Burgleben birgt Stoff für Bücher

ADieter Ritzenhofen war 35 Jahre lang der „heimliche Herrscher“ im Elztal

Verwalter, Hausmeister, Chronist, Personalchef und Manager der Burg Eltz in der Eifel: Die Arbeit von Kastellan Dieter Ritzenhofen (65) hat viele Gesichter. Nach 35 Jahren Dienst auf der Burg geht er in Rente. Er verrät, warum er das Wort Ruhestand hasst und was er stattdessen vor hat.

Ein langes, erfülltes Arbeitsleben, der wohlverdiente Ruhestand und endlich Zeit, die Füße hochzulegen: So zuckersüß ließe sich die Geschichte von Dieter Ritzenhofen erzählen. Seit 35 Jahren ist er Kastellan auf der Burg Eltz und hat dort vieles auf den Weg gebracht. Jetzt ist er 65 Jahre alt und geht in Rente.

Doch es ist eine andere Geschichte vom Älterwerden und Altsein, von der Ritzenhofen berichtet. Natürlich stimmt es, dass mit dem Ende der Saison auch das Ende seiner Zeit auf der Burg kommt. Dann räumt er seine Wohnung im Kempenicher Haus, dem jüngeren Teil der Burg Eltz, und zieht mit seiner Frau ins nahe Münstermaifeld, wo sich die Familie ein altes Haus hergerichtet hat. Sein Sohn, ausgezeichneter Kunstschmied und Diplom-Päda-goge, rückt nach und ist bald neuer Verwalter.

Aber: Das Seniorendasein von der Stange ist nichts für den heimlichen Herrscher der Burg Eltz. „Ich mag diese alten abgeklärten Typen nicht, die meinen, alles zu wissen, bloß weil sie alt sind“, bekennt er. Stattdessen will er, der sich selbst einen geborenen Autodidakten nennt, offen bleiben und Neues lernen. So, wie er es immer in seinem Beruf gehalten hat.

„Kastellan wird man durch Zufall“, sagt Ritzenhofen – und erzählt von seinem Leben: Der gebürtige Düsseldorfer hat eine glückliche Kindheit, erlernt den Klempnerberuf, entwickelt später beim Waschmittelhersteller Henkel Verpackungsmaschinen.

Über Umwege erfährt er von der freien Stelle in der Eifel, besichtigt die damals touristisch kaum erschlossene Burg – und sagt zu. „Es war eine Bauchentscheidung“, offenbart er. Von den Seifenschachteln wechselte er zu gotischen Tafelbildern, von der Millionenstadt im Pott in die Gemächer der kleinen Burg im Elztal. Der Umzug mit Frau und seinem dreijährigen Sohn war eine Zäsur. Doch die Einsamkeit und Einzigartigkeit der Eifellandschaft überzeugten – auch die anfangs skeptische Ehefrau.

35 Jahre lang hauchte das Kastellan-Paar dem Organismus Burg Eltz Leben ein. Ein Souvenirladen, zwei Gaststätten, 50 Mitarbeiter, sieben Monate Saison. Bis zu 2000 Besucher an Spitzentagen. Plus die kaufmännische Verwaltung von 500 Hektar Wald und Forst. Darüber thront die wichtigste Aufgabe: die Burg zu erhalten. „Die Arbeit ist sehr vielschichtig, sie lässt mir Bewegung im Kopf“, beschreibt Ritzenhofen. Das Leben auf und mit dem Kastell lasse sich nicht vollständig planen, verlange Spontaneität und Kreativität. Der Alltag mit der Burg – für Ritzenhofen ein Schatz, den es jeden Tag zu heben gilt. Mehr als drei Jahrzehnte Arbeit auf der Burg haben sie nicht entzaubert – sondern ihm die Augen für das Mythische in jeder Ecke, jedem Raum geöffnet.

In ähnlicher Weise will der scheidende Burgverwalter auch nach seinem Rückzug aus dem Elztal leben. Ritzenhofen will seine Erfahrungen niederschreiben und als Buch veröffentlichen. Sachbuch oder Roman – über das Thema grübelt er noch. Doch wer ihn begeistert über die Jahre in der Eifel sprechen hört, weiß, dass es ein Buch über die Burg und ihren Kastellan sein muss. Es sind solche Träume, die er sich als Rentner wahr machen möchte – Träume, die zu Gunsten der Burg all die Jahre warten mussten.

Vielleicht sind diese Neugier und dieses Interesse das Geheimnis des Kastellans, seine Anleitung zum Glücklichsein, der Jungbrunnen aus der tiefen Eifel: Aufgeweckt und hell blicken Ritzenhofens Augen durch die rahmenlose Brille. Das Rentenalter ist ihm nicht anzusehen. Immer noch wird er von einer kindlichen Neugier getrieben. Ein Rückzug ins Gemütliche und die Hingabe an den Müßiggang kommen für ihn auch als Pensionär nicht in Frage: „Altersruhestand ist ein schlimmes Wort. Das klingt wie Friedhof.“


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de