Gemeinsam an Partnerschaft und Kirche gebaut

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Tradition im evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach: Hunsrücker Jugendliche besuchten Partnerkirchenkreis im südlichen Afrika – vierwöchige Rundreise durch Botswana

Vier Wochen waren Hunsrücker Jugendliche im südlichen Afrika unterwegs: Die acht jungen Erwachsenen und ihre Leiterin, Sozialpädagogin Jutta Behn, nahmen an einem Jugend-Workcamp teil, das der evangelische Kirchenkreis Simmern-Trarbach gemeinsam mit seinem Partner-Kirchenkreis im südwestlichen Botswana organsierte.

Groß war die Anspannung, als es nach langer Vorbereitung im Juli endlich hieß: Auf nach Afrika! In Gaborone, der Hauptstadt Botswanas, verbrachten Jutta Behn (Simmern), Manuela Conrad (Holzheim), Karin Jungherz (Kastellaun), Verena Stümper (Kappel), Ina Wernet (Schnorbach), Carmen Wolf (Argenthal), Jens Müller, Heiko Scherer und Niko Wald (Sohren) drei Tage.

Zu elft in einem Landrover legten sie die fünfhundert Kilometer nach Kalkfontein zurück. Das Dorf mit knapp tausend Einwohnern liegt mitten in der Kalahari-Wüste. Dort, auf dem Gelände der lutherischen Kirche, bauten die Hunsrücker gemeinsam mit botswanischen Jugendlichen eine Kirche.

Innerhalb von zwei Wochen entstand das Bauwerk aus 6 000 Steinen und 60 Schubkarren Sand. Am arbeitsfreien Sonntag folgte die Gruppe einer Einladung zum Gottesdienst nach Charleshill, der Partner-Kirchengemeinde von Kastellaun.

Auch wenn das Dach der Kirche aus Mangel an Steinen nicht fertiggestellt werden konnte, war das Ende der Arbeiten Grund für ein Fest: Mit gegrilltem Fleisch, selbstgebackenem Brot, Maiskrapfen und – als Hunsrücker Beitrag zur Speisekarte – Feuerkartoffeln wurde die Fast-Fertigstellung der Kirche und der letzte gemeinsame Abend in Kalkfontein gefeiert.

Etwa vierhundert Kilometer nordöstlich lag das nächste Ziel: Die Missionsstation der Selbitzer Schwestern in Sehitwa. Hier wurden die Afrika-Reisenden von Schwester Gertrud Konrad aus Wahlbach empfangen, die seit 12 Jahren in Botswana lebt und sich unter anderem der Jugendarbeit widmet. Die Stadt Maun war anschließend Ausgangspunkt für eine zweitägige Safari in das Okawango-Delta. Handgearbeitete Einbäume, sogenannte Mokoros, dienten zur Fortbewegung im Wasser. Im Delta gab es ersten Sichtkontakt mit „wilden Tieren“: Giraffen, Elefanten, Wildhunde, Warzenschweine und – immerhin – Löwenspuren.

Ein Behindertenzentrum der lutherischen Kirche mit Wohnplätzen, Einrichtungen für Physiotherapie und Werkstätten war die letzte Station, bevor die Hunsrücker die Rückreise in die Hauptstadt antraten. Sie verlief über Francistown, zweitgrößte Stadt des Landes. In Gaborone, dem Ausgangsort, endete die große Botswana-Rundreise und damit vier Wochen Aufenthalt im südlichen Afrika.

Vieles hatten die Jugendlichen beider Kontinente gemeinsam erlebt und geleistet: Bauen, Reisen, Kochen, Singen und Lachen. Superintendent Noko vom botswanischen Partner-Kirchenkreis fasste es so zusammen: „Partnerschaft bedeutet, sich gegenseitig zu sehen, zu helfen und anzuerkennen.“

Im Detail

Das Land

Botswana liegt im südlichen Afrika zwischen Namibia, Sambia, Simbabwe und Südafrika, hat eine Größe von etwa 580 000 Quadratkilometern und knapp 1,3 Millionen Einwohner. Die Kalahari-Wüste bildet den größten Teil des Landes. Seit 1969 ist die ehemalige britische Kolonie unabhängig und eine Demokratie. Die Staatssprache ist Setswana, Amtssprache ist Englisch. Durch Diamantvorkommen, weitere Bodenschätze und Viehexporte ist Botswana eines der reichsten Länder Afrikas. Die Währung heißt Pula. Ein Pula sind etwa 40 Pfennige.

Hintergrund

Land krasser Gegensätze – und einzigartiger Stille

Vier Wochen habe ich in Botswana verbracht. Als Tourist, aber auch in gemeinsamer Arbeit und im persönlichen Austausch mit anderen jungen Erwachsenen vom Hunsrück und aus Botswana.

