Domenica Niehoff wird Pensionswirtin in Boos

Der einstige Star des Hamburger Rotlichtmilieus renoviert das vom Bruder geerbte Haus – Sie will ein neues Leben beginnen

Text
Autorin des Textes ist Sabine Cibura, die ihn mir freundlicherweise zur Verfügung stellt. Vielen Dank!

Domenica Niehoff sitzt am Kaffeetisch und erzählt. „An die Natur muss ich mich erst mal gewöhnen. Das ist ganz anders als in Hamburg“, berichtet die 59-Jährige, die den meisten wohl als Deutschlands bekannteste Prostituierte ein Begriff ist.

Doch das ist Vergangenheit: Vor 14 Jahren stieg sie aus dem Gewerbe aus. Jahrelang engagierte sie sich für drogensüchtige junge Frauen, half ihnen, aus dem Milieu auszusteigen. Domenica Niehoff, die ehemalige „Königin von St. Pauli“, wurde zur Sprecherin der sozial Benachteiligten. Jetzt lässt sie ihren Blick über den Garten in Boos schweifen.

Sehnsucht nach der Großstadt hat sie nicht. „In meinem Leben war so viel los, dass ich einfach nur die Ruhe genießen will.“ Dafür scheint ihre neue Wahlheimat mitten in der Vordereifel wie geschaffen. Hier will Domenica Niehoff ein „ganz anderes Leben beginnen“, wie sie sagt. In der jüngsten Vergangenheit hat sie selbst gesundheitlich einiges durchgemacht. „Die Luft hier tut mir sehr gut, ich erhole mich richtig.“ Von ihrem Bruder hat sie das Haus in Boos geerbt, das sie jetzt zu einer Pension umbaut. Drei große Zimmer sollen den Gästen zur Verfügung stehen, der Garten wird auch noch hergerichtet. „Dann kann man hier schön im Grünen sitzen“, sagt Niehoff, die auch nicht abgeneigt ist, selbst für die Gäste zu kochen, wie sie sagt.

Es ist noch viel zu tun, das Gebäude war in einem schlimmen Zustand, als sie vor vier Monaten mit der Renovierung anfing. Anfang August feiert Niehoff ihren 60. Geburtstag, bis dahin soll das Gröbste fertig sein. Die gebürtige Kölnerin war als Kind zusammen mit ihrer Mutter in der Eifel unterwegs. Berührungsängste mit den Boosern kennt sie nicht, winkt im Gespräch einem Bauern zu, der mit dem Traktor vorbeifährt. „Beim Edeka lernt man Leute kennen, auch in der Kirche war ich schon“, erzählt Niehoff, die selbst streng katholisch aufgewachsen ist. Neulich habe die Nachbarin Geburtstag gefeiert, im Garten und mit Schifferklavier. „Da habe ich hier mit einer Kerze gesessen und leise mitgesungen.“ Wo sie selbst ihren Geburtstag feiert, weiß sie noch nicht. „Im Moment pendele ich noch viel zwischen Hamburg und Boos.“

Mit ihrem alten Hobby, dem Malen, will sie anfangen – die Pinsel liegen schon bereit. „Es war wie ein Zeichen. Jahrelang habe ich danach gesucht, und plötzlich habe ich sie hier wiedergefunden“, sagt sie.

Nur eines fehlt Niehoff: die Hausnummer 60. „Die war weg, als ich hier ankam. Vielleicht schenkt mir ja jemand eine neue zum Geburtstag.“


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de