Brummifahrer werden strengstens kontrolliert

Wenn Lkw alt aussehen – Unterwegs mit einer Kontrollstaffel der Mannheimer Verkehrspolizei

So hat er sich seinen Feierabend nicht vorgestellt: Bruno Freiner (Name geändert) hätte schon längst seine Lkw-Fracht Rohstahl vom Mannheimer Rheinau-Hafen zu Daimler-Chrysler auf den Waldhof transportiert. Doch die Polizeikontrolle an der Hafenausfahrt macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Eine ganze Ladung Mängel finden die Beamten bereits nach einer kurzer Inspektion an Ort und Stelle. Vor allem wegen schlecht gewarteter und stark abgefahrener Bremsen müssen Bruno Freiner und sein Kipper erst einmal eine Zwangspause einlegen. Die Auslieferung des Stahls und der ersehnte Feierabend verzögern sich um fünf Stunden.

Fälle wie der Freiners sind in Mannheim nicht die Regel, aber immer wieder stößt die Verkehrspolizei auf Lkw, die den Namen Schrottkiste verdienen. Über 160 verkehrsunsichere Brummis haben Beamte in diesem Jahr aufgespürt, erklärt Verkehrspolizist Rainer Vetter, 74 wiesen sogar erhebliche Mängel auf und durften nicht mehr weiterfahren. Aus 27 Nationen stammen die rollenden Rostlauben, wobei die deutschen Lkw mit über 70 Fällen an der Spitze liegen. Je etwa 30 stammen aus Polen, Tschechien und der ehemaligen Sowjetunion.

Rund um die Uhr hat die Verkehrspolizei ein wachsames Auge auf den fließenden Verkehr. So postiert sich auch das Team von Rainer Vetter in Hafennähe und hält Ausschau nach verdächtig alt aussehenden Lkw. Walter Heide und Michael Schatz, die beiden Kollegen von der Motorradstaffel, haben nach einigen Minuten einen Brummi im Auge, der sich vom Hafen in Richtung Bundesstraße bewegt – es ist das Fahrzeug von Bruno Freiner.

Minuten später steht der Lkw-Lenker, seit acht Jahren Fahrer einer Spedition in der Vorderpfalz, düpiert neben seinem Fahrzeug und führt kommentarlos und etwas hektisch die gelegentlichen Anweisungen der Beamten aus: Fahrzeugpapiere vorzeigen, Blockierkeile unterlegen, Motor starten, Feststellbremse lösen. „Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass ich kontrolliert werde“, sagt er und vergräbt seine Hände noch tiefer in den Hosentaschen. „Eigentlich bin ich nur für einen kranken Kollegen eingesprungen.“
Ob Vertretung oder nicht – Bruno Freiner kassiert demnächst ein Bußgeld, denn Polizist Walter Heide, der unter den drei Hinterachsen des Sattel-Anhängers liegt und die Bremsen begutachtet, ist fünfig geworden: „Hinten bremst er wahrscheinlich nicht mehr so gut“, vermutet er. Und auch die Bremsbeläge an der Vorderachse sind stark abgefahren und damit hart an der Grenze. „Das sind mindestens erhebliche Mängel“, schätzt Rainer Vetter. Eine Stilllegung des Fahrzeugs droht.

Ob es soweit kommt, entscheidet ein Sachverständiger. Pech für Brummi-Lenker Freiner und seinen Chef, der sich immer wieder per Handy meldet und nun offenbar sehr an der Verkehrssicherheit seines Gefährts interessiert ist: Im Prüfzentrum Brühl bestätigen sich die Vermutungen – der Speditions-Lkw hat gleich mehrere zu stark abgefahrene Bremsbeläge und drei gelöste Schrauben an der Sattelplatte, die den Anhänger hält. Gleich mit mehreren erheblichen Mängel war der Lkw unterwegs; an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Erst nachdem die schlimmsten Defekte behoben sind, darf Bruno Freiner die Fahrt fortsetzen. Doch die Spedition muss die Schäden nachweislich reparieren.

Die ausbaufähige Verkehrssicherheit des Pfälzer Lkws ist jedoch nichts gegen die mangelhaften Fahrzeuge, die von Zeit zu Zeit von Mannheims Straßen gewunken werden. Bernd Heeger, Leiter der Verkehrspolizei, erinnert sich an einen Lkw, in dessen Führerhaus der Boden durchgerostet war und statt eines Fahrersitzes ein Klappstuhl auf einem Brett montiert war. Erfindungsreich zeigte sich ein anderer Fahrer, der eine defekte Bremsleitung mit einem Stück Gartenschlauch ausbesserte – ein gefährliches und vergebliches Unterfangen, so Heeger, weil die Baumarkt-Ware dem hohen Druck nicht standgehalten hätte. Erst im September fischten die Beamten einen Doppeldeckerbus am Wasserturm aus dem Verkehr. Dessen Zustand verschlug selbst dem erfahrenen Rainer Vetter die Sprache: Mit undichten Bremsschläuchen, einem durchgerosteten Rahmen, fehlenden Verbandskästen und Notfallhämmer chauffierte ein 79 Jahre alter Fahrer ohne Busführerschein 62 Schüler und vier Lehrer.

Dass es in den vergangenen Jahren auf Mannheims Straßen zu keinen schweren Unfällen, die auf mangelnde Verkehrssicherheit zurückzuführen wären, gekommen ist, führt Verkehrspolizei-Chef Heeger auch auf die zahlreichen Kontrollen zurück: „Mannheim gilt als Stadt, in der man immer erwischt wird.“


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de