Marktleute haben selten kalte Füße

Propangas heizt Händlern und Waren ein – Tee und Kaffee hoch im Kurs

Bei minus vier Grad wird’s kritisch. Nicht für Jürgen Oberholz, seit Jahren Händler auf Mannheims großen Wochenmarkt in der Innenstadt. Aber für seine Waren: Sinkt die Temperatur ins Negative, bekommt das Obst aus eigenem Anbau schnell Frostbeulen. Damit aus der frischen Ware keine Tiefkühlkost wird, kommen an kalten Tagen Zusatzplanen und Gasheizungen zum Einsatz.

Er selbst friert nicht so schnell, erklärt Markthändler Obenholz aus dem pfälzischen Freinsheim, der sich mit Kaffee aus der eigens mitgebrachten Maschine von innen wärmt. Das bestätigt auch sein Kollege und Standnachbar Richard Knödler aus Lampertheim, der Gewürze, Saaten und Mehle im Angebot hat. „Ab zehn Grad minus“ könne von Kälte überhaupt die Rede sein, versichert der gebürtige Mannheimer mit 39 Jahren Markterfahrung. Trotzdem wärmt er sich an diesem verhältnismäßig milden Wintertag die Hände an einer Gasheizung, die auf eine Propangasflasche montiert ist. Das sei wie im Wohnzimmer: dort setze er sich ja auch vors Feuer. Doch auch für ihn gibt es Grenzen: „Wenn’s mir zu kalt ist, bleibe ich daheim.“

Obwohl keine arktischen Temperaturen herrschen, ist an diesem Morgen auf dem Marktplatz in G1 wenig los. Knapp 40 Stände sind aufgebaut; samstags, dem Markttag schlechthin, sind es meistens über 100. Gestern noch hat es geschneit, die ganze Nacht hindurch hat es geregnet. Viele Händler bleiben deswegen zu Hause, weil sie wissen, dass die Kunden vom ungemütlichen Wetter nicht gerade angelockt werden, erklärt Marktmeister Klaus Junski. Im Auftrag der Großmarkt Mannheim GmbH, die sich in der Quadratestadt auch um die Wochenmärkte kümmert, sieht er nach dem Rechten. Seit 1984 kümmert er sich als Marktmeister um den Handel in der City. Dazu gehört auch persönlicher Kontakt mit den Händlern.

„So ein Wetter wünscht man sich nicht“, lautet Karl-Heinz Müllers Kommentar zum Nieselregen bei drei Grad über Null. Der Händler aus Freinsheim hat seinen Gasofen noch nicht angeworfen, allerdings nur, weil er auf seinen zweiten Mann wartet. Allein im kleinen Stand mit Eiern, Nudeln und italienischen Gewürzen muss er den großen Schirm mit seinem Körpergewicht beschweren, damit der kalte Wind den Schutz nicht davonträgt. Gleich drei Jacken übereinander trägt der Händler, der in der dritten Generation in Mannheim vertreten ist. Zum Aufwärmen gibt es gelegentlich einen Schluck Tee aus der Thermoskanne. Und – wenn es extrem frostig ist – auch mal einen Glühwein vom Nachbarstand. Bei acht Grad minus wird es für die feilgebotenen Eier zu kalt, erklärt der Händler. Spätestens ab solchen Minusgraden statte er seinen Stand mit den separaten Seitenplanen aus und wärmt die zerbrechlichen Waren mit der Gasheizung.

Die „glücklichen Kartoffeln von freilaufenden Bauern“ am Stand von Helga Ziesling sind da wesentlich empfindlicher. Schon Minustemperaturen von drei bis vier Grad machen die gelben Knollen kalt: Sind sie Frost ausgesetzt, nehmen sie einen süßen Geschmack an. Nicht gerade das, was ihre Kunden sich von den Kartoffeln aus kontrolliertem Anbau versprechen, erklärt die 65-Jährige. Auch an ihrem Stand sind die für fast alle Mannheimer Marktstände typischen Gasheizungen im Einsatz. Ab 15 Grad minus schaltet die Händlerin aus Muttertstadt das Gas-Gebläse ein. Sie selbst hält sich mit einer zweifachen Jackenschicht und heißem Tee warm. Außerdem hilft die richtige Einstellung: „Ich friere nicht so schnell“, sagt sie. Früher haben ölbetriebene Heizungen die Stände warmgehalten, berichtet Helga Ziesling aus ihrer 45-jährigen Markterfahrung. Doch die hätten gestunken und gerußt und seien manchmal sogar explodiert: „Das hat manchem die Haare versengt.“

Zum Glück gibt es heute die handlichen Gasflaschen. Auf die schwört auch Jürgen Oberholz. Obwohl: An einem kalten Markttag werden schon mal anderthalb Flaschen verbraucht, berichtet der Obsthändler. Aber was tut man nicht alles, um sich selbst und den eigenen Waren einzuheizen?


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de