abgezeichnet, dass Kommunen, Land und jene Firmen, die schon auf dem Gelände sind, Triwo gerne als Investor sähen. Die Trierer haben Erfahrung bei Umwandlungsprojekten; der unternehmerische Schwerpunkt liegt bei der Entwicklung von Konversionsflächen und Industriebrachen.

Projekte von Triwo finden sich im Umkreis von etwa zwei Autostunden um Trier, aber auch im Raum Stuttgart und in der Region Dortmund. Das Unternehmen hat auch Interesse an der Liegenschaft eines Herstellers von Straßenbaumaschinen in Mannheim, der seinen Standort nach Ludwigshafen verlegt. Im Angebot hat Triwo aber auch denkmalgeschützte Immobilien und Neubauten. Insgesamt sind 500 000 Quadratmeter Fläche vermietet. „Wir entwickeln Projekte, um sie zu halten“, zitiert eine Tageszeitung Triwo-Vorstand Peter Adrian. Das Unternehmen will demnach an den Mieteinnahmen verdienen. Das Weiterverkaufen von Teilflächen – und das dürfte die Mendiger interessieren – gehöre aber nicht zum Triwo-Geschäftsmodell.

Zwischen einer halben und 50 Millionen Euro investiert das Unternehmen nach RZ-Informationen in seine Projekte. Das Geld leihen sich die Trierer von Banken – sie nehmen keine weiteren Investoren als Geldgeber mit ins Boot. Hausbanken von Triwo sind neben der Trierer Volksbank und Sparkasse etwa auch die genossenschaftliche Zentralbank WGZ-Bank sowie die zur WestLB gehörende Westdeutsche Immobilienbank.

Das Unternehmen wurde 1972 als Trierer Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Die Gründung der Aktiengesellschaft datiert auf Mai 1990. Unter Adrians Regie entwickelte sich die Gesellschaft zu einem bedeutenden Unternehmen in der Immobilienbranche im Südwesten.

Die Anteilsscheine der AG werden nicht an der Börse gehandelt, sondern sind im Besitz von zehn Familien. Sie halten nach RZ-Informationen Anteile zwischen 1,9 und 17,4 Prozent. Das Stammkapital, das die Gesellschafter aufbringen, beträgt 6,76 Millionnen Euro. Triwo beschäftigt 50 Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich 2006 auf 6,74 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2005 erhöhte sich der Umsatz um 42 Prozent. Verglichen mit 2004 stieg der Umsatz sogar um mehr als das Doppelte. Das Unternehmen Triwo machte sich etwa beim Konversionsprojekt Pferdsfeld einen Namen. Im Jahr 2003 kaufte Triwo den ehemaligen Nato-Flugplatz bei Bad Sobernheim von der damaligen Bundesvermögensverwaltung. General Motors (GM) nutzt das 320 Hektar große Gelände für Testfahrten mit Fahrzeugen aller GM-Marken wie Opel, Saab und Chevrolet. Außerdem haben sich auf dem Areal auch Gewerbebetriebe niedergelassen.

Pferdsfeld übernommen

Triwo hatte sich 2003 für Pferdsfeld zu Investitionen von mindestens 80 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren verpflichtet. Das Land Rheinland-Pfalz erklärte sich bereit, für das Projekt rund 20 Millionen Euro in den folgenden zehn Jahren beizusteuern. Laut Medienberichten zahlt GM jährlich 500 000 Euro Miete an Triwo. Vor 2003 waren bereits einige Großprojekte wie beispielsweise ein Freizeitpark gescheitert. 2005 beherbergte der Industrie- und Gewerbepark Pferdsfeld 15 Firmen mit 110 Arbeitsplätzen. Mit der BP Solar AG entstand 2006 auf dem Flugplatz eine der weltweit größten Fotovoltaikanlagen.

