Der Traum auf Probe

Gerrit Meier aus Sohren feierte in Mainz Premiere als Regisseur

Unten auf der Bühne: Eine Beziehung geht in die Knie und derungemein machohafte mexikanische Nationalheld Pancho Villa ersteht in einer Parallelwelt auf. Auf den Rängen die Zuschauer: Sie machen große Augen und lachen. Oben, im Halbdunkel der Technikkanzel und hinter den Rängen, der Regisseur: Gerrit Meier verschränkt die Arme und lugt über das Mischpult auf die endende Beziehung, blickt kritisch auf Pancho Villa und – lacht nicht.

Dabei erfüllt sich der Traum des Sohreners Gerrit Meier, Regisseur einer Theaterinszenierung zu sein, an diesem Abend auch vor den Augen des Publikums. Die scheiternde Beziehung trägt seine Handschrift. Dem Nationalhelden hat er Leben eingehaucht. Die Wochen vor der Premiere waren gefüllt mit Proben. Seit Tagen hat er kaum Zeit zum Schlafen gefunden. „Ich bin so aufgeregt wie noch nie“, sagt er angespannt vor der Aufführung, als die letzten Vorbereitungen laufen.

Der 25-Jährige aus Sohren arbeitete bereits während seines Studiums der Theaterwissenschaften bei den Kammerspielen in Mainz, wo er von Assistenz bis Bühnenbild viele Aufgaben übernahm. Seine Geschichte als Theatermacher reicht noch weiter zurück: Ende der 90er Jahre gehörte er zu Truppe der Theater-AG des Herzog Johann-Gymnasiums. Mit Freunden drehte und produzierte er 2000 den Spielfilm „Das zweite Leben“, den auch das Pro-Winz-Kino Simmern zeigte.

Meiers aktuelles Stück „Pancho Villa oder die nackte Frau“, eine deutsche Erstaufführung, erzählt die Geschichte von Adrián, einem charmanten Intelektuellen, der hin- und hergerissen ist: Gerne wäre er so frei und unbeirrt wie der unerschrockene Pancho Villa, der mexikanische Revolutionär und Nationalheld. Aber Adrián liebt auch Gina, eine attraktive und sympathische Geschäftsfrau, die zu seiner großen Verunsicherung plötzlich mehr von ihm fordert als nur guten Sex. Sie sucht selbstbewusst nach ihrem einzigartigen Glück und zwingt Adrián zu einer Entscheidung.

Mit dieser ersten eigenen professionellen Inszenierung der in Lateinamerika gefeierten Erfolgskomödie stellte sich Gerrit Meier viele Aufgaben: Neben der eigentlichen Arbeit mit den fünf Schauspielern des von ihm ins Leben gerufenen Ensembles „Teatro Libre“ schrieb er das mexikanische Stück behutsam für sein deutsches Publikum um und fügte erklärende Sequenzen ein. Er bewältigte das so genannte Casting, die Suche und Auswahl geeigneter Schauspieler, mit sicherem Gespür für den Stoff des Stücks. Er kümmerte sich auch um die Finanzierung des Schauspiels, um das Bühnenbild, die Kostüme und die Öffentlichkeitsarbeit und wurde so zum Regisseur im weiteren Sinn.

Trotz großem eigenem Engagement ist Arbeit am Theater in den Augen des Regisseurs auch Teamarbeit. Er lobt seine fünf Schauspieler, die ihm viel Vertrauen entgegen gebracht haben sowie den Argenthaler Timo Ludwig, der sich um Licht, Ton und Technik kümmert: „Er ist der beste Assistent, der denkbar ist“, würdigt Meier die Zusammenarbeit mit dem 22-Jährigen. Die beiden Hunsrücker haben sich durch die Arbeit an den Kammerspielen kennengelernt und arbeiten für die Inszenierung der mexikanischen Komödie eng zusammen.

Die Botschaft des Stücks – Glück heißt, sich zu entscheiden – könnte auch Gerrit Meiers Credo sein. Denn er hat sich entschieden, für das Theater als Arbeitsplatz, für einen Beruf, der erheblichen Einsatz verlangt und keine Gewähr für eine steile Karriere bietet, für unregelmäßige Arbeitszeiten und Schuften bis in die Nacht. Doch am Premiereabend zeigt sich, dass die Entscheidung richtig war: Das Publikum schenkt dem Ensemble einen fast fünfminütigen Applaus. Als Gerrit Meier mit seinen Darstellern auf die Bühne tritt, lacht er – das erste Mal an diesem Abend. Später wird er zu dem gespendeten Beifall sagen: „Das war ein überwältigendes Gefühl.“

Trotz des Zuspruchs am Premiereabend bleibt er kritisch. Wie sind die Reaktionen an den nächsten Abenden, wenn weniger Freunde und Bekannte im Publikum sind? Was sagen die Kritiker zu seiner Inszenierung? Immerhin: es gibt bereits viele Kartenbestellungen für die kommenden Aufführungen, und bei der Premiere waren bekannte Gesichter zu sehen: Der Mainzer Oberbürgermeister und Fraktionsvorsitzende des Stadtrats ebenso wie der Generalkonsul Mexikos und die Übersetzerin des Stücks. „Pancho Villa“-Autorin Sabine Berman will aus Mexiko anreisen. Auch der ehemalige Deutschlehrer am Gymnasium, zu Schulzeiten Gerrit Meiers größter Kritiker, zählt sich heute gerne zu den Fans des Künstlers und war selbstverständlich bei der Premiere dabei. Dies sind Zeichen, dass Gerrit Meier bereits in jungen Jahren auf dem besten Weg ist, sich mit seinem Traum, Regisseur zu sein, in der Branche zu etablieren.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de