Globalisierung am Beispiel Botswanas

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Diesen Vortrag habe ich im November 2005 auf der Synode des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach in Dichtelbach gehalten. Die Synode befasste sich mit dem Thema Globalisierung. Der Vortrag verband das Thema Globalisierung mit Aspekten der Partnerschaftsarbeit mit Botswana. An den Vortag schloss sich ein Workshop an.

Im Referat von Achim Dürkoop haben wir gehört: Es gibt viele Möglichkeiten, Globalisierung zu verstehen. Was also tun? Was soll ich Ihnen, liebe Synodale, von Globalisierung und Botswana berichten?

Berichten: Ich habe mir als Journalist überlegt: Es gibt mindestens zwei verschiedene Geschichten, über die ich in Sachen Botswana und Globalisierung schreiben könnte. Beide sind traurig und hoffungsfroh, aber sie unterscheiden sich danach, wie Globalisierung verstanden wird.

Ich stelle Ihnen einfach meine Ideen für den ersten Bericht vor.

Verwandlung von Raum und Zeit

„Verwandlung von Raum und Zeit“: Das ist eine fast poetische Erklärung für das Phänomen Globalisierung „Raum“ und „Zeit“ – davon gibt es in Botswana mehr als genuGlobalisierung Vielleicht sind dies die beiden unerschöpflichsten Ressourcen des Landes. Mindestens zwei Tage dauert es, wenn man die Kalahari-Wüste von West nach Ost durchqueren möchte. Die Pioniere unserer Partnerschaft kennen noch die Zeiten, als es die geteerte Trans-Kalahri-Straße 500 Kilometer quer durch unseren Partnerkirchenkreis noch nicht gab und sie sich im Allradfahrzeug über Sandpisten quälen mussten. Der Raum war und ist in Botswana ein Abenteuer.

Und jeder, der schon mal in Botswana war, hat den anderen Umgang mit Zeit erlebt – oder erleben müssen. „There is no hurry in Botswana“ – in Botswana gibt es keine Eile, keine Hektik. Es gilt für Besucher und Durchreisende als ausgesprochen unhöflich, keine Zeit mitzubringen. Zeit für einen Rundgang durchs Dorf oder einen Schwatz – „Maie“ würden die Hunsrücker das nennen. Auch die Zeit war und ist in Botswana ein Abenteuer.

„Verwandlung von Raum und Zeit“: Wenn ich auf diese Erklärung von Globalisierung zurückgreife, muss ich feststellen: Globalisierung In Botswana beginnt viel früher und ist kein Phänomen der vergangenen 10 oder 15 Jahre:

  • 1841: Davin Livingstone eröffnet Missionstation und Schule
  • 1853 – 1857: Krieg zwischen aus Europa eingewanderten Buren und einem Tswana-Stamm
  • 1867: Der deutsche Entdecker Karl Mauch findet Gold am Tati-Fluss
    1885: Briten verkünden das Protektorat Bechuanaland
  • 1897: Eisenbahnlinie zwischen Mafikeng und Bulawayo
  • 1915 – 1918: 555 Batswana kämpfen im Ersten Weltkrieg in Frankkreich
  • 1941 – 1944: 10.027 Batswana kämpfen an der Seite der britischen Armee
    im Mittelmeerraum

Wie stark die von den Weißen betriebene Missionierung und Christianisierung in Raum und Zeit und der Lebenswirklichkeit der Batswana wirkten, macht ein Beispiel deutlich. In Unity Dows Buch „Die Beichte“ („Cry of the Innocent“) geht es um Amantle. Das Mädchen kommt in die Schule und hat von der Schulleiterin einen neuen, christlichen, zivilisierten Vornamen bekommen: Irene oder Eileen oder..? Ihr Spielkamerad Moshi heißt plötzlich „Moses“ und erklärt ihr: „Wir brauchen doch alle einen Schulnamen, einen englischen Namen. Der ist für die Taufe, wenn wir zehn Jahre alt sind. Du brauchst einen englischen Namen für das große Buch in der holländischen Reformationskirche.“

Die Kirchen waren in Botswana als Global Player aktiv – lange Zeit, bevor es tansnationale Wirtschaftsunternehmen gab und internationale Organisationen und all das, was uns heute beim Stichwort Globalisierung in den Sinn kommt: Die Kirchen sind seit 1857 in Botswana aktiv; die Lutheraner eine kurze Zeit später; unsere Partnerkirche ist damit die zweitälteste christliche Kirche in Botswana. Damals hatte sich Chief Sechele von Hermannsburger Missionaren bekehren lassen.

