Jugendliche ließen Hoffnung in der Wüste keimen

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Hunsrücker besuchten Partnerkirchenkreis und errichteten Aids-Zentrum in Botswana – Nach ausgestandenen Hungersnöten ist die Virus-Krankheit der Todfeind Nummer eins

Das Lagerhaus in der Wüste hatte schon einmal den Menschen in Botswana geholfen. Mit Hilfe des Depots wurden während den Dürrejahren in den 80ern die hungernden Menschen im zentralen Botswana mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Zeiten des krassen Mangels sind nun vorbei; Botswana kann seine Bevölkerung als eines der wenigen Länder im südlichen Afrika auch in längeren Trockenperioden mit ausreichend Nahrung versorgen.

Tödliche Gefahr lauert

Heute, 20 Jahre später, stehen die Botswaner einer anderen tödlichen Herausforderung gegenüber: Aids. Sieben junge Hunsrücker unter der Leitung von Diplom-Sozialpädagogin Jutta Behn verbrachten den August in Botswana, um im Rahmen der Partnerschaft zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach und dem Südwestlichen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche Botswanas (ELCB) zu helfen. Gemeinsam mit acht jungen Erwachsenen aus dem afrikanischen Partnerkirchenkreis bauten sie innerhalb drei Wochen ein ehemaliges Lagerhaus in dem Kalahari-Ort Kang zu einem Aids-Zentrum um.

In dem renovierten Haus entstanden durch das Einziehen von Mauern und den Einbau von Türen vier kleinere Räume, die als Besprechungszimmer, Büro, Küche und Lagerraum genutzt werden, sowie ein großes Zimmer, das als Aufenthaltsraum dienen soll. Zwei unterschiedliche Gruppen nutzen das Aids-Zentrum: Zum einen die Frauen des „Home Based Care“-Projekts der Gemeinde; sie betreuen und versorgen aidskranke Menschen in deren Haus. Zum anderen dient das Gebäude als „Day Care Center“ für Kinder und Jugendliche, die beide Elternteile durch Aids verloren haben.

Es sind die Jüngsten, die unter der grassierenden Immunschwäche am meisten zu leiden haben. So lebten Ende 2001 nach Schätzungen der Vereinten Nationen 69 000 Aids-Waisen in Botswana. Vieles, was zu Hause in Deutschland leicht von der Hand gehen würde, war in Botswana anders. So gab es manchmal auf dem Bau Verständigungsschwierigkeiten, weil für Botswaner und Deutsche Englisch keine Muttersprache ist. Den unterschiedlichen Auffassungen von Teamarbeit, Mauertechnik, Farbwahl und Zementmischen zum Trotz wurde das Lagerhaus komplett renoviert und wird in den nächsten Wochen als Aids-Zentrum zum Einsatz kommen. Für eine erste Einrichtung des Hauses spendete der Hunsrücker Kirchenkreis 500 Dollar.

Land in der Vorzeigerolle

Botswana wird gerne es als Musterbeispiel für friedliche und demokratische Entwicklung in Afrika in der nachkolonialen Zeit genannt. Mit seinem stabilen politischen System, einer gefestigten Demokratie sowie freien Menschen und freien Medien bildet das Land eine Ausnahme auf dem Kontinent, dessen Staaten zumeist von Monarchen, Diktatoren, Militärs und Despoten angeführt werden. Bis in die 90er Jahre wies Botswana die weltweit höchste Wachstumsrate der Wirtschaft auf, hervorgerufen durch die reichen Bodenschätze, vor allem Diamanten, und ausländische Investoren, die es in die einstige britische Kolonie zog.

Doch der Segen der Spitzenposition verkehrt sich seit einigen Jahren in einen Fluch. Mit einer Aidsrate von 38,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, so schätzten die Vereinten Nationen Ende 2001, nahm der Wüstenstaat erneut die weltweite Topposition ein. Enorme Probleme im sozialen und wirtschaftlichen Bereich kamen damit auf die 1,6 Millionen Botswaner zu.

Einige Menschen haben diese Herausforderung angenommen. Die Home Based Care-Gruppe in Kang besteht aus 14 Frauen, die seit 2001 zwei Mal wöchentlich je zwei bis drei Kranke in deren Zuhause betreuen. Obwohl der botswanische Staat kostenlos Nahrungsmittel und Medikamente, die den Verlauf von Aids verzögern, verteilt, fehlt es vielen Kranken am Nötigsten. Die Frauen erreichen durch ihre regelmäßigen Besuche vor allem eines: Die Aids-Kranken liegen nicht isoliert und abgeschottet in ihren Wohnungen, sondern erleben wenigstens zwei Mal pro Woche, dass jemand für sie da ist und sich um sie kümmert.

Das Camp bestand nicht nur aus Arbeiten und Nachdenken über ernsthafte Themen. Während die Gruppe durch Botswana reiste – sie legte rund 2000 Kilometer zumeist auf der Ladefläche eines Trucks zurück – lernte sie die Landschaft kennen und kam unterwegs mit vielen Menschen in Kontakt, die sich freuten, dass ihr Land in Deutschland auf starkes Interesse stößt. Die deutsch-botswanischen Delegierten waren gern gesehene Gäste: Die Gruppe wirkte mit beim 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum (RHZ berichtete am 3. September 2003). James Lesedi Mothibamele, der Parlamentsabgeordnete des Kalahari-Wahlkreises, der auch Vorsitzender des nationalen Aids-Ausschusses ist, traf sich mit den jungen Erwachsenen. Die Botschafterin des Nachbarstaates Namibia, Theresia Samaria, lud zu einem Informationsgespräch ein. Schließlich gab sich auch Philip J. Robinson, Bischof der ELCB, die Ehre und empfing die jungen Leute.

Unter Löwen und Antilopen

Ein Höhepunkt des Camps war der Besuch des entlegenen Transfrontier-Nationalparks im Südwesten Botswanas. An zwei Tagen begab sich die Gruppe auf Fotosafari. Dabei kam ihnen neben Antilopen, Gazellen und Erdmännchen auch ein Löwe vor die Linsen. Einmalige Eindrücke boten auch die Abend- und Nachtstunden: Das Abendrot tauchte den gesamten Horizont und die Wüste in ein orange-rotes Licht. Nachts war, da Botswana auf der Südhalbkugel liegt, ein atemberaubender Sternenhimmel mit dem längeren Ende der Milchstraße zu sehen. Es gab allerdings auch irdische Genüsse, die die deutschen Teilnehmenden verzauberten: Die Küchenteams waren botswanisch- deutsch besetzt, so dass die Hunsrücker lernten, Kohl, Suppe und Maisbrei in großen, gusseisernen Töpfen auf dem offenen Feuer zu kochen und verschiedene Brotsorten auf den umgedrehten Topfdeckeln zu backen. Auf diese Weise hat die traditionelle botswanische Küche neue Freunde gefunden.

Es sind solche kleinen, persönlichen Erinnerungen, die den vierwöchigen Aufenthalt in Botswana für die jungen Erwachsenen kostbar und einmalig gemacht haben. Als sie ihren Gastgebern und dem Gastland Ende August „Sala Sentle!“ (Auf Wiedersehen) sagten, stieg dem Vernehmen nach der eine oder die andere mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug.

Im Detail

Hilfe hat mehr als einen Namen

Die Hilfe in Afrika hat viele Gesichter: Jutta Behn (Mainz), Tabea Jöst (Simmern), Stefan Paulus (Budenbach), Judith Peifer (Simmern), Sophia Schabel (Kirchberg), Niko Wald (Sohren), Sarah Wenz (Simmern), Carmen Wolf (Argenthal).


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de