Auf die längerfristige Ansiedlung des Autoherstellers Opel sei er schon ein wenig stolz, weil ihm damit auch eine Initialzündung gelungen sei, sagte Adrian 2005 in einem Gespräch mit der RZ. Der studierte Volkswirt ist seit 1980 selbstständig. Er ist Präsident der Industrie- und Handelskammer Trier, Sachverständiger beim Luftfahrtbundesamt, Jäger, Segelflieger und auch ein begeisterter Motorradfahrer.

Zivile Nutzer sind längst da

Schon 2007 ließen sich einige Unternehmen auf dem Gelände nieder

Die Bundeswehr zieht sich vom Standort Mendig zurück – und immer mehr zivile Nutzer kommen auf das Kasernengelände. Mittlerweile gibt es elf Zwischennutzer auf dem Areal. 130 Menschen arbeiten dort.

Das Kölner Unternehmen TÜV Rheinland betreibt seit Juli 2007 in der ehemaligen BPS-Halle ein Test- und Erprobungszentrum. So testet etwa der asiatische Autoimporteur Hyundai auf dem Kasernengelände neue Fahrzeuge und Komponenten. Zudem dreht eine Produktionsgesellschaft Beiträge für Motorsport-Sendungen im TV. Hinzu kommen weitere Kunden, die Hallen und Werkstätten befristet buchen.

Seit September 2007 ist das Unternehmen CarboSystems in Mendig ansässig. Es gibt seinen Standort Niederzissen auf. Das Unternehmen stellt unter anderem Fahrzeugteile aus Kohlefasern her und produziert noch passive Sicherheitstechnik für das Militär. In Mendig werden Fahrzeuge mit Leichtbaukonstruktion und umweltfreundlichem Antrieb entwickelt.

Das Unternehmen Franzen Metall-Umformtechnik stellt in Mendig Fotovoltaiksysteme her. Sie werden im Werk auf dem Flugplatz direkt in Stahlprofile eingebaut, die sich bei Neubauten und Sanierungen einsetzen lassen.

Jahnel-Kestermann gehört zu den größten Produzenten von Getrieben für Windkraftanlagen weltweit. In Mendig ruft das Unternehmen einen eigenständigen Servicebetrieb ins Leben.

Die Firma Matech-Concepts Germany ist auf den Bau von Rennfahrzeugen der GT3-Serie spezialisiert. Diese Fahrzeuge nehmen an den internationalen Rennen der FIA-GT3-Meisterschaft oder an 24-Stunden-Rennen teil.

Das Ende …

Angst wegen Reform

Januar 2001: Am Standort Mendig, der mehr als 1700 Angehörige hat, sorgt die Bundeswehrreform für Unruhe. Wird die Kaserne geschlossen? „Wir wären als Stadt kaputt“, sagt Stadtbürgermeister Achim Diensberg. 50 Millionen Mark Wirtschaftskraft sind bedroht.

Eine erste „Streichliste“

März 2001: In der Gunther-Plüschow-Kaserne sollen bis zu 1000 Dienstposten und Stellen wegfallen. Das geht aus der „Streichliste“ des Verteidigungsministers Rudolf Scharping hervor. Betroffen ist das Heeresfliegerregiment 35 und die fliegende Abteilung 351.

Neue Staffel kommt

April 2003: Der Flugplatz bekommt eine neue Staffel – die Heeresfliegerunterstützerstaffel 7. Bei der Indienststellung heißt es: Der Flugplatz wird weiterbestehen.

Wieder Sorge um Standort

Januar 2004: Immer wieder wird Mendig infrage gestellt, und immer wieder ist die mögliche Schließung Thema. Verteidigungsminister Peter Struck gibt bekannt, dass im Zuge der Bundeswehrreform einige Standorte geschlossen werden sollen. Das prägt auch den Neujahrsempfang der Heeresfliegerbrigade 3. Bürgermeister Jörg Lempertz zeigt sich zuversichtlich. Er verweist auf die Aussage von Ministerpräsident Kurt Beck, der Standort Mendig stehe nicht zur Disposition.