Seit 1983 ist auch unser Kirchenkreis in diesem Sinne ein Global Player: Als in diesem Jahr die Partnerschaft zum südwestlichen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche Botswana (ELCB) eingegangen wird, hofft man auf einen guten, gemeinsamen Weg, den Deutsche und Batswana zusammen gehen. Wegmarken dabei waren:

  • Die Kontakte der Frauenhilfen, die sogenannten Containeraktionen,
  • häufige gegenseitige Besuche, aus denen auch private Freundschaften entstanden,
  • gemeinsame Feiern,
  • die Jugendbegegnungen hier und in Botswana,
  • und Haushaltslöcher hier und dort.

Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns nicht nur anmaßen, Raum und Zeit in Botswana zu verändern. Partnerschaft heißt doch, dass in beide Richtungen etwas geschehen muss. Wir sollten uns fragen: Was können wir eigentlich von den Menschen in unserem Partnerkirchenkreis lernen? Wenn ich mal wieder Leute, die mit mir reden wollen, aus Termingründen abwimmeln muss und über Tage keine Zeit für Menschen und das Menschsein bleibt, blicke ich – vielleicht etwas verklärend – auf Botswana, dem Land der Zeitfülle und wünsche mir eine Verwandlung von Raum und Zeit.

An dieser Stelle möchte ich einen ersten Punkt setzten – der erste Bericht ist geschrieben. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, was sich zu Globalisierung und Botswana sagen lässt, wenn wir Globalisierung enger interpretieren.

Wirtschaft und Aids

Der Brockhaus im Internet definiert Globalisierung so: „Bezeichnung für die Entstehung weltweiter Märkte, das heißt die zunehmende Internationalisierung des Handels, der Finanz-, Waren- und Dienstleistungsmärkte sowie die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften.“ Das Schlagwort der Globalisierung lautet deshalb „Global Village“ – die ganze Welt ist ein Dorf.

Lassen Sie uns zu Botswana zurückkommen. Hier ist sie also, einer der wenigen wirtschaftlichen und politischen Erfolgsgeschichten Afrikas.

Mit einer soliden Wirtschaftspolitik, mit transparenten Rahmenbedingungen für Investoren und mit Exportorientierung hat Botswana große Wachstumserfolge erzielt. Die Sozialindikatoren (Lebenserwartung, Schulbesuch, Zugang zu sauberem Trinkwasser etc.) des Landes haben sich stark verbessert. Das Bruttoinlandsprodukt Botswanas (BIP) pro Kopf der Bevölkerung ist in den drei Dekaden von 1970 bis 1997 sogar noch schneller gewachsen ist als das der ostasiatischen Schwellenländer, den sogenannten Tigerstaaten.

Dabei sah das alles einmal ganz anders aus. Während den Jahrzehnten als britische Kolonie vernachlässigt, räumten alle Fachleute zur Unabhängigkeit Botswanas 1966 dem jungen Staat kaum Chancen ein. Als die Briten gingen, hinterließen sie in dem Land so groß wie Frankreich ein Netz von gerade einmal zwölf Kilometern geteerten Straßen. Es gab keine Industrie, von der Rinderwirtschaft einmal abgesehen. Zu wenige Schulen, schlecht ausgebildete Lehrer, keine Universität – Botswana war vor weniger als 40 Jahren eines der Armenhäuser Afrikas. „Botswana wird noch lange Jahre von ausländischer Hilfe abhängig sein“, urteilten die Fachleute damals einmütig.

