Ein geglücktes Zitat der Moderne

Vorzeige-Beispiel aus dem neuen Architekturführer: Auf engstem Raum entstand ein Wohnhaus von Architekt Armin Schmitz

Seit drei Jahren ist Bad Neuen-ahr-Ahrweiler um ein besonderes, maßgeschneidertes Gebäude reicher: Ein Wohnhaus zwischen Weinbergen und historischer Stadtmauer knüpft an die Anforderungen der Internationalen Moderne und des Neuen Bauens an, ohne sie plump zu imitieren. Dafür wurde es in den neuen „Architekturführer Rheinland-Pfalz“ aufgenommen.

Entwicklung der Form aus der Funktion heraus, die Reaktion des Gebäudes auf Umfeld und Neigung des Baugrundes sowie eine Ausrichtung des Baukörpers nach der Sonne: Diese Anforderungen der Internationalen Moderne und des Neuen Bauens erfüllt das 2003 in Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtete Wohnhaus mustergültig.

Ins Auge fällt die markante Bauweise des Wohnwürfels, der bereits in optischer Hinsicht eine Nähe zu dem Baustil der 20er- und frühen 30er-Jahre herstellt. Asymmetrisch eingesetzte Fenster sind die gliedernden Elemente der strahlend weißen, scharfkantigen Fassade. Sie verzichtet auf überflüssige Dekoration und ist sich als die drei Dimensionen prägende Fläche Schmuckwerk genug. Die auf das Obergeschoss aufgesetzte Attika verleiht dem Baukörper Leichtigkeit.

Es war keine leichte Aufgabe, die Bauherr Klaus Hehner dem Architekten Armin Schmitz stellte: ein Wohnhaus für bis zu vier Personen auf einem Grundstück von lediglich 170 Quadratmetern Fläche zu planen. Üblich sind zwei- bis dreimal so große Bauplätze. Dazu wies das Areal zwischen Weinbergen und historischer Stadtmauer ein krasses Gefälle auf. Der Architekt, der – die Weißenhofsiedlung lässt grüßen – in Stuttgart studiert hat, nahm diese äußeren Gegebenheiten auf und ließ sie in die Planung des Wohnhauses einfließen. Mit dem so genannten Split-Level-Verfahren sparte er Grundfläche ein: Die Treppen im Haus sind gleichzeitig auch die Flure, auf den „Zwischengeschossen“ der Treppenpodeste siedelte er Badezimmer und Nebenräume an. So entstand ein kleines Raumwunder: Auf 65 Quadratmeter Gebäudegrundfläche, vier Etagen – oder sieben Ebenen – schuf er 143 Quadratmeter Wohnfläche. Sie reichen aus für zwei Erwachsene und zwei Kinder.

Nach Norden, zur Straße hin, hat das Haus so gut wie keine Öffnungen; zur sonnigen Südseite hingegen tut sich die Fassade mit großzügigen, geschosshohen Fenstern, einem Balkon und einem Steingarten, der über die unterste Ebene erschlossen wurde, regelrecht auf. Auf dieser Seite liegen auch die Wohnräume. Diese Hinwendung zur Sonne macht, verbunden mit Solaranlage und Wärmerückgewinnung der Lüftung, das Gebäude zum Niedrigenergiehaus.

Für den – in Stadt und Region verwurzelten – Bauherrn war es wichtig, kein Ausstellungsstück bauen zu lassen: „Ich halte es für wichtig, dass die ganze Konstruktion benutzbar, bewohnbar und strapazierfähig ist.“ Er sieht, ebenso wie der Architekt, das Haus als Reaktion auf die Funktionserfordernis als Wohnraum und die beschränkenden Gegebenheiten des Grundstücks. In dieser Hinsicht griff der Architekt die Anforderung des Neuen Bauens – aus der Funktion erwächst die Form – auf und zitierte damit ihre Formensprache, ohne sie bloß nachzuahmen.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de