Seit 20 Jahren auf heißen Spuren

Zum internationalen Tag des Fremdenführers stellt die RZ Heinz Lempertz vor: Er zeigte 20 000 Touristen die Vulkane der Eifel

Die Historie von Burg Eltz, der Schiefer von Mayen und die Vulkane der Eifel: Fremdenführer bringen wildfremden Touristen das Sehenswerte und Einmalige unserer Region nahe. Zum heutigen internationalen Tag des Fremdenführers stellt die RZ einen von ihnen vor. Vulkanführer Heinz Lempertz sagt über seine Tätigkeit: „Das ist ein Geschenk.“

Das Büro von Heinz Lempertz, seit 20 Jahren ehrenamtlicher Fremdenführer für die Eifelvulkane, ist keine Amtsstube. Die Gäste, denen der 65-jährige Geschäftsführer der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG) dort einen Platz anbietet, blicken auf zahlreiche Zeugnisse von Tatendrang und Eifer: An den Wänden Fotos, Zeitungsausschnitte und ein Plakat des Kindermusicals „Laachi“. Gelbe Ordner der DVG stehen im Regal. In einer Ecke lagern weiße, gelbe und rote Helme sowie einige Grubenlampen.

1000 Besucher pro Jahr

Helme und Lampen drückt der sympathische ältere Herr Jahr für Jahr rund 1000 Besuchern in die Hand. Mit ihnen bricht er gruppenweise zu den Attraktionen der Erdgeschichte auf: Der Abstieg in den stillgelegten Stollen des vor 200 000 Jahren erkalteten Lavaflusses des Wingertberg-Vulkans. Eine Wanderung zu den sprudelnden vulkanischen Gasen des Laacher Sees. Eine Expedition in die Mendiger Lavakeller, 30 Meter unter der Erde und in fast 200 000 Jahre altes Gestein gemeißelt. „Pro Stufe wird man 1300 Jahre älter“, verdeutlicht Lempertz, als es 150 Stufen in den Keller geht.

Solche anschaulichen Erklärungen schätzen die Teilnehmer der Führungen und Exkursionen. Viele Besucher machen sich aus großen Städten wie Köln, Bonn, Aachen und Düsseldorf auf Entdeckungsreise in die Eifel. „Aus dem Süden kommen kaum welche“, berichtet Lempertz, der Führungen auch auf Englisch anbietet. Damit hat er schon ungezählten Gästen aus Europa und Übersee die Vulkane der Osteifel erklärt, ebenso wie chinesischen und russischen Wissenschaftlern. Sogar der philippinische Umweltminister hat sich von ihm führen lassen, „weil es dort auch Vulkane gibt“.

Mit interessierten und Fragen stellenden Fremden in seiner Heimat unterwegs zu sein, macht für Lempertz die Faszination seines Ehrenamts aus: „Das ist ein Geschenk.“ Bei jeder Führung gebe es interessante, locker aufgelegte Menschen zu erleben. Er blicke in strahlende Gesichter. Von den Teilnehmern erntet er oft Lob. „Wer hat in seinem Leben schon jeden Tag Applaus und Dankesbriefe?“, fragt er. „So etwas ist Salbe für meine Seele.“

Durch Fragen lernen

Lempertz, gebürtiger Mendiger, der einst die Klosterschule in Rheinbach besuchte, um Pallottiner-Pater zu werden, und dann doch Bundesbahninspektor wurde, kennt auch die hohen Erwartungen mancher Gäste: „Manchmal habe ich Angst, diese Erwartungen nicht erfüllen zu können.“ Für Ende März haben sich Vulkan-Wissenschaftler der Universität Bonn angekündigt – die Fachleute zu führen sei für ihn eine besondere Herausforderung. Kritische Fragen sieht Lempertz positiv: „Wir lernen durch die Fragen der Gäste.“

Sein Lieblingsvulkan ist der Wingertsberg, den er als seinen Hausberg bezeichnet. „Die Wingertsbergwand ist wie ein Fenster zur Erde“, erklärt der Fremdenführer – und gerät ins Schwärmen: An keinem anderen Ort lasse sich die größte Vulkankatastrophe Mitteleuropas vor 13 000 Jahren so gut verstehen wie dort. Die 30 Meter hohen Bimswände, die auf Betreiben von DVG-Mitgliedern 1992 unter Grabungsschutz gestellt wurden, sind in Heinz Lempertz“ Augen einmalig. „Der Berg gibt viel aus seinem Inneren preis. Damit ermöglicht er uns das Erzählen seiner Vita.“

Seit 1985 hat Lempertz rund 20 000 Touristen die Vulkane erklärt. Damals kam der Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke auf die Idee, ein deutsches Vulkanmuseum ins Leben zu rufen. Kurz darauf bot Lempertz mit einigen Freunden Vulkan-Führungen an. Bereits seit Mitte der 70er-Jahre hat er Exkursionen zur langen Geschichte des Bieres in Mendig angeboten. „Dabei habe ich gemerkt, wie schön es ist, mit Menschen unterwegs zu sein, die das gleiche Interesse haben.“

Auch die nächsten Jahre will Heinz Lempertz, Fremdenführer mit Leib und Seele, Besuchern seine geliebten Vulkane näher bringen. Für Zulauf ist gesorgt: Noch in diesem Jahr werden Zehntausende zu den Vulkanen der Osteifel rund um Mendig strömen.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


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