Doch sie irrten sich – sie irrten sich um Milliarden. Heute verleiht die Botswana Regierung als einziges Land Afrikas überschüssiges Geld an die Weltbank. Wegen seiner wirtschaftlichen Freiheiten, seinem stabilen, funktionierenden politischen System und seiner steigenden Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen gilt Botswana heute als globalisiertestes Land Afrikas.

Wie kam es zu dieser herausragenden Entwicklung? Es gibt mehrere Gründe: Eine tragende Rolle spielten die Eliten des Landes: Politiker, Stammeschiefs, Beamte. Sie waren sich einig: Wir wollen eine offene, tolerante Demokratie mit sicheren Grundrechten – und kein rassistisches totalitäres System wie im Apartheids-Südafrika. Wir wollen eine souveräne und stolze Nation sein – und kein administratives Anhängsel Südafrikas wie Südwestafrika, das heutige Namibia. Wir wollen Frieden und innere Sicherheit – und keinen Bürgerkrieg wie in Angola. Wir wollen Toleranz – und kein Minderheitenregime wie in Rhodesien.

Dieses Denken floss in die Verfassung Botswanas ein. Sie sicherte allen Bürgern Grundrechte zu. Damit wurde das Land als Wirtschaftsstandort interessant. Ein Unternehmen investiert nur, wenn es sicher sein kann, dass der Staat, aufgebrachte Bürger oder putschende Umstürzler ihm das Hab und Gut und seine Fabrik nicht wegnehmen. Botswana wurde das unkorrupteste Land Afrikas – ein großartiger Standortvorteil auf dem Kontinent der Diktatoren mit den Schweizer Konten. Botswana gestaltete die Zollunion neu und verhandelte geschickt mit Hilfsorganisationen und Entwicklungshilfeagenturen. Es gab und gibt Nationale Entwicklungspläne, die Entwicklung und Investitionen aus einem Guss sicher stellen. Solche Investitionen waren der Neubau guter, regenfester Straßen, der Aufbau von Post- und Telefonnetz, die Versorgung weiter Landesteile mit sauberem Wasser und Strom. Und: Der Staat investierte in seine Bürger, indem er Schulen und eine Universität baute, Lehrer ausbildete und sich auch um die Erwachsenenbildung kümmerte. Noch nie konnten so viele Botswaner lesen und schreiben wie heute.

Wenn Sie sich schon einmal mit Botswana befasst haben, fragen Sie sich jetzt bestimmt: Wo bleiben die Diamanten, die für Botswanas Entwicklung doch so wichtig waren? Wann ist die Rede von den gigantischen Einnahmen aus dem Diamantenverkauf, die all das, was in Botswana passierte, erst möglich machten? Es tut mir leid: Ich muss Sie enttäuschen. Mein bisheriges Schweigen zu Botswanas Diamantenreichtum hat einen einfachen Grund: Ich will Ihnen glaubhaft vorführen, dass wegen all dem, was ich Ihnen bislang über Staat und Wirtschaft berichtet habe, es Botswana auch ohne den Diamantenreichtum geschafft hätte, eine wirtschaftlich starke und politisch stabile Nation zu werden – dann eben im Normalgang. Die Diamanten waren der Turbo für die Wirtschaft.

Die Wirtschaft Botswanas lebt und profitiert seit Ende der 1960er-Jahre von besonderen Edelsteinen. „Diamonds are a girl’s best friend“, heißt es – die Diamanten sind nicht nur die liebsten Freunde von betuchten Damen. Sie sind auch gute Weggefährten des Staates geworden. Botswana ist heute – gemessen in Karat – weltgrößter Diamantenproduzent. Und damit ist das Land in einen hochgradig arbeitsteiligen Herstellungsprozess eingebunden. Die Steine lagern in Botswana Erde. Ein botswanisch-südafrikanischer Konzern, der je zur Hälfte dem Botswana Staat und der südafrikanischen De-Beers-Gruppe gehört, fördert die Steine. Sie werden in Botswana und Südafrika sortiert. In London in alle Welt versteigert. Mit US-Dollar bezahlt. In Antwerpen und Tel Aviv bearbeitet und an die Endkunden in Westeuropa, Nordamerika und Japan verkauft. In diesem Geflecht zeigt sich die Internationalisierung des Handels, der Finanz-, Waren- und Dienstleistungsmärkte sowie die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften in seiner Reinform.