Ein Land mit vielen Gegensätzen – so habe ich Botswana erlebt. Tagsüber ist die Wüste heiß und windig, nachts sind es nur wenige Grad über Null. Waschwasser per Kanister von der zentralen Zapfstelle – aber ein Kartentelefon neben der neugebauten Post mitten im Dorfzentrum. Kochen auf offenem Feuer – aber eiskalte Getränke aus dem Kühlschrank des General-Store. Botswana ist eines der reichsten Länder Afrikas – aber vielen Menschen dort fehlt es dennoch am Notwendigsten.

Manchmal, nach dem Abendessen, hatten wir Zeit für Gespräche. Stanley und Maotli setzten sich eines Abends zu uns ans Feuer und fragten viel über Deutschland: Wie es bei uns aussieht und wie wir wohnen, ob wir auch eine Wüste haben, welche Sportarten es in Deutschland gibt und womit die Deutschen ihr Geld verdienen. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, als wir erzählten, dass in Deutschland viele Dinge normal sind, die in Botswana Luxus bedeuten: Ein eigenes Auto, eine Wohnung mit Strom und fließendem Wasser, Fernsehen, Supermärkte und eine warme Mahlzeit am Tag.

Viele Fragen galten Hitler, dem Zweiten Weltkrieg und der Judenverfolgung. Mir wurde dabei bewusst, dass wir als Deutsche im Ausland, auch sechzig Jahre nach dem Dritten Reich, immer noch unsere Vergangenheit mit uns tragen.

AIDS ist in Botswana – wie in vielen Ländern Afrikas – ein großes Problem. Schätzungen gehen von 30 bis 50 Prozent Infizierten aus. AIDS ist dennoch ein Tabu. Wer in Botswana an der Immunschwächekrankheit leidet, gilt nicht als krank, sondern als verhext oder besessen. Medizinmänner raten Männern, bei denen AIDS ausgebrochen ist, eine Frau zu entjungfern, um den Zauber der tödlichen Krankheit zu durchbrechen…

Im wahrsten Sinne des Wortes zur Ruhe gekommen bin ich während der Einbaum-Fahrt im Okavango-Delta. Außer dem Wasserplätschern, Vogel- und Tierstimmen gab es keine weiteren Geräusche. Die Einzigartigkeit dieser Stille war zutiefst eindrucksvoll und beruhigend.

Auch bei den Tierbeobachtungen gab etwas Herausragendes: Im Wild-Reservat Maun waren wir zu viert unterwegs, als wir auf eine Giraffenfamilie trafen. Langsam pirschten wir uns unter den neugierigen Blicken der Tiere näher. Schließlich waren wir so dicht, dass wir die offensichtlich sanftmütigen Giraffen aus nächster Nähe sehen und bewundern konnten: Die langen Hälse, die schlanken Beine, das gefleckte Fell, die „Hörnchen“ auf dem Kopf und der Schwanz mit schwarzer Quaste. Von diesem Anblick konnte ich mich nur sehr schwer losreißen.

Die Reise nach Botswana war ein Abenteuer, und der Abschied fiel nicht leicht. Seit einem Monat bin ich wieder in Deutschland. Oft sehe ich mir meine Afrika-Fotos an. Und obwohl die Bilder von den Menschen, den Sonnenuntergängen, dem Vollmond und den Tieren nur Fotos sind, bekomme ich beim Anblick immer wieder eine Gänsehaut.


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Niko Wald

inothernews.de ist der private und nicht-dienstliche Blog von Niko Wald - Journalist, Webmaster, Projektmanager, Redakteur und Onliner.   Politikwissenschaftler und Volkswirt, langjährige Arbeit als freier Journalist bei Tageszeitungen und Online-Redaktionen, ausgebildeter Tageszeitungs-Redakteur, Arbeit als Redakteur in einer aktuellen Printredaktion und als Online-Redakteur für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit der internationalen NGOs Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Seit 1999 begeistert von Botswana (Afrika).   Kanäle: Online,Online, Foto, Video, Audio und Print.   Stationen: Rhein-Hunsrück-Zeitung (Simmern), Der Weg (Saarbrücken), Die Rheinpfalz (Ludwigshafen), Rheinpfalz online (Ludwigshafen), Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg), Rhein-Zeitung (Mayen, Andernach, Koblenz), Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe (Stuttgart und Berlin), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Berlin).   Außerdem (in freier Tätigkeit): Beratung von und Workshops für Kommunen, Universitäten, Kirchenkreise und Landeskirchen. Wissenstransfer und -vermittlung für Medienarbeit und Journalismus, Strategieentwicklung für Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Projektmanagement für Websites und Onlineprojekte   Kontakt: nwx@inothernews.de oder @inothernews_de