Enttäuschung über das Aus

November 2004: Die Entscheidung: Der Standort Mendig wird geschlossen. Die Kaserne zählt zu den 105 Standorten auf der „Streichliste“ von Verteidigungsminister Peter Struck. Die Mendiger sind enttäuscht über das Aus für den größten Arbeitgeber in der Verbandsgemeinde Mendig. Stadtbürgermeister Diensberg: „Dass ein so gesunder Standort und ausgerechnet die Wiege der Heeresflieger jetzt geschlossen wird, ist unbegreiflich.“

Viele kleine Abschiede

Juli 2006: Der Standort erlebt viele letzte Male. Für das beliebte Familienfest im Sommer wird es keinen Nachfolger geben. Im Oktober 2006 verabschiedet sich die Heeresfliegeraufklärungsstaffel 300 aus dem Flugdienst der Bundeswehr. Der letzte Neujahrsempfang findet im Januar 2007 statt. Im Mai 2007 verabschieden sich die Heeresflieger mit einem Appell auf dem Mendiger Marktplatz. Das Unteroffiziersheim Mendig schließt im Januar 2008. Ende Juni 2008 soll der Standort komplett aufgelöst sein – die Heeresflieger sind dann Geschichte.

… und der Anfang

Golf oder Hubschrauber?

Oktober 2005: Wenige Monate nach dem Aus für den Standort Mendig gibt es erste Interessenten für die Kaserne. Ein Golf- und Tourismus-Projekt und eine fliegerische Nutzung durch Helikopter sind im Gespräch. Bürgermeister Jörg Lempertz sagt: „Wir sind für alle Nutzungsarten offen.“

Luftfahrt und Automobil?

November 2005: Eine weitere Gesellschaft wirft ihren Hut in den Ring. Sie will Luftfahrt- und Automobiltechnik nach Mendig bringen – und verspricht bis zu 1000 Arbeitsplätze für die Region.

Studien und Zweckverband

September 2006: Nach wie vor gibt es mehrere mögliche Investoren. Doch Genaues ist aus dem Rathaus nicht zu erfahren. Die Kommunen geben Studien in Auftrag, um herauszufinden, was mit der Liegenschaft machbar ist und ob saniert werden muss.

Investorensuche im Netz

November 2006: Mit einer Seite im Internet will die Verbandsgemeinde Investoren für den Flugplatz finden. Beteiligt ist auch der Bund, dem das Areal gehört.

Erste Weichenstellung

Februar 2007: Der Stadtrat stimmt für das Dreisäulenkonzept. Damit spricht sich das Gremium für einen Branchenmix aus Gewerbe, Tourismus und eingeschränktem Flugbetrieb aus. Die Landesregierung favorisiert eine gewerbliche Nutzung.

Kommune will mitreden

Februar 2007: Der Flugplatz Mendig soll nicht einfach nur an den Höchstbietenden verkauft werden. Der Stadtrat fordert, dass auch die Zahl der neuen Arbeitsplätze und die Entwicklungschancen eine Rolle spielen. Der Bund gibt sich offen, lehnt das Ansinnen aber schließlich ab.

Der ADAC kommt nicht

April 2007: Die ADAC-Luftrettung investiert nicht auf dem Flugplatz Mendig. Das Ausbildungszentrum zieht stattdessen nach Bonn-Hangelar.

Elf Nutzer auf Flugplatz

Juni 2007: Immer mehr zivile Nutzer kommen auf das Gelände. Elf Firmen sind Dauermieter, unter ihnen TÜV Rheinland, Jahnel-Kestermann und Franzen Metall-Umformtechnik. CarboSystems verlässt Niederzissen, um nach Mendig zu gehen.

Zwei Investoren im Rennen

November 2007: Von elf Investoren sind noch zwei im Rennen – unter ihnen das Trierer Unternehmen Triwo, das jetzt den Zuschlag erhalten hat.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de