Wie tolerant sind wir wirklich?

Jugendkreis Ellern-Mörschbach nimmt mit zahlreichen Aktionen am Kirchentag in Frankfurt am Main teil – Landesregierung, Kirchenkreis und Sparkassen-Stiftung fördern Toleranz-Projekt

Die „heiße Phase“ hat schon begonnen: Bereits seit Februar werkeln die Jugendlichen des evangelischen Jugendkreises Ellern-Mörschbach an ihrem Aktions-Stand für den diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main. Zum Thema „Toleranz“ haben die Jugendkreisler eine komplette Konzeption
entwickelt.

Die Idee zum Mitmachen kam den Jugendkreis-Leuten beim Bummel über den „Markt der Möglichkeiten“ des letzten Kirchentags 1999 in Stuttgart. Der „Markt“ ist die Messe des Kirchentags und wird von Hunderten kirchlichen Gruppen und Organisationen zur Präsentation genutzt. Dass der Kirchentag 2001 in Frankfurt stattfindet, kam für die Realisation der Idee wie gerufen: Die räumliche Nähe zur Kirchentags-Stadt Frankfurt böte eine gute Gelegenheit, „mit einem sinnvollen Projekt dabei zu sein“ , erklärte Gruppenleiter Christian Tuldi.

Ein „Projekt für Verständnis und faires Miteinander“ haben die 16 jungen Menschen zwischen 14 und 22 Jahren in ihren Gruppenstunden geplant; herausgekommen ist ein Toleranz-Test, der die Kirchentags-Besucher auffordert, ihre eigene Toleranz kritisch unter die Lupe zu nehmen. Dies wird sowohl mit
praktischen Tests, die unterschiedliche Sinne ansprechen, als auch mit konfrontierenden Fragen, Fotos und Meinungen geschehen. Wer sich und sein Toleranz-Empfinden in Frankfurt auf Herz und Nieren prüfen lässt, kann im Anschluss mit Mitgliedern des Jugendkreises über sein Testergebnis diskutieren.
Wieso wurde gerade Toleranz das Thema der Kirchentags-Aktivitäten? „Auf dem Hunsrück sind wir oft mit jugendlichen Übersiedlern aus Russland und Asylbewerbern aus aller Welt konfrontiert. Vom Kindergarten an ist Toleranz und Weitsicht gefordert – Werte, die echt entwicklungsbedürftig sind – leider auch bei uns Jugendkreislern selbst“, klärt die Internet-Seite des Jugendkreises auf.

Neben der inhaltlichen Arbeit am Toleranz-Test nahm die Herrichtung des Kirchentags-Stands viel Zeit in Anspruch. Jugendkreis-Mitglied André Weirich, gelernter Schreiner, entwickelte spezielle Stellwände, die es den Besuchern – ähnlich einer Wahlkabine – ermöglichen, ungestört und ungesehen ihrem
Toleranz-Empfinden auf den Grund zu gehen. Während eines Werk-Wochenendes erhielten Stellwände und weitere Aufbauten den letzten Schliff und den passenden Anstrich. Für ihr Projekt haben die Ellerner eine Generalprobe vorgesehen: Die Mitglieder des Kreissynodalen Jugendausschusses haben Ende April Gelegenheit, den Toleranz-Test ausgiebig zu testen.

Obwohl der Jugendkreis ehrenamtlich arbeitet, entstehen durch Material-Einkauf, zahlreiche Fahrten und Kirchentags-Eintrittsgelder Kosten. Sie werden derzeit aus einem Topf bezahlt, der bislang von drei Einrichtungen gefüllt wurde. Dr. Rose Götte, Landesministerin für Kultur, Jugend, Familie und Frauen, bezuschusste das Projekt mit 1000 Mark. Die gleiche Summe wurde vom Evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach zur Verfügung gestellt. 500 Mark war der Stiftung der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück das Toleranz-Projekt wert. Die Kosten für das Holz der Stellwände übernahm unbürokratisch die evangelische Kirchengemeinde Ellern-Mörschbach. Damit die Jugendkreis-Leute durch ihre Teilnahme am Kirchentag keine roten Zahlen schreiben, werden sie am „Abend der Begegnung“ des Kirchen-Treffens Getränke verkaufen. Eine Hälfte des dort erzielten Gewinns wird an eine karitative Einrichtung fließen, die andere wird das finanzielle „Kirchentags-Defizit“ ausgleichen.

Dass die Jugendlichen um die Gruppenleiter Christian Tuldi und Heike Schmidt mit viel Elan und Tatendrang an die Sache gehen, zeigt sich auch an einem Kurzfilm, der im vergangenen Jahr abgedreht worden ist und beim Hunsrücker Jugendfilm-Festival „Flimmerhannes“ bereits zu sehen war und auch auf dem Kirchentags-Stand zu Ehren kommen soll. Der Fünf-Minuten-Streifen trägt den Titel „Weitersagen – aber richtig!“ und zeigt den Lauf der Gerüchte, die über eine neu zugezogene Familie verbreitet werden: die Mutter ist eine Hure, der Sohn schwul, die Tochter diebisch, die ganze Familie einfach anders als die anderen. Was sich da übers Hörensagen verbreitet, ist blanker Unsinn, wie sich – zu spät – am Ende des Films zeigt.
Um die Kirchentags-Teilnahme inhaltlich abzurunden, haben die Jugendkreisler eine eigene Website ins Internet gestellt. Dort können Interessierte neben Informationen zu den wöchentlichen Gruppenstunden und den Mitgliedern des Jugendkreises auch Aktuelles über den Stand der Dinge des Kirchentags-Projekts
erfahren.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de