Gewinne machen dabei alle Beteiligten – auch Botswana, das zur Hälfte an dem Förderkonzern beteiligt ist. Die Einnahmen investiert, wie bereits ausgeführt, der Staat geschickt in seine Bürger. „Ich glaube, dass die Globalisierung so gestaltet werden kann, dass sie ihr positives Potential freisetzt“, schreibt der Ökonom Joseph E. Stiglitz. Vielleicht zeigt das Diamantenbeispiel, wie hoch das positive Potenzial der Globalisierung sein kann.

Das wäre eigentlich ein schöner Schluss. Aber ich muss das schöne Ende leider ein wenig schwarz malen. Denn auch Botswanas Wirtschaft ist keine heile Welt. Und nicht alle Botswanaer sind Globalisierungsgewinner.

Botswanas Wirtschaft ist nach wie vor zweigeteilt. Es gibt einen modernen, globalisierten, an den Weltmarkt angeschlossenen Sektor, der wenigen gut bezahlte Arbeitsplätze bietet einerseits und einen traditionellen, auf Subsistenzniveau liegenden, traditionellen Sektor, der, wenn überhaupt, schlecht bezahlte Beschäftigung generiert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, erschreckend hoch: Von rund 24 Prozent spricht die amtliche Statistik, Schätzungen von Weltbank oder Nichtregierungsorganisationen nennen eine Quote von bis zu 40 Prozent. Besonders betroffen von der Misere sind Jugendliche und junge Erwachsene. Deren hohe Arbeitslosigkeit ist ein großes Problem der Gesellschaft, gegen das auch die vielen Diamantendollar nichts ausrichten können.

Der große Reichtum der Volkswirtschaft Botswana, als Ganzes betrachtet, darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf der individuellen Ebene für viele Armut bestimmend ist: Fast ein Viertel der Botswanaer leben von weniger als einem Dollar pro Tag und gelten damit nach internationalen Kriterien als absolut arm. Und rund die Hälfte lebt von weniger als zwei Dollar pro Tag. Wenn man sich die Verteilung von Wohlstand und Vermögen anschaut, zeigt sich, dass Botswana genauso „ungerecht“ ist wie zum Beispiel Brasilien. Zwar gibt es Anzeichen dafür, dass sich Armut und Ungleichheit langsam mildern. Aber das dauert seine Zeit. Auch in dieser Hinsicht gilt: „There is no hurry in Botswana.“ Der botswanische Staat ist kein Sozialstaat westlicher Prägung. Umverteilung und Sozialtransfers kennt er so gut wie nicht.

Auch HIV und Aids werfen Schatten auf unser Partnerland. Ich will Ihnen heute morgen keine Zahlen vor die Füße werfen, die den Anschein erwecken, dass irgendeine Behörde in der Lage ist, die Zahl der HIV-positiven Menschen bis auf die erste Nachkommastelle genau anzugeben. Ich will auch nicht darüber reden, ob Botswana gerade Nummer 1 oder Nummer 5 in der weltweiten Aids-Rangliste ist.

Ich will Ihnen aber sagen, dass dieses Land, in dem ein gutes Drittel der Erwachsenen HIV-positiv ist, einem enormen Leiden ausgesetzt ist. Aids gilt als Blocker der Wirtschaft, weil Konsumenten und gut ausgebildete, dringend benötigte Fachkräfte sterben. Und das Land leidet, weil seine Menschen leiden. Manchmal sind die Leichenhallen überbelegt. Auch kleinere Gemeinden überlegen mittlerweile, ein eine eigene kühlbare Leichenhalle für die Opfer der Immunschwäche zu errichten – Beerdingungen sind immer nur ein Mal in der Woche. Samstag für Samstag gibt es in ganz Botswana Beisetzungen von Menschen im besten Alter. Kinder haben keine Eltern mehr, weil sie von Aids dahin gerafft wurden. Dorfgemeinschaften wissen nicht, wie sie die Kranken und die hinterbliebenen Kinder versorgen können.

