Bundespräsident Horst Köhler besucht das Musterland Afrikas

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Visite in Botswana: Der Gast aus Deutschland bekommt nicht alles zu sehen

Nach Mosambik und Madagaskar ist Bundespräsident Köhler nun auf Staatsbesuch in Botswana. Das südafrikanische Land gilt in Sachen Entwicklung und Demokratie als Musterland. Stolz wird Botswanas Präsident Festus Mogae dem Gast die moderne Hauptstadt, die ertragreichen Diamantenminen und die einzigartigen Naturschönheiten zeigen. Dagegen bekommt er die Armut in einem der reichsten Länder Afrikas kaum zu sehen.

In dem seit 1966 vom Kolonialherren Großbritannien unabhängigen Botswana, von der Fläche etwa so groß wie Frankreich, leben gerade einmal 1,7 Millionen Menschen. Den größten Teil des Landes macht eine Dornbuschsteppe aus – die Kalahari-Wüste. In ihr schlummert der größte Schatz des Landes: Diamanten.

Mittlerweile ist Botswana wertmäßig der größte Diamantenproduzent der Welt. Der staatlich kontrollierte Verkauf bringt der Staatskasse Devisen. Köhler wird morgen Vormittag ein seltenes Privileg zuteil. Er darf in Orapa einen Blick in die streng bewachte Diamantenmine werfen.

Botswana leiht dem IWF Geld

Den Diamantenreichtum nutzt die botswanische Regierung geschickt. Den größten Teil der Einnahmen legt sie beiseite. Der Staat besitzt gigantische Devisenreserven von 6,1 Milliarden Dollar. Winzig dagegen die Schulden im Ausland: Mit nur 600 Millionen Euro steht der Staat in der Kreide. Aus seiner Zeit als Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiß Köhler um die Finanzkraft Botswanas. Es leiht als einziger Staat Afrikas Geld an den IWF.

Denn im Gegensatz zu anderen rohstoffreichen Ländern haben die Diamanten Botswana nicht in lange Bürgerkriege, schmutzige Verteilungskämpfe und ruinöse Korruption gestürzt. Das Land ist eine friedliche Demokratie. Präsidenten werden frei gewählt und treten wieder ab. Das ist eine Ausnahme auf dem Kontinent der Diktatoren und Despoten.

In den Ranglisten der demokratischsten Staaten Afrikas nimmt Botswana Spitzenpositionen ein. Auch im Korruptionsindex von Transparency International belegt das Land mit Platz 32 den besten Rang in Afrika und schneidet besser ab als das EU-Mitglied Italien. Dieser Ruf plus die Sicherheit, nicht womöglich brutal enteignet zu werden, wie es im benachbarten Simbabwe passiert, lockt Investoren. Das amerikanische Fachmagazin „Foreign Policy“ hat Botswana bereits zum globalisiertesten Land Afrikas gekürt.

Trotz dieses Fortschritts ist der Binnenstaat keine Insel der Seligen. Zwar ist das Land als Ganzes betrachtet reich und wohlhabend, doch gibt es auch Massenarmut. Etwa jeder vierte Botswaner gilt nach internationalen Maßstäben als arm. Die Hälfte der Bevölkerung hat weniger als umgerechnet zwei Dollar pro Tag zum Leben.

Die pulsierende und moderne Hauptstadt Gaborone, ist nicht typisch für das Gastland: Reichtum ist in Botswana ungleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte aller Vermögenswerte. Die hohe Arbeitslosigkeit von bis zu 40 Prozent verschärft diese Situation.

Jene Arbeitslosigkeit ist der Schatten der funkelnden Diamanten aus der Kalahari. Die Minen bringen zwar Geld für den Staat, aber den meisten Botswanern keine Arbeit. So ist die , die Arbeitsplätze hätte schaffen können, hat es in Botswana nie gegeben. Wer keine bezahlte Anstellung hat, schlägt sich als Viehhirte, Straßenhändler oder Putzfrau durch – für kaum mehr als Kost und Logis. Viele von denen, die kaum das Nötigste haben, empfinden die Aussage der Regierung, sie lebten in einem der reichsten Länder Afrikas, als Hohn. Denn trotz des Reichtums gibt es kaum Sozialleistungen.

Diese Seite des Musterlandes wird Köhler kaum zu sehen bekommen: Nach dem Besuch der Mine und dem Mittagessen mit den Minenchefs fliegt der Gast morgen nach Kasane zu einer Safari in den Chobe-Nationalpark. Von dem dort gebotenen Luxus können die meisten Botswaner nur träumen.

Nur einen Teil der Wahrheit

Kürzlich hat Köhler in einem Interview berichtet: Bei seinen ersten Besuchen in Afrika habe er sich mit „Bauern, Wirtschaftsleuten, Frauen“ getroffen und viel über die Probleme im Land erfahren. Das gibt es bei seinem Besuch in Botswana nicht. Auf Safari, in der Mine und am Tisch mit den Politikern aus der Hauptstadt – Köhler bekommt nur einen Teil der Wahrheit zu sehen.

Wenigstens das größte Problem steht auf dem Reiseprogramm – die Immunschwäche Aids. Heute sieht das Protokoll maximal 85 Minuten für ein Gespräch im größten staatlichen Krankenhaus des Landes mit Gesundheitsexperten vor. Sie werden berichten, dass Botswana mit 37,3 Prozent die höchste Aids-Rate der Welt hat. Die Auswirkungen – zehntausende Aids-Waisen, unendliches Leid und aussterbende Dörfer – bekommt Köhler, der per Flugzeug durchs Land reist, nicht zu Gesicht.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de