Neue L113 in Mendig: Besondere Maschen gegen Bergbau-Löcher

In Mendig gibt es eine besondere Baustelle: Beim Ausbau der L113 zwischen dem Vulkanmuseum Lava-Dome und der B262 müssen die Arbeiter behutsam vorgehen. Denn in bis zu zehn Metern Tiefe liegen unter der Straße alte Stollen. Sie stammen aus der Zeit des Basaltabbaus. Damit die Hohlräume nicht einstürzen, gelten auf der Baustelle besondere Regeln. Peter Holbach, Leiter der Straßenmeister Kruft, sagt: „Wir sind für alles gewappnet.“

Zuletzt wurde die Straße nach dem Zweiten Weltkrieg saniert – das ist gut 60 Jahre her. Seitdem nutzen jeden Tausende Auto- und Lkw-Fahrer die Strecke: Sie ist heute ebenso Autobahnzubringer wie eine wichtige Zufahrt nach Mendig. Auch viele Touristen nutzen die Trasse, etwa auf ihrem Weg zum Laacher See, zum Lava-Dome, zur Vulkanbrauerei oder zum Vulkankeller.

Die meisten Autofahrer auf der Strecke sind sich kaum bewusst, dass sie über ausgebeutete Basaltlagerstätten fahren. Deren Abbau hat unterirdisch Spuren hinterlassen: große Hohlräume, darin künstliche und natürliche Stützpfeiler sowie Einstiegsstellen. Einziger Hinweis auf den empfindlichen Untergrund war bisher ein Tempo-30-Schild mit dem Hinweis „Bergschäden“.

Beim Bau der Straße nach dem Krieg nahmen die Planer auf die Stollen und die möglichen Gefahren kaum Rücksicht, erklärt Holbach. Bei der Totalsanierung, die gerade begonnen hat und in zehn Monaten beendet sein soll, sei das anders: Ein Kunststoffgewebe wird in den Untergrund der Straße eingebaut. Das Material ähnelt dem Stoff, aus dem große Transportsäcke für Baumaterial sind, soll die Straße halten, wenn doch einmal ein Stollen nachgibt. Das Gewebe – Geokunststoffgitter genannt – ist acht Meter breit und wird auf 200-Meter-Rollen angeliefert. Bricht an einer Stelle der Untergrund weg, stützt das Gewebe, weil es auf breiter Basis verlegt ist. Der Verbundstoff wird in Basaltlava eingebettet – sie hält den Kunststoff am Platz und hilft, die Lasten der darüberliegenden Straße zu verteilen.

Das Plus an Sicherheit hat seinen Preis, erklärt Holbach. Mit den Gewebebahnen verteuert sich die Straße um etwa ein Drittel: 1,1 Millionen Euro kostet die Sanierung der etwa mehr als einen Kilometer langen Straße – die zusätzlichen Sicherungen schlagen darin mit rund 300.000 Euro zu Buche. Normalerweise muss der Betreiber einer Grube für das Beseitigen und Sichern der Bergschäden zahlen. Doch im Mendiger Fall ist der Basaltabbau zu lange her, als dass sich ein Verantwortlicher finden ließe, erklärt Holbach.

Nicht nur die Straße an sich muss anders geplant werden – auch für die bis zu acht Arbeiter ist einiges anders. Zwar gibt es Karten, die über den löchrigen Untergrund Auskunft geben. Eine Ungewissheit bleibt aber: „Man weiß nicht, ob irgendwo eine Einstiegsluke ist“, erklärt Holbach. Wenn ein Stollen einstürzt, könnte es an der Straßenoberfläche ein Loch zwischen sechs und acht Metern Durchmesser reißen, hat die Straßenmeisterei berechnet. Das würde ausreichen, um einen bis zu zwölf Tonnen schweren Bagger verschwinden zu lassen – von Personenschäden ganz zu schweigen.

Damit es nicht so weit kommt, gilt auf dem Bau die Anweisung, Erschütterungen soweit wie möglich zu vermeiden. Die große Walze verdichtet den Untergrund nur statisch, also ohne die sonst üblichen rüttelnden Erschütterungen. Die Bauarbeiter müssen immer ein Auge drauf haben, ob sich der Untergrund senkt oder sich womöglich Verwerfungen bilden. „Wir gehen hier sehr sensibel vor“, verdeutlicht Holbach. Ein speziell geschulter Techniker sei immer auf der Baustelle. Und auch das Landesamt für Geologie überwache den Untergrund – etwa mit Messstellen in den alten Stollen. Sobald sich dort etwas bewegt, würde die Baustelle geräumt.

Die Sanierung der Straße ist in vier Bauabschnitte aufgeteilt. Mit diesem schrittweisen Ausbau wollen die Planer so wenig Straße wie möglich sperren. Ziel ist es, dass die Bürger möglichst wenig Umleitungen fahren müssen. „Wir bauen hier nicht gegen, sondern mit der Bevölkerung“, erläutert Holbach das Konzept. Außerdem sollen die Firmen, die an der L113 angesiedelt sind, nur kurz vom Straßennetz abgekoppelt bleiben, damit sie möglichst wenig Umsatzrückgang erleiden müssen. Holbach: „Wir haben die Abschnitte mit den Unternehmen abgestimmt.“ Der Ausbau Schritt für Schritt klappe hervorragend, und der Chef der Straßenmeisterei hat auch ein Lob für die an der L113 ansässigen Firmen parat: „Die haben sehr positiv reagiert. Da kann ich nur sagen: ,Kompliment!’“

Auch wenn die Bauarbeiter, Techniker und Planer mit den Altlasten des Basaltabbaus zu kämpfen haben, sind sie auf der Mendiger Baustelle auch Bergleute – wenn auch im bescheidenen Umfang: „Der Boden hier ist sehr wertvoll“, führt Holbach aus. Der für das Verlegen des Kunststoffgitters ausgeschachtete Grund enthält Basalt. Lkw transportieren den Abraum zu einer Anlage, die den Basalt bricht. Als Basaltschotter kommt er dann wieder auf die Baustelle zurück. „Das ist eine Art Recyclingverfahren“, sagt Holbach. Während der Untergrund wieder verwendet werden kann, muss die Teerdecke auf den Sondermüll.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de