Die Wahlmanager sitzen in Bad Ems

Auf Knopfdruck ermittelt der Landeswahlleiter das offizielle Endergebnis

Während bereits seit Wochen vor den Augen der Öffentlichkeit die Schlacht um Meinungen und Stimmen tobt, agieren andere Wahlkämpfer unbeachtet. Im Statistischen Landesamt in Bad Ems, in den Kreisen, Verbands- und Ortsgemeinden sind viele Vorbereitungen für den 18. September nötig.

Ausgezeichnet
Dieser Beitrag war Teil einer mehrteiligen Serie, die vor der Bundestagswahl 2005 erschienen ist. Die Idee für eine „Wahl-Serie“ stammte von uns Volos der Rhein-Zeitung. An der Konzeption für die Serie habe ich mitgeschrieben. Einige Wochen nach der Wahl gab es dafür eine besondere Auszeichnung: Wir wurden mit dem Wahl-Award 2005 der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet.

Die vorgezogene Bundestagswahl hat nicht nur die Parteien in Aufruhr versetzt. Auch diejenigen, die dafür sorgen, dass die Wahl überhaupt stattfinden kann, machen Überstunden. Landeswahlleiter Jörg Berres im Statistischen Landesamt Bad Ems ist einer von ihnen. „Wir schaffen die technischen Voraussetzungen für die Wahl“, sagt er.

Zunächst wurden die Kandidaten, die auf den Wahlzetteln erscheinen wollen, unter Hochdruck geprüft. „Sie mussten ihre Unterlagen möglichst schnell beibringen“, erklärt Berres. Die Fristen für das Einreichen der Wahlvorschläge haben sich beispielsweise um rund die Hälfte verkürzt. Besonders ranhalten mussten sich neue Parteien, die bislang nicht im Bundestag saßen: Sie hatten die Aufgabe, in der verkürzten Frist mindestens 2000 so genannte Unterstützerunterschriften vorzulegen. Damit weisen sie nach, dass sie es als Partei ernst meinen. Für das Team des Landeswahlleiters blieb allerdings wenig Zeit, die eingereichten Unterlagen auf Mängel zu testen. Denn die Wahlzettel mussten schnell in Druck gehen, damit die Briefwähler rechtzeitig ihre Unterlagen erhalten.

Auch die Programmierer in Bad Ems kamen wegen der vorgezogenen Wahl ins Schwitzen: Sie entwickelten ein Computerprogramm, mit dem die Wahlergebnisse aus ganz Rheinland-Pfalz ins Büro des Landeswahlleiters übermittelt werden. Der kann auf Knopfdruck Gewinner und Verlierer feststellen. Das neue Programm kam erstmals bei der Europa- und Kommunalwahl 2004 zum Einsatz, musste für die Bundestagswahl umgeschrieben werden – und plötzlich ein Jahr früher vorliegen als geplant. Zurzeit laufen die letzten Tests.

Getestet wird auch das Computer-Netzwerk, über das die Wahlkreise ihre Zählergebnisse am Wahlabend nach Bad Ems übermitteln. Dieses Netz hat einiges zu bewältigen: Eine Unmenge an Daten aus den rund 5100 Wahllokalen muss möglichst schnell von den Statistikern ausgewertet werden – schließlich wartet ein ganzes Bundesland auf die Resultate. Für den Fall, dass es am Wahl-abend hakt, hat Berres vorgesorgt: Im Notfall müssen die Ergebnisse eben per Telefon und Fax durchgegeben werden wie es noch in den 80er-Jahren üblich war.

Foto
Wählerin in einer Wahlkabine. selbst fotografiert / Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de selbst fotografiert / Alexander Hauk / www.bayernnachrichten.de 2. März 2008 (Lizenz Bild-by)

Trotz der wochenlangen Vorbereitungen, der Vorschriften, Gesetze und komplizierten Einzelfälle ist Landeswahlleiter Berres ein Fan der Wahl geblieben: „Wir hätten keine Demokratie, wenn es keine Wahlen gäbe.“ Für ihn ist es deshalb eine staatsbürgerliche Pflicht, am 18. September wählen zu gehen. Schließlich gilt es, das hohe Gut der Demokratie zu wahren. Und er ruft möglichen Wahlmuffeln in Erinnerung: „Viele Menschen müssen weltweit ihr Blut dafür geben, dass es überhaupt Wahlen gibt.“


Artikel-Tools:

Shortlink:

Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).


Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de