Mit Polizei und Perspektiven gegen Terror

Sie haben online Großes vor?

Vom persönlichen Blog bis zur mehrsprachigen Site: Was sind Ihre Wünsche fürs Web?
Senden Sie mir eine Nachricht — gemeinsam kommen wir weiter!

Israels Ex-Botschafter Avi Primor in Mannheim – Thesen zu Terrorismus und Nahost

Er ist kein Sohn Mannheims, aber ein Freund der Stadt: Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Bonn, hatte im Goethe-Institut der Quadratestadt Deutsch gelernt. Inkognito lebte er damals zwischen Rhein und Neckar. Am Donnerstagabend kam er zurück, jedoch nicht als Namenloser, sondern als bekannter Diplomat, Politikwissenschaftler und Architekt des Osloer Friedensvertrags. Es war sein dritter Vortragsbesuch in Mannheim, und auch dieses Mal lockte er die Menschen an. 200 kamen ins jüdische Gemeindezentrum in F3.

Avi Primor, 68 Jahre alt, stellte in einem einstündigen Referat sein jüngstes, im Oktober erschienenes Buch „Terror als Vorwand – die Sprache der Gewalt“ vor. Er plädierte dafür, Terroristen mit gut ausgebildeten Geheimdiensten zu bekämpfen. Gleichzeitig müssten für die Menschen in den arabischen Ländern Perspektiven geschaffen werden, damit sie weniger empfänglich für terroristische Ideologien sind. Im Nahost-Konflikt könnten nur die israelische und palästinensische Zivilgesellschaft ihre Regierungen zu Friedensverhandlungen bewegen, so Primor weiter.

In seinem Buch widmet sich der langjährige Botschafter Israels zwei Bereichen: dem Weltterrorismus und der Nahost-Krise. Beide seien voneinander unabhängig. Ohne den Staat Israel würde es trotzdem weltweiten Terror der Al Quaida geben. Der wiederum hat, so Primor, „so gut wie nichts“ mit der Gewalt im Nahen Osten zu tun.

Bin Laden ist kein Feind der USA gewesen, führte Avi Primor zum Weltterrorismus aus. Es seien die Vereinigten Staaten gewesen, die Bin Laden in den 1980er Jahren mit Geld und Waffen ausgestattet hätten.
Doch der Golfkrieg 1991 habe die Wende in dieser Beziehung gebracht: Amerikanische Truppen wurden in Saudi Arabien stationiert, „im Land des Propheten“, und haben es dadurch entweiht, so die Sichtweise Primors. Bin Ladens Al Quaida versuchte, dort wieder einen „sauberen, nüchternen Islam“ frei von westlichen Einflüssen zu errichten. Die dazugehörige Propaganda sei bei den verarmten Bewohnern arabischer Länder auf offene Ohren gestoßen.„Von Marokko bis Pakistan werden die Menschen sagen, dass Bin Laden für sie ein Vorbild ist. Da kann die Regierung noch so proamerikanisch sein“, verdeutlichte Primor.
Um gegen den weltweiten Terrorismus vorzugehen, so Avi Primor, muss zweierlei getan werden. Einerseits müssten die Täter bekämpft werden: „Man kann Terroristen, die fanatisch sind, nicht überzeugen.“ Andererseits müsste den Milliarden Menschen, die weltweit in bitterer Armut lebten, Hoffnung gegeben werden, möglicherweise durch einen „Welt-Marshall-Plan“: „Wenn ein Bauer in Afghanistan weiß, dass seine Kinder und Enkel eine Chance haben, wird er seine Gedanken darauf verwenden – und nicht mehr auf Bin Laden.“

Terroristen können nicht – wie es die USA versucht haben – mit Bomben und Raketen bekämpft werden, so Primor. Vielmehr käme den Geheimdiensten ein größeres Gewicht zu. Wenn sich Agenten in Sprache und Sitten auskennten und in entsprechende Länder eindringen könnten, seien schwerwiegende Anschläge vermeidbar. Doch weder die Vereinigten Staaten noch die Europäer verfügten über solche gut ausgebildeten Nachrichtendienste. „Ich glaube, dass wir vor einer großen Gefahr stehen“, fasste Primor seine Terror-Bedenken zusammen. „Wir wissen gar nicht, was auf uns zukommt.“

Nach drei Jahren Intifada sind Israelis und Palästinenser an einem toten Punkt angelangt, berichtete Primor, der seit 1999 in Tel Aviv lebt zur Nahost-Krise, dem zweiten Themenkomplex seines Buchs. Auf der einen Seite habe Israel mit militärischen Mitteln vergeblich versucht, gegen palästinensischen Terror zu kämpfen. Anderseits könnten Palästinenser mit Anschlägen zwar Juden bekämpfen, ihre Staat jedoch nicht zerstören. Diese Situation würde durch aktuelle Meinungsumfragen in Israel gut beschrieben: Die große Mehrheit der Bevölkerung sei für Zugeständnisse gegenüber den Palästinensern bereit. Gleichzeitig wüsste Hardliner Sharon die Masse der Israelis hinter sich.

Die Schlüsselrolle für einen Ausweg sprach der Diplomat, der selbst an den jüngsten Friedensplan-Verhandlungen in Genf mitgewirkt hatte, der palästinensischen und israelischen Zivilgesellschaft zu. Wenn die Regierungen sich nicht mehr bewegten und es keinen Druck von außen gebe, müsse die Bevölkerung die Staatsmacht drängen. Die jüngsten Schritte hätten bei ihm „vorsichtige Hoffnungen“ geweckt, erklärte Primor.


Artikel-Tools:

Shortlink:

Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.


Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).


Kanäle: Online, Foto, Video, Audio und Print.


Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).


Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte


Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de