Ich berichte von Aids in meinem Vortrag über Globalisierung, weil ich dem Soziologen Reimer Gronemeyer Recht gebe, der sagt, Aids sei eine globalisierte Krankheit. Aids ist, so stellt es Gronemeyer dar, die Folge einer Moderne, die in Afrika Älteres zerstört und allerleit glitzernde Geschenke auf den Markt wirft. Er schreibt: „Die Moderne ist in afrikanische Lebenswelten eingeschlagen wie eine Bombe, und die Trümmerlandschaft, die sich nun bis zum Kontinent ausbreitet, ist der Nährboden für den Virus, die Epidemie.“ So scheine es plausibel, dass Aids die Folge einer Moderne ist, die wir den Menschen in Afrika immer als heilbringend verkauft haben. Mit dieser Moderne hätten sich erst ideale Ausbreitungsbedingungen geschafft. Der Virus braucht, schreibt Gronemeyer, Beschleunigung, Mobilität, zerbrochene Familienverhältnisse, braucht Institutionen, in denen neue Verkehrsverhältnisse gelten: Der Virus brauche Kasernen, Schulen, Universitäten, Gefängnisse, Einkaufszentren, bottle stores, Teerstraßen, Lkw-Fahrer, Arbeitsmigranten. Kurz: Er brauche entlokalisierte und enttraditionalisierte Verhältnisse.

Bleiben wir zum Abschluss bei der Tradition: Schauen wir uns eine traditionelle Branche in Botswana an, die in den nächsten Jahren wegen der Globalisierung zu kämpfen haben wird – die Rinderwirtschaft. Botswana hat mehr Rinder als Einwohner. Botswanas Rindfleisch, das in zwei Schlachtereien nach besten Standards für den Export produziert wird, ist ein Exportschlager. Der größte Teil des botswanischen Rindfleischs wird in die EU exportiert. Sogar in Norwegen können Sie in Botswana produziertes Rinderhack kaufen.

Direkt von der extensiven Haltung im Busch gelangen die Rinder in den Schlachthof, der mit dem Qualitätszeichen „Fleisch frei weidender Rinder“ wirbt. Das verschafft Botswana zum Beispiel in Großbritannien einen Marktvorteil. Doch dieser Marktvorteil könnte sich sehr bald in Luft auflösen. Die von der Welthandelsorganisation vorangetriebene Liberalisierung der Weltmärkte erfasst zunehmend auch das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und den von der EU mit Handelsprivilegien versehenen Staaten des afrikanischen, karibischen und pazifischen Raums, den AKP-Staaten. Die Privilegien wurden 2000, in Benins Hauptstadt Cotonou, befristet verlängert. Spätestens 2008 muss der Handel zwischen EU und AKP-Staaten den Bestimmungen der Welthandelsorganisationen über einen freien Welthandel entsprechen. In Botswanas Rindfleischindustrie, die vorwiegend nach Europa exportiert, grassiert die Angst vor der endgültigen Katastrophe.

So sieht es der Leiter des größten Schlachthofes in Lobatse, ein einem Interview mit dem Deutschlandfunk: „Wir haben eine Menge Sorgen. Wir wissen nicht, was nach 2007 auf uns zu kommt. Hat unsere Rindfleischindustrie überhaupt eine Zukunft? Wir in Botswana jedenfalls können all das Fleisch nicht essen. Wir müssen exportieren. Das jedocha tun die großen Produzentenländer dieser Welt – Brasilien, die USA, die EU – wesentlich preisgünstiger. Botswana als sehr kleiner Produzent muss sich wirklich Sorgen um die Zukunft machen.“

Mit diesem Zitat bin ich am Ende meines Vortrags. Ich danke Ihnen fürs Zuhören. Vielleicht sehen wir uns nach der Pause in der Botswana-Arbeitsgruppe wieder.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


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Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


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